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WM-Kandidatenturnier im Schach: Sindarov schreibt Geschichte – Blübaum startet stabil | ABC-Z

Stand: 01.04.2026 • 22:55 Uhr

Javokhir Sindarov mischt weiter die Schachwelt auf. Nach vier Runden beim WM-Kandidatenturnier kann sich auch die Zwischenbilanz von Matthias Blübaum aus Lemgo sehen lassen.

Nach vier Runden haben alle acht Teilnehmer eine erste Standortbestimmung abgegeben. Das Kandidatenturnier des Weltschachverbandes FIDE findet vom 29. März bis 15. April in Pegia, Zypern, statt. Der Sieger erhält später im Jahr die Chance, Weltmeister Gukesh Dommaraju im Match um den Titel im klassischen Schach herauszufordern.

Vor allem Javokhir Sindarov hat bislang eindrucksvoll unter Beweis gestellt, mehr als nur ein Geheimtipp zu sein. Der 20-jährige Usbeke schrieb mit seinem spektakulären Sieg gegen Favorit Fabiano Caruana am Mittwoch Geschichte: Drei Siege und ein Remis – 3,5 Punkte aus den ersten vier Partien – gelangen zuvor noch keinem Spieler bei einem Kandidatenturnier, auch nicht Magnus Carlsen.

Caruana von tollkühner Eröffnung “kalt erwischt”

“Ich hatte das Glück, die Variante vor der Runde noch einmal wiederholt zu haben. Als sie aufs Brett kam, hatte ich einen großen Zeitvorteil. Es war trotzdem eine schwierige Stellung”, kommentierte Sindarov, der sich mit seinem Triumph beim FIDE-Weltcup 2025 für das Kandidatenturnier qualifiziert hatte.

Caruana räumte ein, von der Eröffnung “kalt erwischt” worden zu sein. Nach zehn Zügen entstand eine Stellung des abgelehnten Damengambits, die es nie zuvor auf Großmeister-Niveau auf dem Brett gegeben hatte. Früh aus der Vorbereitung geworfen, war Caruana gezwungen, eine hochkomplexe Stellung mit taktischen Verwicklungen und günstigen Opfern am Brett zu berechnen. Trotz präziser Variantenberechnung fand er unter zunehmendem Zeitdruck kein Gegenmittel gegen Sindarovs aktives Figurenspiel – auch, weil sein König in der Mitte verharren musste.

Nur Blübaum und Sindarov noch ungeschlagen

Der Erfolg gegen Caruana war ein Big Point: Mit 3,5 aus 4 Punkten geht Sindarov mit einem Zähler Vorsprung auf Caruana (2,5 Punkte) in den ersten Ruhetag. Dahinter folgt ein Verfolgerfeld mit jeweils zwei Punkten, zu dem auch Matthias Blübaum gehört. Blübaum, erster deutscher Kandidat seit Robert Hübner 1991, startete mit vier Remis in vier Partien äußerst stabil – und ist neben Sindarov der einzige bislang ungeschlagene Spieler im Feld.

Mit den weißen Steinen setzte Blübaum in seinen Partien gegen Wei Yi, Andrey Esipenko und Praggnanandhaa Rameshbabu auf sein bewährtes Damenbauernspiel. Mit Schwarz verteidigte er unaufgeregt und sicherte durch Stellungswiederholung früh das Remis. Bemerkenswert: Ausgerechnet Blübaum, der mit der niedrigsten Elo-Zahl (2698) im Feld ins Turnier gestartet war, fügte Spitzenreiter Sindarov den bislang einzigen halben Punktverlust zu.

Favoriten unter Zugzwang – Chance für Blübaum

Das Kandidatenturnier ist ein Marathon über 14 Runden. Während einige Favoriten bereits komplizierte und kräftezehrende Partien hinter sich haben, agierte Blübaum bislang kontrolliert und ökonomisch – ein Ansatz, der sich im weiteren Turnierverlauf auszahlen könnte.

Im Gegensatz zum Europameister aus Deutschland, der sich über Rang zwei beim FIDE Grand Swiss qualifizierte, stehen viele seiner Konkurrenten bereits stärker unter Zugzwang. So ließ beispielsweise Hikaru Nakamura mehrere aussichtsreiche Möglichkeiten ungenutzt und steht nach vier Runden noch ohne Sieg bei lediglich 1,5 Punkten.

Am Freitag (03.04.2026) wartet mit Caruana zwar ein Schwergewicht auf Blübaum – allerdings eines, das nach der Niederlage gegen Sindarov wohl etwas mehr Risiko gehen muss, um den Anschluss nicht zu verlieren. Gerade gegen vermeintliche Außenseiter neigen Topspieler im Turnierverlauf dazu, ihre Strategie zu verschärfen. Das könnte Blübaum Chancen auf seinen ersten Sieg eröffnen.

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