Wie Logistiker Präferenzen von Verladern berücksichtigen | ABC-Z

Wie lassen sich die künftig steigenden Herausforderungen für Logistiker meistern, ihre Transporte so zu planen, dass möglichst alle Kunden die Transportdienstleistung erhalten, die ihren Wünschen etwa hinsichtlich der Emissionen oder Kosten am besten entspricht? Und wie lässt sich dass für einen klimafreundlichen Umbau des Fuhrparks nutzen?
An diesen Fragen forschen Wissenschaftler der Hochschule RheinMain (HSRM) und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) im Projekt „Flottengestaltung und Tourenplanung bei heterogenen Umweltpräferenzen von Verladern (FloTUV)“.
Ziel ist es laut den beiden Universitäten, Transportplanung und Umweltbewertung enger miteinander zu verknüpfen. Dabei sollen Instrumente entwickelt werden, mit denen Logistikdienstleister Marktanreize nutzen können, um ihre Flotten klimafreundlich umzubauen – ohne die betriebliche Praxis aus den Augen zu verlieren.
Entstehen soll im Projekt eine Plattform, mit der Logistiker technisch heterogene Fahrzeugflotten planen können. Sie soll die Präferenzen der Kunden in den Dimensionen Emission, Zeit und Kosten abbilden.
„Verlader:innen mit hohem Umweltanspruch sind gegebenenfalls bereit, auch höhere Preise zu zahlen, wenn ihre Sendung klimafreundlich transportiert wird“, führt Professor Thomas Kirschstein vom Fachbereich Wiesbaden Business School der HSRM aus.
Kostenorientierte Kunden würden dagegen günstigere Raten bevorzugen und akzeptieren gegebenenfalls höhere CO₂-Emissionen. „Dies schafft neuartige Planungsprobleme für die Flottengestaltung und -disposition.“
Bisher zähle in der Tourenplanung vor allem Wirtschaftlichkeit und Pünktlichkeit. Künftig könnten auch die Emissionen eines Transportprozesses eine wichtige Zielgröße für Logistikunternehmen und deren Kunden spielen, erklärt Kirschstein die Hintergründe.
Die Kernidee der zu entwickelnden Plattform ist ein Labeling-System. Die Verlader wählen ein Ökolabel, das die Klimaeffizienz einer Logistikleistung ausweist. Frachtführer und Frachtführerrinnen können diese Labels unterschiedlich bepreisen.
Auf diese Weise lassen sich Zahlungsbereitschaften abschöpfen. „Damit sollen Investitionen in umweltfreundlichere Fahrzeuge finanziert und der nachhaltige Umbau von Fahrzeugflotten angestoßen werden“, erklärt Professor Christian Bierwirth von der MLU.
Operative Tourenplanungen und strategisch taktische Entscheidungen, etwa zum Flottenmix, würden sich gegenseitig bedingen. Die verfügbaren Fahrzeuge eines Fuhrparks bestimmen langfristig, wie gut man heterogene Kundenwünsche bedienen könne.
„Hierzu passen wir das Ökolabel dynamisch an den Technologiemix an, um mit der technologischen Entwicklung mitwachsen zu können“, so Bierwirth. Parallel wollen die Forscher technische und infrastrukturelle Daten der Fahrzeugtypen sowie Ladestation-Informationen und Investitionskosten recherchieren. Das ermögliche, die Plattform in „realistischen Settings“ zu testen, erklärt der Forscher.
Bei der Entwicklung der Plattform für heterogene Fahrzeugflotten haben die Forscher verschiedene Herausforderungen zu stemmen. „Perfekte Lösungen zu finden, die sowohl stabil als auch effizient sind, ist in der Praxis oft schwierig und langwierig“ erklärt Kirschstein.
Daher entwickeln die Wissenschaftler im Projekt verschiedene Verfahren, um praktikable Lösungen finden. Diese Verfahren sollen laut Kirschstein regulatorische Vorgaben einhalten, schnell gute Lösungen finden und nachvollziehbar für Logistikunternehmen und deren Kunden sein.
Die Forscher wollen auf der Plattform unter anderem auch stabile sogenannte Koalitionen von Aufträgen identifizieren. Eine Koalition fasst mehrere Lieferaufträge in einer gemeinsamen Tour zusammen. Stabil ist sie, wenn sich die Kosten- und Emissionsverteilung so aufteilen lässt, dass niemand bessere Alternativen hat.
Um praktikable Lösungen zu finden, sind zudem Protokolle zur Kommunikation zwischen Logistikdienstleistern, Kunden und der Planungsplattform nötig. Das Ziel der Forscher: Eine strukturierte Abstimmung von Kundenpräferenzen und Transportkapazitäten zu ermöglichen. Damit soll die Plattform Aufträge so verteilen, dass die gewünschten Ziele der Kunden bestmöglich erreicht werden.
Das Forschungsvorhaben wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit einem Gesamtvolumen von rund 464.000 Euro gefördert.





















