Weihnachten ohne Sissi? Eine Frage der Rechte. – Medien | ABC-Z

Die Nachricht klingt nach Paukenschlag. „Traditionsbruch im Ersten – ‚Sissi‘ fällt aus“ titelt etwa die Saarbrücker Zeitung, beim Münchner Merkur „fliegt“ „Sissi“ sogar aus dem Programm. Und auch die ARD bestätigt: Man könne die Trilogie aus den Fünfzigern dieses Weihnachten nicht zeigen.
Also wird am 25. Dezember Sissi nicht mehr den Hirsch verjagen, den der österreichische Thronfolger Franz Joseph im Wald schießen will (Teil 1, „Sissi“), er wird ihr später in den bayerischen Bergen auch kein Edelweiß pflücken und dabei fast abstürzen (Teil 2 „Sissi – Die junge Kaiserin“) und am zweiten Weihnachtsfeiertag wird auch nicht ganz Venedig für die Kaiserin Spalier stehen und „Viva la mamma“ rufen, wenn ihre kleine Tochter ihr vor dem Markusdom entgegenläuft (Teil 3 „Sissi – Schicksalsjahre einer Kaiserin“).
Bei „Sissi“ will man den Fernseher anschalten, ganz klassisch
Als würden die Öffentlich-Rechtlichen nicht eh schon genug Kultur einsparen, jetzt nehmen sie uns auch noch den Klassiker zum Fest schlechthin? Weihnachten ohne Nene, den vermeintlich schwerhörigen Kaiservater und den tollpatschigen Oberst Böckl? Und vor allem: ohne Werbeunterbrechung! Jammerschad wär’s.
Aber es ist nun auch nicht so, dass man ganz auf die österreichische Kaiserin verzichten muss. In den vergangenen Jahren haben sich einige neue Produktionen Sisi angenommen und dabei mehr gewagt, als ihr nur das zweite s aus ihrem Namen zu entfernen. Und für alle, die Romy Schneider und Karlheinz Böhm weiterhin beim Schmachten zugucken wollen, egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit: Prime und Netflix bieten nach wie vor alle drei Teile zum Streamen an. Aber „Sissi“, so viel Tradition muss sein, gehört nun mal zu den Filmen, die man ganz linear anschauen will. Im Fernsehen. Von der Couch aus.
:Kaiserliche Entkitschung
Das Fernsehen entdeckt gerade Kaiserin Elisabeth als komplexen Charakter neu. Die “Sisi”-Renaissance ist kein Wunder – und längst überfällig.
Der Bruch der ARD mit „Sissi“ liegt schlicht an den Rechten. Seit 2024 liegen die nicht mehr beim Ersten, wo die drei Teile seit 2014 gelaufen sind – zunächst im Frühjahr, von 2016 an im Weihnachtsprogramm. Nun hat ausgerechnet RTL sich den Klassiker gesichert. Der Sender hatte dem Bayerischen Rundfunk zuletzt schon den „Pumuckl“ weggeschnappt, und mit „Sisi“ eine eigene Serie über die österreichische Kaiserin produziert, die fresher daherkommt als die Nachkriegs-Trilogie von Ernst Marischka. Die RTL-Sisi masturbiert und lässt Dildos in die Hofburg schmuggeln. Nun sichert sich RTL auch den Klassiker.
Früher strahlten schon andere Privatsender „Sissi“ aus: Bis 2012 etwa lagen die Rechte bei ProSiebenSat.1. Dort liegen auch die Rechte an einem weiteren Film, der nicht aus dem Weihnachtsprogramm wegzudenken ist: „Kevin allein zu Haus“. RTL hatte sich vor Pro Sieben zuletzt auch die James-Bond-Filme gesichert. Und nun „Sissi“. RTL zeigt die Filme jeweils im Paket, an Heiligabend ab 20.15 Uhr laufen alle drei Teile hintereinander, am 25. Dezember noch einmal ab 10.35 Uhr vormittags – mit Werbeunterbrechung.
Aber keine Sorge: Ein bisschen bleibt die heile Weihnachtswelt in der ARD bestehen. „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ (Heiligabend, 12.50 Uhr) und „Der kleine Lord“ (Erster Weihnachtsfeiertag, 16.50 Uhr) laufen auch 2025 verlässlich im Ersten. Noch.





















