Nach Bekennerschreiben – Wer ist die Vulkangruppe? | ABC-Z

Ausnahmezustand im Südwesten Berlins: Zehntausende Haushalte und Tausende Betriebe sind in Steglitz-Zehlendorf seit Samstag nach einem Brandanschlag ohne Strom. Der Blackout könnte für viele Bürgerinnen und Bürger bis Donnerstag (8.1.) andauern. Es gab aber schon eine freudige Nachricht: 7000 Haushalte konnten in der Nacht zu Sonntag wieder ans Netz gebracht werden. Doch warum dauert es in den anderen Stadtteilen so lange? Grund ist der sehr aufwendige Bau von Ersatzleitungen nach dem Brand einer Kabelbrücke über den Teltow-Kanal, wie ein Sprecher von Stromnetz Berlin mitteilte.
Unterdessen ermittelt die Polizei wegen des Verdachts der Brandstiftung. Wie der RBB berichtete, ist auch ein Bekennerschreiben der anarchistischen „Vulkangruppe“ aufgetaucht. Laut Innensenatorin Iris Spranger (SPD) ist es authentisch.
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Vulkangruppe zum Brandanschlag: „Ein Akt der Notwehr“
Wie der „Tagesspiegel“ berichtete, steht in dem Bekennerschreiben: „Wir haben heute Nacht das Gaskraftwerk in Berlin-Lichterfelde erfolgreich sabotiert. Es werden auch Details zum Brandgeschehen in der Nähe des Kraftwerks genannt. „Der Angriff auf das Gaskraftwerk ist ein Akt der Notwehr und der internationalen Solidarität mit allen, die die Erde und das Leben schützen.“
Und weiter: „Es kam zu Stromausfällen in den wohlhabenderen Stadtteilen Wannsee, Zehlendorf und Nikolassee“. Stromausfälle seien nicht Ziel der Aktion, sondern die fossile Energiewirtschaft. „Bei den weniger wohlhabenden Menschen in dem Südwesten Berlins entschuldigen wir uns. Bei den vielen Besitzern von Villen in diesen Stadtteilen hält sich unser Mitleid in Grenzen.“ Ein längerer Stromausfall bei privaten Haushalten sei „weder beabsichtigt noch kalkuliert“ gewesen, schrieb die Gruppe.
Vulkangruppe verübte Strom-Anschlag auf Tesla
Die Vulkangruppe hat erstmals 2011 technische Infrastruktur sabotiert. Sieben Jahre später bekannte sie sich zu einem Angriff auf Kabelverbindungen im Bezirk Charlottenburg. Tausende Haushalte waren damals stundenlang ohne Strom. 2019 attackierten sie Kabel der S- und Fernbahn in Karlshorst.
Zuletzt sorgte die Vulkangruppe im Frühjahr 2024 für Schlagzeilen, als sie einen Brandanschlag auf die Stromversorgung von Tesla im brandenburgischen Grünheide verübte. In einem Bekennerschreiben schrieben sie: „Wir haben heute Tesla sabotiert.“ Danach vermuteten die Behörden mehr denn je, dass auf das Konto der Gruppe auch schon ein Brandanschlag 2021 auf Tesla geht, damals noch eine Baustelle.
Ob die Vulkangruppe auch hinter dem Anschlag steckt, der im September 2025 zu einem großen Stromausfall in Adlershof führte, ist bisher nicht endgültig geklärt. Laut „Tagesspiegel“ wird der Anschlag auf den Technologiepark im neuen Bekennerschreiben aber erwähnt.
Ein Brandanschlag führte zum Stromausfall und legte Tesla lahm.
© DPA Images | Sebastian Gollnow
Vulkangruppe agiert im Großraum Berlin
Im Großraum Berlin haben die Behörden die Vulkangruppe seit Langem auf dem Schirm, in den Verfassungsschutzberichten in Berlin oder Brandenburg wurde sie oft erwähnt. Die Gruppe nutzt gern die linksradikale Internetseite Indymedia.org.
Vulkangruppe nennt man sie, weil sie sich häufig auf isländische Vulkane bezieht, auf „Grimsvötn“, „Katla“ oder „Ok“. Die Behörden tappen nach Recherchen unserer Redaktion allerdings ziemlich im Dunkeln. In Sicherheitskreisen heißt es, man wisse nicht, wer dahinterstecke, wie groß die Gruppe sei und nicht zuletzt, ob links eine passgenaue Schublade sei. Manche betrachten sie als Öko-Terroristen.
Klar ist, dass die Täter sehr professionell vorgehen: Sie wissen genau, was sie tun. Sie wissen, wie sie mit geringem Aufwand hohen Schaden verursachen, wenn sie Kabelschächte, Bahntrassen, Funkmasten oder Datenleitungen sabotieren. Eines haben sie hinlänglich bewiesen: die „Verwundbarkeit der urbanen Mobilitäts- und Kommunikationsinfrastruktur.“
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Schon 2022 warnte der Verfassungsschutz, „linksextremistisch motivierte Brandstiftungen oder Sachbeschädigungen an Fahrzeugen, Maschinen oder der Infrastruktur von Wirtschaftsunternehmen verursachen in Deutschland jedes Jahr Sachschäden in Millionenhöhe.“ Ein Jahr mahnte Amtschef Thomas Haldenwang, mit Verweis auf den Klimaschutz würden „Sabotageakte und Brandstiftung große Schäden“ verursachen. Die Vulkangruppe hat ihn bestätigt.





















