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Zivilschutz: Die Bürger müssen selbst vorsorgen | ABC-Z

Niemand soll sagen, er sei nicht gewarnt gewesen. Bei einem längeren und großflächigen Stromausfall wird der deutsche Zivil- und Katastrophenschutz nicht in der Lage sein, mit Notstrom die Misere zu überbrücken. Um jenen Bürgern mehrerer Berliner Bezirke zu helfen, die tagelang unter den Folgen eines terroristischen Sabotageakts litten und in Dunkelheit und Kälte ausharren mussten, wurden zeitaufwendig Stromaggregate aus ganz Deutschland in die Hauptstadt gebracht. Für alle von der Stromunterbrechung Betroffenen reichte das dennoch nicht.

Die Erfahrung der zurückliegenden Tage darf nicht nur den Berlinern eine Warnung sein. Der Krieg in der Ukraine zeigt Tag für Tag, dass die Energieversorgung – neben der Kommunikationsinfrastruktur – ein primäres Ziel von Attacken ist.

Aber selbst wenn es „nur“ um Unfälle, Cyberattacken oder unerwartete Schäden an Leitungen und Netzen – wie jüngst in der 30.000-Einwohner-Stadt Taunusstein – geht: Mit Notstrom wird dieses Land nicht weit kommen. Zur Verantwortung in der Politik gehört es, gegenüber den Bürgern deutlich die Grenzen der staatlichen Leistungsfähigkeit einzugestehen.

Der Auftritt des Landrats des Rheingau-Taunus-Kreises ist vor diesem Hintergrund von bemerkenswerter Offenheit gewesen. Der für den Katastrophenschutz zuständige Landkreis wird im Krisenfall allenfalls in der Lage sein, die eigene Handlungsfähigkeit zu wahren. Wer darauf wartet, dass – wie in Berlin – Laster mit Notstromaggregaten vor der Haustür stoppen, um den Strom wieder fließen zu lassen und damit der Heizungsanlage Energie zu geben, wird enttäuscht werden. Zumindest gedanklich müssen sich die Bürger auf eine Krise einstellen, die laut Landrat jederzeit eintreten kann. Das Bundesamt für Zivilschutz empfiehlt die Anschaffung für den Innenraum zugelassener Gasheizer, Ethanolkamine oder Petroleumöfen.

Und wohl dem, der von der letzten Silvesterfeier noch Brennpaste für das Fondue-Set übrig hat, um die Fertigsuppe aufzuwärmen. Ratschläge wie diese mögen fast lächerlich wirken. In Berlin wäre mancher Bürger froh gewesen, er hätte sie rechtzeitig beherzigt. Für alle anderen ist es nicht zu spät, die Vorsorge in den eigenen vier Wänden in den Blick zu nehmen.

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