Zalando verzichtet auf Verpackungsmaterial vom größten Waldbesitzer in Schweden | ABC-Z

Mit Zalando hat der zweite Großkonzern beschlossen, keine Papierprodukte mehr von Schwedens größtem privaten Waldbesitzer SCA zu verwenden. Das berichtete die Zeitung Dagens Nyheter (DN) am Montag. Im November hatte bereits Lebensmittelgigant Nestlé eine entsprechende Entscheidung verkündet.
In beiden Fällen wird die in Schweden seit Jahrzehnten gängige und von SCA weiterhin verteidigte Kahlschlagmethode in der Forstwirtschaft als Grund genannt – unter Naturschutz- und Menschenrechtsaspekten. Die fortgesetzte Abholzung riesiger, auch bis dahin unberührter Waldflächen gefährdet die Lebensweise der samischen Rentierhalter auf ihren angestammten Gebieten.
Internationale Organisationen wie Greenpeace und einheimische wie Skydda Skogen (Schützt den Wald) setzen sich schon lange dafür ein, die aus dem umstrittenen Kahlschlag entstehenden Probleme international bekannt zu machen. Ende Januar nutzten sie die Copenhagen Fashion Week, um deren Hauptsponsor Zalando für seine Verbindung zur schwedischen Waldproblematik zu kritisieren.
Bereits 2024 hatte Zalando nach einem Greenpeace-Bericht darüber, wie Schwedens Urwälder zu Einwegverpackungen gemacht würden, der taz gesagt: „Um das Risiko auszuschließen, Fasern aus Urwäldern in Schweden zu erhalten, bestehen wir darauf, FSC-zertifiziertes Material für den Frischfaseranteil zu verwenden.“ Die Kritik am schwedischen FSC-Siegel war da bereits bekannt, aber noch bewertete Zalando es als „das nach wie vor umfassendste Gütesiegel“.
Umweltorganisationen begrüßen die Entscheidung
Die Kritik an SCA verstummte indes nicht. Im vergangenen Jahr ließ Zalando nach eigenen Angaben eine unabhängige Beraterfirma die Vorwürfe von Umweltzerstörung und Menschenrechtsverletzungen untersuchen. Nun bestätigte der E-Commerce-Konzern gegenüber DN: „Wir kaufen keine Produkte direkt von SCA, aber nach Abschluss der Untersuchung sowie weiteren internen und externen Dialogen, haben wir den Entschluss gefasst, SCA-Material aus unseren Verpackungsprodukten auszuschließen.“
Umweltorganisationen – neben den genannten auch Skogsupproret und Robin Wood – bewerten es in einer gemeinsamen Erklärung positiv, dass Zalando Druck auf die gesamte Lieferkette ausübe. Der Konzern ist Kunde des Verpackungsriesen DS Smith, der wiederum Kunde bei SCA ist. Andere Unternehmen sollten nun dem Beispiel folgen, so die Organisationen.
„Wenn so große internationale Akteure sich entscheiden, SCA zu verlassen, können die nicht einfach weiter behaupten, dass sie nachhaltig sind“, sagte Daniel Rutschman, internationaler Kampagnenleiter von Skydda Skogen. „Der Markt hat die falsche Fassade durchschaut.“
SCA hält in einer Reaktion daran fest: Ihre Waldnutzung geschehe in Einklang mit schwedischen und EU-Gesetzen sowie den unabhängigen Zertifizierungssystemen FSC und PEFC, schrieb deren Nachhaltigkeitsdirektor Anders Edholm an DN. Sowohl die Zertifizierungssysteme als auch die Gesetzgebung selbst sind Teil der Kritik der schwedischen Waldschützer.
Gerade erst forderte die Waldverwaltungsbehörde Skogsstyrelsen die Einführung eines obligatorischen Lobbyregisters. Die Behörde hatte die Universität Lund mit einer politikwissenschaftlichen Untersuchung zu den Fragen beauftragt, wer in Schweden die Macht über den Wald hat, und wie und wie transparent diese Macht ausgeübt wird.
Der Abschlussbericht weist auf die zentrale Rolle von Machtfragen für die Demokratie hin – und stellt fest: Die beunruhigendste Entwicklung für Wald-Schweden sei die nach außen häufig unerkennbare Verbindung zwischen Politik und Wirtschaft. Der Bericht hebt die Rolle von Lobbyisten bei öffentlichen Gutachten hervor und die von Menschen, die zwischen PR-Arbeit für die Waldindustrie und politischen Ämtern wechseln.





















