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Kirchseeoner Perchten: Die wilden Kerle sind wieder los – Ebersberg | ABC-Z

Die Tage werden dunkler, die Nächte länger. Der Herbst ist von golden auf trüb und nass umgeschwenkt. Nun ist die Zeit von Frau Percht, der Holzmandl, Klaubauf und Schnadernschlenzer gekommen – geheimnisvoller Gestalten, die im Winter durch die Dörfer ziehen. Jedenfalls in und um Kirchseeon herum: Hier starten die Kirchseeoner Perchten bald in die Saison. Seit 1. November ist das Museum wieder regelmäßig geöffnet, am 22. November starten auch die Perchtenläufe.

Wer einen dieser Läufe einmal erlebt hat, vergisst ihn nicht so schnell. Laut, wild und archaisch sind die Auftritte der verschiedenen Gruppen, es gibt freundlichere Schönperchten, deren Masken sich an menschlichen Gesichtern orientieren, und eher ruppige Gesellen mit langen Zähnen, großen Augen, krummen Schnäbeln. Licht und Dunkel, Gut und Böse, Anfang und Ende, das symbolisieren die Perchten. Im Mittelpunkt steht die janusköpfige Frau Percht, die beide Elemente in sich vereinigt: die strahlende, schöne Sonne auf der einen Seite, eine Teufelsfratze auf der anderen.

Im Schnee marschieren die Perchten besonders gern – hier ein Auftritt im Jahr 2022.  (Foto: Peter Hinz-Rosin)
Frau Percht verkörpert die Gegensätze: die strahlende Sonne auf der einen Seite ...
Frau Percht verkörpert die Gegensätze: die strahlende Sonne auf der einen Seite … (Foto: Christian Endt)
... eine teuflische Fratze auf der anderen.
… eine teuflische Fratze auf der anderen. (Foto: Christian Endt)

Der Höhepunkt der Perchtensaison sind die Rauhnächte zwischen Weihnachten und Heiligdreikönig. In dieser Zeit sollen die Grenzen zwischen Diesseits und Jenseits verschwimmen. Sagen berichten von der Wilden Jagd, die durchs Land zieht und Unheil mit sich bringt, der Drud, die schlimme Albträume beschert, Tieren, die sprechen und Menschen, die um diese Zeit die Zukunft vorhersagen können. Die Perchten sollen die bösen Geister des Winters vertreiben und Glück für das neue Jahr bringen.

Wie genau das Perchtenbrauchtum nach Kirchseeon gekommen ist, ist nicht endgültig geklärt. Es gibt die Theorie, dass es vielleicht die Südtiroler Waldarbeiter mitbrachten, die Ende des 19. Jahrhunderts dabei halfen, das viele Holz zu verarbeiten, das durch die Nonnenraupenplage im Ebersberger Forst anfiel. Sollte es so gewesen sein, gerieten die Bräuche und Traditionen jedenfalls wieder in Vergessenheit – bis nach dem Zweiten Weltkrieg Hans Reupold senior die wilden Kerle so richtig zum Leben erweckte.

Reupold stieg nicht nur tief in die Erforschung der vorwiegend alpenländischen Traditionen ein, er schnitzte auch die ersten Masken, schrieb Theaterstücke und schaffte es vor allem, viele Kirchseeoner mit seiner Begeisterung anzustecken. 1954 fand der erste Perchtenlauf in der Gemeinde statt, damals und in den Jahren darauf machten die Kirchseeoner Perchten immer wieder durch Fernsehauftritte auch überregional von sich reden.

2021 ging mit der Eröffnung des Maskeum ein langgehegter Wunsch in Erfüllung: Ein ganzes Museum widmet sich dem Kirchseeoner Perchtenbrauch, informiert über die Hintergründe, zeigt beeindruckend inszenierte Masken und alte Fotos. In interaktiven Medienstationen können auch junge Besucher viel Spannendes über die geheimnisvollen Gestalten erfahren, sogar eine eigene App gibt es für das Maskeum.

Die Perchten sind Immaterielles Kulturerbe

Für sein Engagement wurde der Perschtenbund Soj im Jahr 2022 belohnt – wenn auch nicht mit Geld, dafür mit großer Anerkennung: Der Kirchseeoner Perchtenbrauch wurde 2022 als Immaterielles Kulturerbe Bayerns eingestuft und somit auf eine Stufe wie etwa die Landshuter Hochzeit oder die Passionsspiele von Oberammergau gestellt. Seit 2024 stehen die Kirchseeoner Perchten bundesweit auf der Liste.

Wer Näheres zu den Perchten erfahren möchte, hat in den kommenden Wochen wieder die Möglichkeit dazu, denn das Museum an der Münchner Straße 19 in Kirchseeon hat jetzt bis Ende Januar wieder regelmäßig samstags und sonntags von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Über die Weihnachtsfeiertage und Neujahr ist das Maskeum geschlossen. Im Februar und März öffnet das Maskeum jedes zweite Wochenende seine Türen. Nähere Informationen gibt es auf der Homepage www.maskeum.de. Der Eintritt ist frei, Spenden sind aber willkommen.

Persönlich erleben kann man die wilden Kerle dann ab Ende November, wenn die Perchtenläufe beginnen. Los gehts mit einem Auftritt am 22. November um 19 Uhr am Gasthaus Stangl in Neufarn bei Vaterstetten. Weitere Termine können dem Laufplan im Internet entnommen werden.

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