Wem kannst du überhaupt noch vermählen? | ABC-Z

Am Ende steht er da. Schweigend und ganz allein. Einmal mehr hat Kommissar Faber (Jörg Hartmann) den einzigen Menschen verloren, dem er vertraut hat. Rosa Herzog (Stefanie Reinsperger) ist weg. Für immer. Und Faber fühlt nur noch „Schmerz“ (ARD, Sonntag, 22. Februar 2026, 20.15 Uhr) im 29. Tatort aus Dortmund.
Dabei sieht anfangs alles nach Routine aus. Golko Hasani, zwielichtiger Betreiber eines zwielichtigen Nachtklubs, liegt erschossen in seiner Wohnung. Zunächst glauben die Ermittler an eine Mordserie im Rotlichtmilieu. Erst eine Woche zuvor ist nämlich ein junger Mann direkt vor Hasanis Klub abgestochen worden und verschwunden. Außerdem ist da noch Maria Novak (Lorena Jurić), eine Prostituierte, die dem Opfer eigentlich den Morgen versüßen sollte. Schüsse will sie gehört haben und Stimmen. Nun hat sie Angst. Große Angst. Und dann erfährt Hauptkommissarin Ira Klasnić (Alessija Lause) auch noch, dass anscheinend ihr alter Freund Lorik Duka (Kasem Hoxha) in den Fall involviert ist. Der ermordete junge Mann war sein Neffe, und seine Familie, der berüchtigte Duka-Clan, hat ein Kopfgeld auf seinen Mörder ausgesetzt.
„Tatort Dortmund: Schmerz“: Vergangenheit holt die Vorgesetzte ein
Passt alles zusammen, bis die Spurensicherung herausfindet, dass das Mordopfer doch nicht Golko Hasani heißt. In Wahrheit ist der Tote Bogdan Kristo, ein international gesuchter Kriegsverbrecher aus den Jugoslawienkriegen, von dem seit 25 Jahren jede Spur fehlte. Fabers Vorgesetzte Klasnić wird auf einen Schlag von ihrer Vergangenheit eingeholt. Sie hat die Balkankriege als Kind selbst miterlebt. Kann sie trotzdem weiter die Ermittlungen des Falls leiten, in dem die Zahl der Toten ständig steigt? Vorsichtshalber schaltet sich Fabers Ex-Kollege Daniel Kossik (Stefan Konarske), jetzt beim LKA, in die Ermittlungen ein.
Doch eigentlich ist Kossik nicht wegen dieses kniffligen Mordfalls zurück in Dortmund. Er will unbedingt herausfinden, wer in der vorletzten Episode „Abstellgleis“ Sebastian Haller, damals Leiter der Dortmunder Kriminaltechnischen Untersuchung (KTU) erstochen hat. Genauer gesagt: Er will beweisen, dass es Faber war. Vielleicht allein, vielleicht mit Herzog zusammen. Um den oder die Täter zu überführen, schreckt er dabei vor keinem Mittel zurück, setzt Kollegen wie Otto Pösken (Malick Bauer) unter Druck, sät Zwietracht im gesamten Team.
Im „Tatort Dortmund“ macht die Polizei Jagd auf einen Serienkiller: Otto Pösken (Malick Bauer, r) und Daniel Kossik (Stefan Konarske) sind gemeinsam im Einsatz.
© WDR | Thomas Kost
Da ahnt man schon. Der ohnehin fast immer sehr ernste Dortmund-Tatort ist auch dieses Mal kein Hort der Freude. Ruhig wird über weite Strecken erzählt, fast immer aber liegt unruhige Musik über der Szenerie. Hier wird nicht gescherzt und geschwätzt, hier sagen viele der oft in Großaufnahme eingefangenen Blicke mehr als tausend Worte. Es geht um Lüge und Verrat, um Freundschaft und Loyalität. Und irgendwann steht Faber vor der schwersten Entscheidung seines Lebens.
Jagd auf den Serienkiller mit Überraschungen
Die mit überraschenden Wendungen gespickte Jagd auf den Serienkiller und ein bis in die Nebenrollen hinein großartig aufspielendes Ensemble hätten allein schon gereicht, um einen guten Ruhrgebiets-Tatort abzuliefern. Die zweite Ebene mit den Ermittlungen im Fall Haller aber macht daraus die beste Episode seit dem (Film-)Tod von Martina Boenisch. Denn dem Drehbuch gelingt es perfekt, beide Handlungsstränge in einem furiosen Showdown zusammenzuführen. Und Stefanie Reinsperger, die die Reihe auf eigenen Wunsch verlässt, nutzt noch einmal die Chance, alle Facetten ihrer Figur auszuspielen. Das Ende von Rosa Herzog, es ist ein würdiges
Trotzdem fordert „Schmerz“ sein Publikum. Weil Jürgen Werner (Drehbuch) und Torsten C. Fischer (Regie) Fäden einrollen, die teils vor Jahren ausgelegt worden sind. Und weil sie das ganz kompromisslos machen, also ohne Rückblenden und nur mit wenigen Erklärungen. Die lineare Erzählweise über mehrere Folgen hinweg ist seit Jahren das Markenzeichen des Dortmunder Tatortes. Sie eröffnet ganz neue Möglichkeiten, erwartet dieses Mal so viel Vorwissen wie noch nie. Wer das besitzt, bekommt bis zum Abspann alle Fragen beantwortet, die dieser Krimi aus dem Revier in letzter Zeit aufgeworfen hat. Mit einer Ausnahme. Was wird nun aus Kommissar Faber?
Bewertung: 5/5 Sterne
Sonntag, 22. Februar2026, ARD, 20.15 Uhr





















