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Wetterfühligkeit: Ursachen, Symptome und Behandlung | ABC-Z

Stand: 06.02.2026 14:18 Uhr

Viele Menschen spüren Wetterumschwünge deutlich – sie reagieren mit Kopfschmerzen, Kreislaufproblemen oder Schwindel. Doch was genau ist Wetterfühligkeit, welche Ursachen hat sie, und was lindert Beschwerden?

von Jasmin Bannan-Döblitz

Unter Wetterfühligkeit versteht man körperliche oder psychische Beschwerden, die bei Wetterwechseln auftreten. Besonders Temperaturstürze, Druckschwankungen oder hohe Luftfeuchtigkeit wirken auf den Organismus. Die Studienlage ist bisher sehr dünn, da viele Faktoren eine Rolle spielen; eine Studie des Umweltbundesamtes legt nahe, dass rund ein Drittel der Bevölkerung wetterfühlig ist, darunter mehr Frauen als Männer.

Ursachen für Wetterfühligkeit

Die genauen Ursachen für Wetterfühligkeit sind noch nicht vollständig geklärt. Es scheint jedoch, dass mehrere Faktoren zusammenwirken und erklären, warum manche Menschen stärker auf Wetterumschwünge reagieren. Das vegetative Nervensystem reagiert besonders empfindlich auf Veränderungen des Luftdrucks und der Temperatur. Dies kann zu einer Überreaktion des gesamten Organismus führen. Gleichzeitig beeinflusst schwankender Luftdruck die Durchblutung, indem er die Gefäße erweitert oder verengt, was wiederum den Blutdruck aus dem Gleichgewicht bringen kann. Psychische Komponenten verstärken die Anfälligkeit zusätzlich: Stress, Schlafmangel und emotionale Belastungen senken die Belastbarkeit des Körpers und machen ihn anfälliger für wetterbedingte Beschwerden. Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Rheuma, Migräne oder Herz-Kreislauf-Problemen berichten häufiger von wetterabhängigen Symptomen.

In ihrer Analyse zur Wetterempfindlichkeit geht die Deutsche Herzstiftung auch auf Menschen ein, die eine sogenannte Vorfühligkeit zeigen. Bei diesen Personen verändern sich Blutdruck und Puls bereits vor einem Wetterumschwung messbar, noch bevor die tatsächlichen Veränderungen in Temperatur, Luftfeuchtigkeit oder Luftdruck eintreten. Diese physiologische Vorreaktion tritt besonders bei Übergängen von Hoch- zu Tiefdruckgebieten oder Frontdurchzügen auf. Sie betrifft vor allem Menschen mit Herz-Kreislauf-Problemen, da ihr Organismus stärker auf meteorologische Reize anspricht.

Typische Symptome: Von Kopfschmerzen bis Herzrasen

Diese Symptome können je nach individueller Vorerkrankung unterschiedlich stark ausgeprägt sein.

Wetterfühligkeit im Alter

Mit zunehmendem Alter reagiert der Körper empfindlicher auf Temperatur- und Luftdruckänderungen. Die Gefäße verlieren Elastizität, und die Regulation der Körpertemperatur verlangsamt sich. Die Studie des Umweltbundesamtes zeigt weiter, dass die Wetterfühligkeit mit steigendem Alter zunimmt – bei über 60-Jährigen liegt sie bei 56 Prozent. Sie korreliert stark mit Vorerkrankungen wie Kreislauf- und Atemwegserkrankungen.

Wetterfühligkeit und Psyche

Wetterumschwünge wirken sich nicht nur auf den Körper, sondern auch auf die Psyche aus. Lichtmangel, Luftfeuchtigkeit und Temperaturveränderungen beeinflussen die Produktion von Serotonin, einem Botenstoff, der die Stimmung reguliert. Dies kann besonders in den Wintermonaten depressive Verstimmungen fördern.

Was tun bei Wetterfühligkeit?

Um Beschwerden durch Wetterfühligkeit zu reduzieren, können einfache, aber regelmäßige Maßnahmen viel bewirken. Bewegung an der frischen Luft stärkt Kreislauf und Nerven und hilft dem Körper, sich besser an Temperatur- oder Luftdruckschwankungen anzupassen. Auch Wechselduschen und Saunagänge trainieren die Gefäße, fördern die Durchblutung und stabilisieren das vegetative Nervensystem. Wer ausreichend trinkt, unterstützt den Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt und sorgt so dafür, dass der Blutdruck konstant bleibt.

Ebenso wichtig ist eine gute Schlafhygiene: Regelmäßige Schlafzeiten, ausreichend Dunkelheit und Entspannung vor dem Zubettgehen tragen dazu bei, den Organismus im Gleichgewicht zu halten. Stressabbau durch Yoga, Meditation oder Atemübungen wirkt sich ebenfalls positiv auf die Wetterfühligkeit aus. Eine ausgewogene Ernährung mit reichlich Omega-3-Fettsäuren, Magnesium und frischen Lebensmitteln stärkt zusätzlich Nerven und Gefäße.

Hausmittel und Naturheilkunde gegen Wetterfühligkeit

Bei Wetterfühligkeit setzen viele Betroffene erfolgreich auf bewährte Hausmittel und naturheilkundliche Ansätze, um den Körper zu unterstützen und Beschwerden zu lindern. Ingwertee beispielsweise regt die Durchblutung an und sorgt für Wärme von innen heraus. Das ist besonders bei Kältewellen oder Kreislaufproblemen hilfreich. Kräuter wie Lavendel und Melisse wirken beruhigend auf das Nervensystem und den Kreislauf, indem sie innere Unruhe mildern und das vegetative Gleichgewicht fördern. Sie eignen sich als Tee oder für Bäder. Ergänzend können pflanzliche Präparate mit Extrakten aus Ginkgo oder Weißdorn die Durchblutung verbessern und die Gefäße stärken. Vor der Einnahme ist jedoch ärztlicher Rat einzuholen, um Wechselwirkungen auszuschließen.

Medikamente bei starker Wetterfühligkeit

Bei starker Wetterfühligkeit können Medikamente hilfreich sein, wenn Hausmittel und Anpassungen des Lebensstils allein nicht ausreichen. Welche Präparate sinnvoll sind, hängt von den jeweiligen Beschwerden ab. Bei wetterbedingten Kopfschmerzen können Ärztinnen und Ärzte beispielsweise leichte Schmerzmittel verschreiben. Treten Schwindelgefühle oder Kreislaufprobleme auf, können Kreislaufstabilisatoren oder Elektrolytlösungen zum Einsatz kommen, um den Flüssigkeits- und Salzhaushalt zu regulieren.

Ein spezielles Medikament gegen Wetterfühligkeit gibt es jedoch nicht. Da sich die Behandlung immer an den individuellen Symptomen orientiert, ist eine ärztliche Abklärung empfehlenswert – insbesondere, wenn Beschwerden regelmäßig oder stark auftreten.

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