Ziemlich viele Zukunftzenarien: Neue Kinder- und Jugendbücher – Kultur | ABC-Z

Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie mit der Zukunft zu tun haben: Ja, eh. Was mit diesem zwar sattsam bekannten, dessen ungeachtet aber trefflichen Witzchen abgesehen von der Unvorhersehbarkeit des Morgen noch zum Ausdruck kommt: Fatalismus. Und der ist auf dieser Welt sehr ungleich verteilt: 72 % der Deutschen glauben, ihr Leben und Erfolg seien allem voran das Ergebnis äußerer – sprich: unbeeinflussbarer – Umstände. Exakt doppelt so viele wie in den USA. Noch krasser: Nur ein Viertel der Deutschen hält sozialen Aufstieg durch Leistung für möglich – in Schweden tun das sieben von zehn. Manchen, so die Politikwissenschafterin, Militärstrategin und Zukunftsforscherin Florence Gaub in Szenario, fällt es offenbar schwerer als anderen, “die Zukunft als Möglichkeitsraum zu begreifen”. Also bietet sie uns genau das an: Möglichkeiten. Entscheidungspfade. Als Lesende übernehmen Sie die Rolle eines unabhängigen strategischen Analysten, der von der Havarie eines norwegischen Forschungsschiffes vor Spitzbergen erfährt. Ein Unfall? Folge einer Drohnenattacke oder von Cybermanipulation des Schiffscomputers? Da Ihre geopolitische Aufmerksamkeit schon länger der Arktis und insbesondere deren Bedeutung für Russland gehört, beschließen Sie zu recherchieren. “Ihre nächsten Optionen”: Moskau direkt fragen, vor Ort in Tromsø Erkundigungen einholen oder den fehlenden Akteur in diesem Szenario hinzuziehen – Peking. Jede dieser Möglichkeiten wird Ihnen mit einer Chancen-Risken-Abwägung präsentiert. Szenario ist ein Strategiespielbuch, in dem Sie Ihren eigenen Weg finden müssen – mit dem wesentlichen Unterschied, dass alles, von dem ausgegangen wird, auf belegten Fakten beruht. Im ersten Anlauf habe ich es geschafft, in nur fünf Zügen meine Karriere zu zerstören, im zweiten etwas länger gebraucht, um im Gefängnis zu landen … Gaub beruhigt: “Szenarien, egal wie negativ, führen am Ende immer zur Bewusstmachung von Selbstwirksamkeit”. Und auch, und das ist wohl die noch größere Leistung dieses besonderen Titels, zu jener der eigenen Denkmuster und (Vor)urteile.





















