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Ein Hof zum Vergessen: Holzschnitt im Vorabendprogramm | ABC-Z

Als Sat.1 vor etwas mehr als 20 Jahren “Verliebt in Berlin” startete, lehrte der Sender der Konkurrenz das Fürchten – auch, weil die Telenovela rund um die Wandlung der von Alexandra Neldel wunderbar gespielten Lisa Plenske so anders daherkam als all die anderen Dailys, die bis dato über die deutschen Bildschirme flimmerten. Wenn Sat.1 an diesem Montag nun einmal mehr eine neue Serie im Vorabendprogramm startet, dann könnte der Gegensatz zu “Verliebt in Berlin” kaum größer sein – wenngleich das Wort “Verlieben” auch im Titel des jüngsten Neustarts vorkommt.


Doch so neu und innovativ “Verliebt in Berlin” einst war, so altbacken und trutschig kommt “Ein Hof zum Verlieben” daher. Und das liegt keineswegs nur an den schablonenartig gezeichneten Charakteren, die man in gewisser Weise in einer Serie dieser Art fast schon erwarten muss.

Es ist vor allem diese atemberaubende Langsamkeit, mit der dem Publikum die durchschaubare Geschichte um eine Rechtsanwältin, die plötzlich einen Apfelhof erbt, erzählt wird. Dabei werden schöne Landschaftsbilder von Bodensee und Weinbergen ergänzt um gefühlige Popmusik, während die Protagonisten mit wenig subtilen Gesichtsausdrücken zu vermitteln versuchen, wie es in ihnen aussieht. Dazu sagen sie Sätze wie: “Im Leben läuft nicht immer alles nach Plan.” Gegen all das wirken selbst die “Rosenheim-Cops” geradezu wie ein brutaler Actionstreifen.



© Joyn/Svenja Blobel
Laura Albers (Diana Staehly) und Tim Wagner (Moritz Otto).

Wenig innovativ mutet auch die Geschichte an, die rund um die Hauptfigur gestrickt wurde: Anwältin Laura ahnte lange nichts von dem Hof, der der Familie ihres einige Jahr zuvor verstorbenen Ehemanns gehörte. Trotz anfänglicher Zweifel (“Das alles hier hat rein gar nichts mit mir zu tun”) lässt sie sich auf ein neues Leben am Bodensee ein – wo nicht nur zwei Männer um ihr Herz buhlen, sondern auch noch ein Kampf um das Erbe entsteht. Und wie es der Zufall so will, lernt sie einige der wichtigsten Figuren schon kennen, bevor es richtig losgeht. Autopanne, leerer Handyakku, spontane Rettung im Traktor, ein erstes Aufeinandertreffen mit der potenziellen späteren Liebe.


Bei so viel Holzschnitt sticht immerhin Hauptdarstellerin Diana Staehly (“Stromberg”) heraus, die allerdings angesichts der zumeist spröden Dialoge durchgängig unterfordert wirkt. Das könnte auch für das Publikum gelten, das offenkundig nicht allzu viel Aufmerksamkeit investieren muss, um der Handlung zu folgen. Vielleicht zeigt Sat.1 ja auch deshalb gleich zwei Folgen am Tag, um die Herzschmerz-Story, produziert von der Tochter Pyjama Pictures, flotter über die Bühne zu bringen. So wird aus dem “Hof zum Verlieben” mit einiger Wahrscheinlichkeit schnell ein “Hof zum Vergessen”.

“Ein Hof zum Verlieben”, montags bis freitags um 18:00 Uhr in Sat.1

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