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Wie bei Moby Dick: Drohnen filmen Pottwale beim Kopfstoß – Wissen | ABC-Z

„Sein Blick schien von zehnfacher Wut und Rachsucht erfüllt zu sein. Die Gischt spritzte in alle Richtungen, während er unaufhörlich mit dem Schwanz schlug. Sein Kopf ragte etwa zur Hälfte aus dem Wasser, so kam er auf uns zu und rammte das Schiff erneut.“ Mit diesen Worten beschrieb Owen Chase, Erster Offizier auf dem Walfangschiff Essex, die Begegnung mit einem Pottwal, die für die Mannschaft nicht gut ausging: Der Wal rammte das Segelschiff zweimal mit seinem Kopf und versenkte es im Pazifik. Die Havarie im Jahr 1820 vor den Galapagosinseln soll Herman Melville zu seinem Klassiker „Moby Dick“ inspiriert haben. Darin setzt ein riesiger weißer Pottwal namens Moby Dick seinen Schädel ebenfalls als Prellbock ein.

Obwohl weitere Angriffe von Pottwalen auf Walfangschiffe dokumentiert sind, war bislang weitgehend unklar, wie verbreitet die Rammstöße sind: Handelt es sich um verzweifelte Ausnahmen aus der Ära des Walfangs – oder setzen die Tiere ihre Köpfe womöglich auch untereinander als Waffe ein?

In diese Richtung deuten nun Drohnenaufnahmen, die Meeresbiologen vor den Azoren und den Balearen gelungen sind. Im Fachmagazin Marine Mammal Science dokumentiert ein Team um Alec Burlem von der University of St. Andrews in Schottland drei Fälle, in denen sich Pottwale gegenseitig mit dem Kopf rammen. Laut den Forschern handelt es sich um die erste systematische Beschreibung des Verhaltens.

Eines der Videos zeigt eine Gruppe aus drei Pottwalen, bestehend aus zwei nicht ausgewachsenen Männchen sowie einem Weibchen. Nachdem die Männchen einander wiederholt umtaucht haben, schwimmt eines in Richtung des Weibchens und stößt mit dem Kopf in seine Seite. Das Weibchen entfernt sich kurz darauf. Wegen des eher gemächlichen Tempos ordnen die Forscher diesen Rammstoß noch als „sanft“ ein.

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Mitunter knallt es aber auch heftiger. Ein anderes Mal filmte eine Drohne, wie zwei vermutlich jugendliche Pottwale frontal zusammenstoßen, mit immerhin rund 13 Kilometern pro Stunde. Auch die dritte beobachtete Konfrontation trugen noch nicht ausgewachsene Männchen aus, was den Verdacht nährt, dass es sich um Raufereien unter Heranwachsenden handelt. Möglicherweise lassen die Tiere Aggressionen aneinander aus oder proben für den späteren Wettstreit um Partnerinnen. Auf sexuelle Absichten deutet auch hin, dass die Männchen wohl öfter ihre Penisse ausfahren, während sie zu Kollisionen ansetzen.

Schon länger vermuteten Meeresbiologen, dass der Kopf von Pottwalen sich als Rammbock eignen könnte. So ragt die breite Stirn nicht nur ungewöhnlich weit über das Maul der Säuger hinaus. Die Köpfe enthalten auch mit Öl gefüllte Taschen, die als Stoßdämpfer dienen könnten (auf dieses Öl hatten es einst Walfänger abgesehen). Allerdings sitzen im Kopf der Wale auch wichtige Organe, damit sich die Wale orientieren oder Laute von sich geben können – was eher dagegen spricht, den Kopf als Ramme zu benutzen. Das Verhalten bleibt also rätselhaft, bislang erschwert die geringe Anzahl an Fällen die Interpretation, geben die Forscher um Alec Burlem zu bedenken.

Dabei hatten die Meeresbiologen gar nicht gezielt auf Kopfnüsse gewartet. Die drei Videos gelangen ihnen eher zufällig, als sie den Gesundheitszustand der Pottwalgruppen studierten. Dass sie trotzdem nebenbei mehrere Male Zeugen der Zusammenstöße wurden, deutet für sie darauf hin, „dass dieses Verhalten möglicherweise häufiger vorkommt als bisher angenommen“.

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