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Welchen legendären Bundesliga-Rekord der FC Bayern München brechen kann | ABC-Z

Er wolle noch nicht über diesen Rekord reden, sagte Vincent Kompany – und redete dann doch darüber. Über die 101 Tore, die der FC Bayern München in der Saison 1971/72 in der Bundesliga geschossen hat, mit dem Trainer Lattek, mit den Spielern Beckenbauer, Müller, Hoeneß. Er nannte weder diese Daten noch diese Namen. Er redete stattdessen über „den Rekord, der schon sehr, sehr lange steht“. Doch damit war auch alles gesagt. Weil man wusste, dass er weiß, dass er mit seiner Mannschaft etwas Unerreichtes erreichen kann.

Das wäre schon „was Schönes“, sagte Kompany, als er vor dem Mannschaftsbus mit den Reporterinnen und Reportern sprach. Eines sagte er dort aber nicht: Warum seine Bayern eigentlich mehr Tore schießen könnten als die Guardiola-Bayern (94 Tore), als die Heynckes-Bayern (98 Tore) und sogar als die Lattek-Bayern?

Keine Luft mehr zum Atmen

Die Antwort auf diese Frage fängt mit Kompany selbst an. Das Pass- und Positionsspiel unter ihm ist nicht so perfekt wie es zwischen 2013 und 2016 unter Pep Guardiola war, dafür aber ist das Pressing mit Manndeckung so radikal, dass es selbst Thomas Müller ein Gefühl gegeben hat, das der so noch nicht gespürt hat.

Als der FC Bayern in der ersten Kompany-Saison in Frankfurt gespielt habe, so sagte Müller das später der „Süddeutschen Zeitung“, hätten er und seine Mitspieler gespürt, dass gerade etwas Besonderes passiere: „Wir waren so gut und so scharf, die anderen konnten nicht mal atmen.“ In der zweiten Kompany-Saison sind die Bayern in den Details noch etwas besser, noch etwas schärfer. Und wenn die anderen nicht mehr atmen können, wie sollen sie dann diese Stürmer stoppen?

Da wäre Michael Olise (10 Tore, 18 Torvorlagen). Da wäre Luis Díaz (13 Tore, 13 Torvorlagen). Und da wäre natürlich Harry Kane, der am Samstag seine Bundesligasaisontore 29 und 30 erzielt hat. Als ihn danach ein „ESPN“-Reporter fragte, ob er wisse, wie viele Tore er in allen Wettbewerben habe, antwortete Kane wie mit seinem rechten Fuß geschossen: 45. Und sagte dazu dann selbst: „A striker knows.“ Ein Stürmer weiß das.

Kane spielt immer

Er wird daher auch wissen, dass ihm in der Bundesliga nur noch zehn Tore zu Gerd Müller, elf Tore zu Robert Lewandowski und zwölf Tore zu einem Rekord fehlen. Das könnte klappen, weil Kane von vier Dingen profitiert. Davon, dass er den Belastungen des modernen Fußballs besser standhält als die allermeisten. Davon, dass Kompany seine Besten trotz der Belastungen kaum schont (Kane ist in allen 24 Bundesligaspielen eingesetzt worden). Davon, dass in der Bundesliga im Strafraum immer wieder so naiv verteidigt wird wie nun von Nico Schlotterbeck. Und davon, dass auch die Schiedsrichter es bei Fünfzig-Fünfzig-Entscheidungen im Strafraum eher gut mit den Bayern meinen (10 seiner 30 Tore waren Elfmeter-Tore).

Jetzt, da die Bayern die Bundesliga mit elf Punkten und 39 Toren Vorsprung anführen, wird man wieder hören, dass es für den Rest der Saison langweilig werde. Doch was ist daran langweilig, einer Mannschaft und einem Stürmer dabei zuzusehen, die etwas schaffen wollen, was so noch nie geschafft worden ist?

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