Zukunft der Liberalen: „Es wurden schon viele Sargnägel in die FDP gekloppt“, sagt Kubicki – und witzelt über eigene Partei | ABC-Z

FDP-Politiker Kubicki glaubt nach wie vor an die Zukunft seiner Partei. Nach der Niederlage bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg warnt er aber vor „operativer Hektik“ und personellen Konsequenzen. Geschmeichelt fühlt er sich über die Idee einer „Kubicki-Partei Deutschlands“.
Die Bilanz bleibt verheerend. Nachdem die FDP im vergangenen Jahr im Zuge der Bundestagswahl aus dem Parlament gewählt worden war und auch bei der Bürgerschaftswahl in Hamburg ihr Ergebnis halbiert hatte, flog die Partei vergangenes Wochenende erstmals in ihrem Stammland Baden-Württemberg aus dem Landesparlament.
Manche Mitglieder hätten es befürchtet, erklärte Parteivize Wolfgang Kubicki dazu im „FAZ Podcast für Deutschland“, aber „keiner“ habe mit dem Ausscheiden aus dem baden-württembergischen Landtag gerechnet. „Aber so ist nun mal das Leben“, sagte er lakonisch. „Ich bin lange genug in der Partei, um solche Tiefschläge auch verkraften zu können.“
Hinsichtlich der Zukunft der Liberalen lehnte Kubicki einen personellen Neuanfang ab. „Ich warne jetzt zunächst vor operativer Hektik. Einige meiner Parteifreunde – auch bei den jungen Liberalen – haben ja das Gefühl, wenn man jetzt nur den Rücktritt des Bundesvorsitzenden fordert oder der gesamten Parteispitze, dann würde sich das Problem lösen“, mahnte der FDP-Politiker. „So einfach ist das nicht.“
„Die Wahrnehmbarkeit der FDP auf Bundesebene ist gegen null gegangen. Und die Bekanntheit unserer Parteispitze, Christian Dürr und Nicole Büttner, ist definitiv ausbaufähig“, bemängelte er in Richtung der Parteiführung. Zugleich helfe es nicht, sie durch „No-Names“ zu ersetzen. Dürr besitze zudem jene „Durchhaltefähigkeit“, die für dessen Position unabdingbar sei, attestierte Kubicki dem Vorsitzenden.
Ich glaube nicht, dass das der endgültige, definitive Untergang der Partei ist
Für taz-Journalistin Ulrike Herrmann seien personelle Konsequenzen hingegen notwendig. Christian Dürr sei „sehr nett, aber total profillos“, erklärte sie im „Presseklub“ des Podcasts „Apokalypse & Filterkaffee“. „Das entscheidende Datum wird die nächste Bundestagswahl sein.“ Sofern Friedrich Merz erneut als Kanzlerkandidat der Union antreten sollte, könnte die FDP konservative Wähler anlocken, die dem jetzigen CDU-Vorsitzenden die Aufgabe nicht zutrauen und zugleich nicht zur AfD wechseln wollen. „Das könnte der FDP helfen. Das geht aber nicht, wenn weiterhin Christian Dürr an der Spitze ist, weil der gehört ja zu der alten Lindner-FDP.“
„Ich glaube, dass es zu früh ist, den Tod der FDP zu prognostizieren“, unterstrich Herrmann, womit sie ganz auf Linie des stellvertretenden Vorsitzenden der Liberalen einschwenkte. „Es sind schon so viele Sargnägel in den Sarg der FDP reingekloppt worden. Wir haben mittlerweile einen metallischen Sarg“, bekräftigte Kubicki im „FAZ Podcast für Deutschland“. „Ich glaube nicht, dass das der endgültige, definitive Untergang der Partei ist.“
„Wir müssen jetzt wieder aufstehen, denn 4,4 Prozent sind auch noch nicht der Weltuntergang“, erklärte Kubicki mit demonstrativer Gelassenheit. Zur Not würde er auch persönliche Konsequenzen ziehen. „Wenn es Stimmen in meiner Partei gibt, die sagen, wir können auf Kubicki verzichten, dann ist es so“, schilderte er. „Ich kann mir mein Leben auch anders vorstellen, als jeden Tag im Land herumzureisen, um für die FDP zu werben.“
Ganz im Gegenteil liefe es, wenn es nach „Bild“-Kolumnist Harald Martenstein ginge. „Falls die FDP ihre Minichance aufs Überleben nutzen möchte, geht das nur mit Ihnen“, schrieb er in seiner Rubrik „Mail von Martenstein“ in Richtung des ehemaligen Vizepräsidenten des Deutschen Bundestages. „Sie, Wolfgang Kubicki, sind der Boris Palmer der FDP. Viel beliebter und manchmal mutiger als die Partei, der Sie entstammen.“
Einer neuen Partei mit Wolfgang Kubicki als deren zentrale Figur prognostizierte Martenstein künftige Wahlerfolge. „Die KPD, Kubickipartei Deutschlands, käme locker über 5 Prozent“, mutmaßte der Journalist, bevor er witzelnd ergänzte: „Aber wegen des KPD-Verbots von 1956 würde Sie die Polizei als Kommunisten hopsnehmen.“
Auf der Plattform X bezeichnete der angesprochene Politiker die Idee einer „Kubicki-Partei Deutschlands“ als „schmeichelhaft“. „Aber ich gehöre zur FDP, so wie die FDP zu mir gehört“, unterstrich Kubicki in seinem Post. „Nur um zu beweisen, dass ich keine Angst vor der Staatsmacht habe, habe ich die KI einmal an Ihrer Idee arbeiten lassen.“ Dazu teilte er ein politisches Werbeplakat, auf dem er selbst in der Agitprop-Ästhetik der Sowjetunion zu sehen ist.





















