Wird aus Markus Söder und Dominik Krause ein Oktoberfest-Team? | ABC-Z

Liebe Leserin, lieber Leser,
in unseren Redaktionskonferenzen ging es in der vergangenen Woche turbulent zu. Aufhänger war der Fall Fernandes/Ulmen. Wie sollen wir weiter berichten über diese mutmaßlichen Abgründe des digitalen sexuellen Missbrauchs? Bei dieser Frage stellte sich heraus, welch gigantisches Ausmaß die sexuelle Belästigung im digitalen Raum hat. Und das macht nicht nur uns Frauen mit unseren eigenen Erlebnissen betroffen. Auch unsere männlichen Kollegen diskutierten schwer bewegt.
Christian Ulmen mit Ehefrau Collien Ulmen-Fernandes bei Omega Uhren lanciert die neue Damenuhr – Tresor im Kraftwerk in Berlin
© picture alliance / Eventpress | Eventpress Fuhr
Kein Wunder: Was Christian Ulmen seiner Ex-Frau Collien Fernandes während der Ehe angetan haben soll, schnürt regelrecht den Hals zu. Das Gute daran ist: Jetzt endlich erreicht die massive Gewalt, die von Männern ausgeht, auch unsere Verantwortlichen in der Politik. Ein Push sozusagen für schärfere Gesetze. Leider schoss Bundeskanzler Friedrich Merz in der Hitze einer Bundestagsdebatte über das Ziel hinaus: Er sprach von explodierender Gewalt im analogen und digitalen Raum, gegen die man etwas tun müsse. Dazu gehöre aber auch, die Ursachen anzusprechen. Und dann erklärte er, dass ein beachtlicher Teil der Gewalt aus den Gruppen der Zuwanderer komme. Das gehöre zur Vollständigkeit des Bildes dazu.
Gibt es eine Rolle rückwärts bei der Gleichberechtigung?
Ein genauer Blick auf die Zahlen des BKA zeigt: Der Fall Ulmen taugt nicht, um Migranten bei sexueller Belästigung unter Generalverdacht zu stellen. Besorgniserregend ist eher eine aktuelle Ipsos-Umfrage, wonach jeder dritte Mann der Generation Z der Meinung ist, die Ehefrau sollte immer dem Mann gehorchen. Bei männlichen Babyboomern sind es nur 13 Prozent. Ähnliche Konstellationen finden sich bei Aussagen zur Gleichstellung, Kinderbetreuung oder Karriere.
Ich frage mich: Was ist da eigentlich los? Erfährt die Gleichstellung, wie ich sie in den vergangenen Jahrzehnten erlebt habe, derzeit eine Rolle rückwärts? Hat das etwas mit dem Rechtsruck zu tun, der in der jüngeren Generation besonders stark ausgeprägt ist? Und auch mit Einflüssen von Migranten? Wir werden dieser Frage noch verstärkt nachgehen müssen.

Birgitta Stauber, Textchefin
© Montage | FMG/Reto Klar/FFS
Meine Kollegin Nina Noire Kugler ist ziemlich genervt von Friedrich Merz. Der Zeigefinger auf Migranten „schützt keine Frau“, schreibt sie in ihrem Kommentar. Sie fordert, dass nicht nur debattiert wird, sondern dass Konsequenzen aus dem Fall Ulmen/Fernandes folgen, und zwar gegen die Täter, die Deepfake-Pornos verbreiteten, die ungefragt ihre Genitalien verschickten, die auf der Straße pöbeln. Sie wolle mehr Sicherheit, ob im öffentlichen, privaten oder digitalen Raum, schreibt sie mit sehr persönlichen Worten.
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Hoda Rostami aus Teheran erzählt von ihrem Alltag
Sehr persönlich ist auch die digitale Post, die wir derzeit von der Autorin und Bloggerin Hoda Rostami erhalten. Normalerweise reist sie um die Welt, um ihren Followern von ihren Erlebnissen zu erzählen. Doch jetzt sitzt sie in ihrer Heimat im Iran fest, weil der Flugraum so gut wie geschlossen ist. Also reist sie durch ihr Land und beobachtet, wie die Menschen mit diesem Krieg umgehen. Daran lässt sie nun unsere Leser teilhaben: In loser Folge beziehungsweise wann immer ihre Internetverbindungen es zulassen, schickt sie exklusiv für unsere Redaktionen E-Mails mit kleinen Erzählungen über den Alltag der Menschen in Kriegszeiten.

Szene aus Buschehr im Süden Irans, wo Hoda Rostami den Alltag beobachtet.
© privat | Hoda Rostami
„Niemand stellt sich vor, einen Krieg zu erleben“, schreibt sie in ihrem ersten Text. In anderen Folgen geht es um die Träume von Spaziergängen mit offenem Haar, von Fernweh, vom Spielwarenhändler, der trotz der Gefahren sein Geschäft offen hält. Lesen Sie hier die Folge eins, und wenn es Ihnen gefällt, bleiben Sie gerne dran.
War der Opa in der NSDAP? So finden Sie es heraus
Seine persönlichen Gedanken und Erlebnisse einer breiten Öffentlichkeit mitzuteilen, dazu gehört Mut – und die Liebe zur Erzählung. Doch tief im Verborgenen schlummern in vielen Menschen Geheimnisse. Etwa, was die Vergangenheit der Vorfahren angeht. Waren sie wirklich alle im Dritten Reich lediglich unschuldige Mitläufer? Innere Widerstandskämpfer? Oder haben sich Oma und Opa nicht vielleicht doch gemein gemacht mit den Werten der NSDAP – und damit einen beispiellosen Genozid in Kauf genommen?

