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Werbekönig Thomas Müller – der Weltmeister, der sich nichts entgehen lässt – Gesellschaft | ABC-Z

Im vergangenen Sommer wechselte Thomas Müller vom FC Bayern zum Vancouver Whitecaps FC in Kanada, und die wehmütigen Elogen zu seinem Bundesliga-Abschied glichen sich auffällig. Müller ist der Fußballspieler, auf den sich alle Deutschen einigen können: genialer Raumdeuter, schlagfertiger Spaßmacher, Lederhosenking – hau rein das Ding. Ein bodenständiger Typ, so wie du und ich, nur witziger, geselliger und torgefährlicher – weltmeisterlicher eben. Dazu ist Müller ein Genussmensch, der keine Feier scheut und gutes Essen schätzt, wie WM-Mannschaftskoch Anton Schmaus einmal ausplauderte.

Zusammengenommen sind das unbezahlbare Eigenschaften, nicht nur im Sport. Seine aktive Fußballkarriere mag langsam zu Ende gehen, aber Müller ist ja längst weiter: als Deutschlands fröhlichster Volksinfluencer. Mit jährlichen Werbeeinnahmen, die das Manager Magazin zuletzt auf drei bis fünf Millionen Euro schätzte. Und einem schalkhaften Lächeln, dem wir bereits treuherzig unser halbes Leben anvertraut haben.

Als Beweis reicht zu Hause ein Blick in die Speisekammer. Mit den Nahrungsmitteln, die Müller bewirbt oder mal beworben hat, ließe sich das Buffet jedes Mannschaftsabends bestreiten – Pasta (das Making-of des aktuellen Barilla-Spots ist seit einigen Tagen auf Facebook zu bestaunen), Müsli mit Nüsschen und Trockenobst (Seeberger) oder Milchreisdessert (Müller Milch) inklusive. Snacks gehören ohnehin dazu, ob Knoppers und Bifi für die Nostalgiker oder Proteinriegel (ESN) für Ernährungsbewusste – alles Müller.

Müller weiß sogar, wie man sein Lächeln gerecht unter Konkurrenten aufteilt

Das „oder was?“ kann man sich sparen, längst basiert ja unser kompletter Hausstand auf Thomas Müllers Empfehlungen: Wir sind bei der Telekom und machen den Einkauf bei Rewe. Wir rasieren uns morgens mit Gillette und braten abends Hoeneß-Würste auf dem Weber-Grill. Und wenn dabei die Bude abbrennen sollte, samt Viessmann-Wärmepumpe im Keller und dem Audi in der Garage, dann sind wir hoffentlich allianzversichert.

Die vielen Sportartikel, für die Müllers Gesicht steht, müssen hier unerwähnt bleiben, die sind im Profifußball etwas für Anfänger. Und während Bayern-Kapitän Joshua Kimmich für Valensina tapfer aus der Abseitsfalle der Supermärkte lächelt, kümmert sich Thomas Müller längst um unseren Garten – mit Dünger von Turbogrün, schließlich ist man als Fußballer irgendwie immer auch Rasenexperte. Der neue Spot – Müller wird beim (Gras-)Doping erwischt – ist so hanebüchen, dass er als Modell für Werber-Seminare dienen kann: Wo das Testimonial stimmt, wird selbst Dünger sympathisch.

Müller ist derart glaubwürdig, dass er sein Lächeln sogar großzügig unter Konkurrenten aufzuteilen weiß. Früher hielt er mal Paulaner-Krüge in die Kamera, seit Januar ist er Werbebotschafter für Erdinger Weißbier, das hat vor ihm nur der Kaiser geschafft. Wer weiß, was da noch kommt: Gesicht von McDonald’s und Burger King? Münchens Olympiabotschafter? Sondergesandter des Kanzlers (andere Länder schicken alternde Golf-Buddys)? Für Deutschlands gewinnendstes Lächeln scheint derzeit einfach alles möglich.

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