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Wohnungen im Kloster in Giesing: Werden die „Armen Schulschwestern“ jetzt reich? – München | ABC-Z

Der goldene Heiligenschein über dem Madonnenrelief an der Fassade glänzt wie frisch geputzt – ansonsten aber macht das Gebäude an der Kistlerstraße in Giesing an diesem Vormittag einen verlassenen Eindruck. Kein Mensch ist zu sehen, hinter den Gardinen rührt sich nichts, und es parkt auch kein Auto vor dem Hauseingang, über dem eine Tafel mit dem Schriftzug prangt: „Arme Schulschwestern“.

Der Orden ist Eigentümer des ehemaligen Klosters nahe dem U-Bahnhof Silberhornstraße und hat große Pläne für das denkmalgeschützte Anwesen – zumindest, wenn es nach zwei Anträgen auf Vorbescheid geht, die schon vor einigen Jahren im Rathaus eingegangen sind. Demnach sollen in dem Gebäude und in angrenzenden Neubauten circa 50 Wohnungen entstehen. Wie das geschehen soll? Und was dort genau geplant ist? Auf diese Fragen gibt der Orden keine Antworten.

Nachdem die Pläne der Armen Schulschwestern durch die Anträge publik geworden waren, beschloss der Planungsausschuss des Stadtrats im März 2023 das Aufstellen eines sogenannten sektoralen Bebauungsplans für dieses und einige angrenzende Grundstücke. Dadurch sollte vor allem verhindert werden, dass auf dem Areal im Herzen von Giesing teure Luxusapartments entstehen. So war ursprünglich geplant, in dem Bebauungsplan einen Anteil von 40 Prozent an gefördertem Wohnraum festzusetzen.

Von diesen ambitionierten Plänen nahm das Planungsreferat jedoch wieder Abstand: In der abschließenden Stadtratsvorlage zum sektoralen Bebauungsplan für das Gebiet zwischen Kistler-, Weinbauern- und Martin-Luther-Straße war nur mehr eine zehnprozentige Quote für geförderten Wohnraum festgeschrieben. Das Referat begründet die Absenkung damit, dass es gar nicht mehr genug Fördermittel gebe, auf die Investoren beim Bau bezahlbarer Wohnungen Anspruch haben.

An dieser Absenkung übte Brigitte Wolf (Linke) in der jüngsten Sitzung des Planungsausschusses im März heftige Kritik: „Wir sind als Tiger gestartet und landen jetzt nicht mal als Bettvorleger, sondern als Putzlumpen.“ Eine Quote von 40 Prozent hätten bei dem Vorhaben 14 bis 16 Sozialwohnungen bedeutet, so Wolf. Nun seien es nur mehr vier bis fünf.

Kritisch äußerte sich auch Heike Kainz (CSU), die betonte, sektorale Bebauungspläne grundsätzlich abzulehnen. „Finanzielle Mittel und personeller Einsatz gehen da in die falsche Richtung.“ Überdies monierte Kainz „mehrere Jahre Zeitverzögerung“ bei dem Projekt – ein Punkt, den auch Jörg Hoffmann hervorhob. „Der Wohnungsbau hätte schon längst beginnen können“, ärgerte sich der FDP-Stadtrat. „Das hat wahnsinnig viele Ressourcen gebunden bei der Stadt, die woanders besser eingesetzt wären.“

Demgegenüber betonte Christian Smolka (Grüne): „Wir sind froh, dass wir trotzdem immer noch bei zehn Prozent sind. Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach.“ Gegen die Stimmen der Fraktionen von CSU/Freie Wähler, FDP/Bayernpartei und Linke/Die Partei wurde der Bebauungsplan letztlich beschlossen.

Der Grundstückswert ist durch die Absenkung der Förderquote deutlich gestiegen

Damit besteht nun Baurecht für das Areal rund um das frühere Kloster der Armen Schulschwestern, das dem Orden zuletzt als Alten- und Krankenheim diente. Überdies war dort der Kindergarten einer Elterninitiative beheimatet, der inzwischen jedoch eine neue Heimat gefunden hat. Wie es jetzt an der Kistlerstraße weitergeht? Das bleibt zunächst offen, da der Orden auf Anfragen zu seinen Plänen nicht reagiert.

Denkbar ist auch, dass er das Grundstück für eine Millionensumme an private Investoren verkauft. Die Senkung der Förderquote von 40 auf zehn Prozent hat den Wert des Grundstücks deutlich gesteigert.

Laut den Anträgen auf Vorbescheid – mit ihnen werden im Vorfeld des eigentlichen Bauantrags spezifische Fragen zur Zulässigkeit von Projektdetails abgeklärt – sollen auf dem Areal bis zu 5100 Quadratmeter Wohnraum entstehen. Dies würde zum einen in dem 1872 errichteten Haus selbst geschehen, zum anderen durch Neubauten im Innenhof.

Die Armen Schulschwestern von Unserer Lieben Frau, wie sie offiziell heißen, sind eine 1833 gegründete Ordensgemeinschaft in der katholischen Kirche. Weltweit ist sie in 30 Ländern aktiv; die „Provinz Europa“ hat ihren Sitz in München. Im Mutterhaus am Unteren Anger leben nach Angaben des Ordens nicht nur 35 Schwestern, sondern dort betreibt die Gemeinschaft auch das Theresia-Gerhardinger-Gymnasium, eine Grundschule, einen Kindergarten und ein Studentinnenwohnheim.

SPD-Stadträtin Simone Burger appellierte an die Armen Schulschwestern, bei der künftigen Entwicklung des Grundstücks in Giesing einer sozialen Verantwortung gerecht zu werden. „Sehr lang“ hätten die katholische und die evangelische Kirche zu den „gemeinwohlorientierten Akteuren“ auf dem Wohnungsmarkt gehört, „wir brauchen die Kirchen auch künftig, sie müssen ihren Beitrag leisten“.

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