Die NSDAP hielt bis 1945 die Daten von Millionen Parteimitgliedern in Karteikarten fest. Dadurch ist es heute möglich, ehemalige Parteiunterstützer zu finden.
© imago/ZUMA/Keystone | imago stock&people
Wer wissen will, ob die Vorfahren Mitglied der Nazi-Partei waren, kann es jetzt herausfinden. Denn die USA haben von den Karteikarten der Mitglieder, die eigentlich 1945 in einer Papierfabrik vernichtet werden sollten, Mikrofilme angelegt. Durch die Veröffentlichung des US-Nationalarchivs sind sie nun online einsehbar. Athena Riegel erklärt, wie es funktioniert.
Hotel Mama: Davon hat diese Italienerin die Nase voll
Und jetzt meine Lieblingsgeschichte der Woche. Sie handelt von Nesthockern in Italien. Von Männern und auch immer mehr Frauen, die trotz Ausbildung und Job einfach bei ihrer Mama wohnen bleiben, sie den Haushalt machen lassen und sich an keinerlei Kosten beteiligen. Eine Mutter aus Ravenna war es leid: Sie erreichte per Gerichtsurteil, dass ihr 31-jähriger Sohn endlich auszieht. Obendrein muss er 3000 Euro Verfahrenskosten tragen. Auch in Pavia urteilten Gerichte, dass die beiden 40 und 42 Jahre alten Söhne ausziehen müssen. Auch sie beuteten ihre 75-jährige Mutter gnadenlos aus. Unsere Korrespondentin Micaela Taroni beschreibt das Phänomen.

Längst erwachsen, doch die Wäsche wäscht immer noch Mama.
© FUNKE Foto Services | Peter Buchacher
Diese Form des Nesthockens, die von Müttern abverlangt, lebenslang zu Diensten zu sein, ist ebenfalls eine Folge patriarchaler Strukturen. Natürlich steckt auch dahinter, dass immer weniger Italienerinnen und Italiener heiraten und Kinder bekommen. Wohnungen werden immer teurer. Aber dass sich endlich Mütter gegen die Ausbeutung wehren und vor allem, dass ganz Italien darüber diskutiert, finde ich wunderbar.
Schwimmt Markus Söder bald wieder auf der grünen Welle mit?
Gespannt bin ich auf das nächste Oktoberfest. Genauer auf den Start, wenn der Münchner Oberbürgermeister den Zapfhahn ins Bierfass hämmert, „O‘zapft is“ ruft und dem bayerischen Ministerpräsidenten die erste Maß überreicht, denn so ist die Tradition. Der OB wird in diesem Jahr der frisch gewählte Dominik Krause sein, offen schwul, grün und ziemlich jung. Ob Ministerpräsident Markus Söder (CSU) bis dahin seine Aversion gegen die Grünen überwindet, sie vielleicht sogar aus seinem eingefleischten Populismus heraus wieder umarmt wie vor einigen Jahren, als eine Volksbefragung zum Artenschutz („Rettet die Bienen“) ihn zu überrennen drohte?

Ein historischer Moment: Dominik Krause und sein Verlobter Sebastian Müller nach dem Wahlsieg – München hat erstmals einen offen schwulen Oberbürgermeister.
© dpa | Sven Hoppe
Bislang gibt er sich noch sauertöpfisch, er schaffte es noch nicht mal, dem jungen Krause ordentlich zu gratulieren. Ex-Grünen-Chefin Ricarda Lang will sich jedenfalls das Schauspiel nicht nehmen lassen, erklärte sie angesichts des Wahlsieges von Dominik Krause. Meine Kollegin Aino Akay hat sich mit dem neuen Grünen-Star beschäftigt. Lesen Sie hier, wen Krause am Wahlabend küsste und warum er so viele Münchner für sich gewinnen konnte.
Ein wenig Frische würde auch Berlin guttun
Wenn man sich die Wahlergebnisse in Metropolen anschaut, dann scheint es offenbar eine Sehnsucht nach hippen, linken, coolen Typen zu geben. Vorbild ist etwa Zohran Mamdani in New York, ein Moslem, der früher Rap-Videos drehte und seinen Anhängern auch mal Tipps gibt für die besten Restaurants in der Stadt.
In Berlin ist von Coolness keine Spur. Da ist der Regierende, der sich in Lügen um Telefonanrufe verstrickt und im Kampf mit den Medien genau den beißenden Anwalt beschäftigt, mit dem auch Christian Ulmen versucht, den Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Ob er es schafft, in der Hauptstadt weiterwurschteln zu dürfen? Oder ob eine neue rot-rot-grüne Regierung weiter den Berliner Sumpf rührt?
Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
Hinter den Kulissen der Politik – meinungsstark, exklusiv, relevant.
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zu.
Ich bin jedenfalls froh, dass ich eine Weile raus bin aus der Stadt und im Urlaub meine Italienisch-Kenntnisse ausprobieren kann. Wenn ich zurückkomme, kann ich hoffentlich meine Balkonpflanzen von winterhart auf sonnenhungrig umstellen.
Herzliche Grüße, bleiben Sie zuversichtlich,
Ihre Birgitta Stauber





















