Wohnungskrise: Klingbeil plant Bundesgesellschaft für bezahlbaren Wohnungsbau | ABC-Z

Gegen den Wohnungsmangel will Vizekanzler und Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) eine Bundesgesellschaft für bezahlbaren Wohnungsbau gründen. Diese neue Gesellschaft wäre keine Baufirma und auch keine Behörde, sondern eine Art Entwickler und Kreditgeber für Wohnungsprojekte, heißt es in einem Papier, das der Süddeutschen Zeitungund der Nachrichtenagentur dpa vorliegt.
“Der privatwirtschaftliche Wohnungsbaumarkt allein kann den nötigen Neubau zu bezahlbaren Preisen nicht realisieren”, heißt es in Klingbeils Papier. Die Bundesgesellschaft mit “schlanker Organisationsstruktur” könnte demnach Wohnungsbauprojekte entwickeln, öffentlich ausschreiben und mit preiswerten Krediten helfen. “Die beauftragten Baufirmen liefern die Wohnungen”, heißt es weiter.
Klingbeil hatte die Idee einer bundeseigenen Wohnungsbaugesellschaft in seiner Reformrede vergangene Woche erwähnt, aber nicht weiter ausgeführt. Unterstützung bekam er von Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD). Gemeinsam mit ihr möchte Klingbeil in den nächsten Monaten ein Konzept ausarbeiten.
Grundgesetzänderung wäre für Bundesbaugesellschaft nötig
Die reinen Baukosten sollen nach Klingbeils Vorstellungen auf unter 3.000 Euro je Quadratmeter gedrückt werden. Erreicht werden soll dies über einen “industriellen Hochlauf” seriellen Bauens mit Abnahmegarantien. Gemeint ist der standardisierte Bau mit vorgefertigten Teilen. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben solle öffentliche Grundstücke bereitstellen, heißt es weiter. Bei der Umsetzung könnte die Bundesgesellschaft auf öffentlich-private Partnerschaften setzen.
Allerdings sei für die Errichtung einer solchen Gesellschaft eine Grundgesetzänderung nötig, da das Wohnungswesen Ländersache sei. “Die Bundesregierung strebt dazu – im Zusammenspiel mit den Ländern – eine entsprechende Änderung des Grundgesetzes an”, heißt es in dem Papier. Für eine Grundgesetzänderung wären Zweidrittelmehrheiten sowohl im Bundestag als auch im Bundesrat notwendig. Linken-Chef Jan van Aken hatte in der vergangenen Woche bereits seine Zustimmung signalisiert.
Das Pestel Institut schätzt, dass in Deutschland derzeit rund 1,4 Millionen Wohnungen fehlen. Das geht aus dem Sozialen Wohn-Monitor 2026 hervor, den das Pestel Institut im Januar zusammen mit dem Bündnis Soziales Wohnen vorgestellt hat. Im Jahr 2024 wurden gerade einmal rund 246.000 neue Wohnungen fertiggestellt und damit deutlich weniger als die 400.000, die von der einstigen Ampelregierung einmal als Ziel vorgegeben wurden. 2026 könnte die Zahl sogar auf 200.000 neue Wohnungen pro Jahr sinken, prognostiziert der Spitzenverband der Wohnungswirtschaft (GdW).





















