ZDF mit kurioser Übertragung des DFB-Frauen-Spiels | ABC-Z

Wer am frühen Samstagabend ab 18 Uhr das WM-Qualifikationsspiel der Deutschen Frauenfußball-Nationalmannschaft gegen Norwegen sehen wollte, der guckte bei den Öffentlich-Rechtlichen zunächst in die Röhre: Während die ARD im linearen Fernsehen Drittliga-Fußball bot, rasten im ZDF die Rodlerinnen und Rodler beim Weltcup-Finale in Altenberg über den Bildschirm. Bei der Wichtigkeit der Partie der DFB-Frauen – es geht schließlich um nichts weniger als die Teilnahme an der Weltmeisterschaft in Brasilien im kommenden Jahr – eine durchaus ungewöhnliche Entscheidung.
Kommentatorin als Tontechnikerin? Neumann dreht sich selbst den Saft ab
Fündig wurde man dann letztendlich auf der Website des Zweiten Deutschen Fernsehens, wo das geschichtsträchtige Duell der beiden (ehemaligen) Fußball-Großnationen im Livestream gezeigt wurde. So weit, so gut. Etwa zehn Minuten vor Anstoß der Partie begrüßte Kommentatorin Claudia Neumann die Zuschauerinnen und Zuschauer von der kleinen Pressetribüne des 15.900 Fans fassenden Viking-Stadions im norwegischen Stavanger.
Als bereits nach drei Minuten kurzer Einordnung der 62-Jährigen die Spielerinnen beider Nationen einliefen, blickte Neumann immer wieder zwischen der Kamera und einem kleinem Bildschirm, der das Geschehen auf dem Rasen zeigte, hin und her und bewegte ihren linken Arm dann langsam aus dem Kamerabild. Weil währenddessen Neumanns Audio immer leiser wurde, scheint es, als hätte die Kommentatorin die Tonspur ihres markant orange-grauen Mikrofons eigenhändig runtergedreht. Erst nach 30 Sekunden purer Stadion-Atmosphäre ertönte dann wieder Neumanns Stimme.
Claudia Neumann war im norwegischen Stavanger für das ZDF mehr als „nur“ Kommentatorin.
© ZDF und Torsten Silz | Torsten Silz
„Mitgereiste deutsche Fans (…)“ waren die ersten Worte, die durch ein Headset zu hören waren. Ein Teilsatz, der darauf schließen lässt, dass die Kommentatorin bereits zuvor ihren Job erledigte, die Einrichtung des neuen Aufnahmegeräts aber wohl noch nicht abgeschlossen war. Sollte Neumann selbst dafür verantwortlich sein, auch kein Wunder: Immerhin gehört die Regulation von Audiospuren im Normalfall nicht zum Aufgabenfeld eines Kommentatoren. Über die nächsten 45 Minuten lief dann aber alles reibungslos – bis die Halbzeitpause kam.
Handkamera für mehr Nähe – oder so
Nachdem Neumann noch ein paar Stimmungsbilder einfangen ließ, erhob sie sich von ihrem Platz, legte Headset und Brille ab und erklärte: „So, wir machen uns derweil dann mal auf den Weg.“ Das Kamerabild wechselte und zeigte jetzt Neumann, die sich mit dem ZDF-Mikrofon in der Hand aus der schmalen Pressebank zwängte und die Treppen zum Spielfeld herabging. Der Kameramann empfing sie auf der Hälfte der Treppe, dann bahnten sich beide gemeinsam den Weg durch sitzende Zuschauer hindurch weiter nach unten. Die Zuschauenden des Livestreams konnten sich aufgrund des wackligen Bildes so fühlen, als wären sie persönlich vor Ort: Ein Stilmittel, das normalerweise in Filmen eingesetzt wird.
Endlich auf dem Rasen angekommen ging Neumann – natürlich von der Kamera verfolgt – am Spielfeldrand entlang, auf der Suche nach DFB-Vizepräsidentin Heike Ullrich. „Die Heike ist schon da, das gibt‘s ja gar nicht“, freute sich die Kommentatorin als sie ihre Gesprächspartnerin erblickte. „Heike, Mensch da bist du ja schon“, begrüßte Neumann die DFB-Vizepräsidentin locker, die sie „schon ziemlich lange“ kenne. Es folgte ein achtminütiges Halbzeitinterview, das teilweise eher wie ein Gespräch zweier Freunde wirkte, bei dem der Kameramann immer wieder leicht veränderte Einstellungen bot. Scheinbar, weil er sein Gewicht immer wieder vom einen aufs andere Bein verlagerte.

In Norwegen konnten die DFB-Frauen um Elisa Senß (rechts) über vier Tore jubeln.
© IMAGO/HMB-Media | IMAGO/Hendrik Hamelau
Neumanns Weg zurück zu ihrem Arbeitsplatz wurde dann nicht dokumentiert: Die verbleibenden fünf Minuten der Pause wurden den Zuschauerinnen und Zuschauern an den Bildschirmen Eindrücke aus Stadion und Spielertunnel geboten. Die restliche Partie kommentierte die 62-Jährige dann wieder normal weiter – bis sie kurz nach Abpfiff plötzlich wieder unten am Spielfeldrand stand. Wie Neumann dahingekommen war? Wurde nicht gezeigt, ließ sich anhand der Szene aus der Halbzeitpause aber erahnen.
„Da kommt er schon – Christian Wück im Anmarsch“ zu Neumanns Feldinterview
Als erstes sprach Neumann mit Carlotta Wamser, musste die Torschützin zum 2:0 aber nach etwa 90 Sekunden zur Ansprache im Mannschaftskreis entlassen. Die folgenden Minuten, in der Wück einige Worte an seine Mannschaft richtete und sich die DFB-Frauen bei den mitgereisten Fans bedankten, überbrückte Neumann so lange, bis Ann-Katrin Berger zu ihr geschickt wurde. Die Szene zwischen der deutschen Torhüterin und Pressesprecherin Sonja Alger wurde natürlich auch von der Kamera eingefangen.
Es folgte das Warten auf den Bundestrainer, „den wir unbedingt zum Spiel befragen müssen.“ Nach erneuter kurzer Zeit-Überbrückung, in der die Kommentatorin immer wieder nach Christian Wück Ausschau hielt, dann die Erleichterung: „Da kommt er schon – Christian Wück im Anmarsch.“ Mit „Servus und Hallo“ begrüßte sie den Bundestrainer leger zu ihrem insgesamt vierten und zugleich letzten Interview des Tages.
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zu.
Abschließend verabschiedete sich Neumann aus Stavanger – wo sie Tontechnikerin, Moderatorin, Reporterin und natürlich Kommentatorin in Einem hatte geben müssen. So eine One-Woman- oder One-Man-Show gibt es vielleicht mal bei kleineren Sportchanneln – für einen staatlich finanzierten Fernsehsender wie das ZDF grenzt diese Übertragung aber an Peinlichkeit.





















