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Wegner will Tempo-30-Zonen vor Berliner Kitas beibehalten | ABC-Z

Berliner Verkehrspolitik

Wegner will Tempo-30-Zonen zumindest vor Kitas beibehalten


Bild: dpa/Michael Bihlmayer

Die CDU will daran festhalten, die meisten Tempo-30-Zonen an Berliner Hauptstraßen abzuschaffen. Der Regierende Bürgermeister kündigte nun allerdings an, zumindest in der Nähe von Kitas Ausnahmen machen zu wollen.

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) hat seinen Richtungswechsel in der Verkehrspolitik verteidigt. Die Abschaffung der Geschwindigkeitsbeschränkung auf zahlreichen Hauptstraßen will er weiterhin durchsetzen, sagte Wegner der “Berliner Morgenpost” [Bezahlinhalt]. Zugleich kündigte Wegner allerdings an, vor Kitas Tempo-30-Zonen erhalten zu wollen.

“Vor Schulen und Kitas, bei denen die Eingänge zur Hauptstraße führen, bleibt Tempo 30. Die Sicherheit von Kindern und Jugendlichen hat für mich höchste Priorität”, sagte Wegner im Interview mit der Zeitung.

Bonde: Tempo 30 zur Luftreinhaltung abschaffen, weil die Luft wieder reiner ist

Verkehrssenatorin Ute Bonde (ebenfalls CDU) hatte zuletzt einen neuen Plan zur Luftreinhaltung in Berlin erarbeitet. Demnach sollen insgesamt bis zu 25 Geschwindigkeitsbegrenzungen an Hauptstraßen in der Stadt aufgehoben werden, die vor einigen Jahren unter anderem wegen der Luftreinhaltung eingeführt worden waren. Da die Luft nun besser sei, könne das Tempolimit nicht mehr damit begründet werden, findet Bonde.

Sie habe allerdings nach eigenen Angaben prüfen lassen, ob entlang der betroffenen Straßenabschnitte hochfrequentierte Schulwege entlangführten oder andere Gründe der Verkehrssicherheit für eine Beibehaltung von Tempo 30 sprechen. Nach Recherchen des “Tagesspiegel” will Bonde lediglich an zwei Straßen das Tempolimit 30 aus Gründen der Verkehrssicherheit beibehalten.

Internationale Beispiele zeigen: Berlin agiert gegen den Trend

Dass Tempo-30-Zonen einen großen Einfluss auf die Verkehrssicherheit in Städten haben, zeigen mehrere internationale Beispiele. Die Dachorganisation der Londoner Verkehrssysteme “Transport of London” [tfl.gov.uk] beispielsweise hat kürzlich Ergebnisse einer Analyse vorgestellt, in der die Wirkung von insgesamt 150 Tempobegrenzungszonen in London über einen langen Zeitraum ausgewertet wurden (hier gilt eine Höchstgewschwindigkeit von 20 Meilen pro Stunde, was etwa 32 Stundenkilometern entspricht).

Ergebnis: Die Zahl der Todesfälle und schweren Verletzungen aufgrund von Autounfällen reduzierte sich demnach um run 34 Prozent. Auch die Zahl der Unfälle insgesamt ging zurück.

In Helsinki, der Stadt, die vor kurzem mit der Nachricht auf sich aufmerksam machte, ein Jahr ohne Verkehrstote geschafft zu haben, gelten die Geschwindigkeitsbegrenzungen ebenfalls als Schlüssel zum Erfolg [tagesschau.de]. Gegenüber dem “Spiegel” sagte ein Verkehrsplaner aus der Stadtverwaltung, Geschwindigkeitsbegrenzungen gehörten zu den wichtigsten Faktoren.

Überhaupt stellt sich Berlin mit dem Strategiewechsel gegen einen europaweiten Trend zu mehr Tempo-30-Zonen in Großstädten. Auch Paris, Brüssel oder viele spanische Großstädte bieten Gegenbeispiele.

Koalitionspartner SPD stellte sich im ersten Anlauf quer

Die Berliner SPD, Koalitionspartner der CDU, stellte sich entsprechend zunächst quer. Ursprünglich war der Senatsbeschluss zum Thema bereits am 19. August geplant, er wurde allerdings verschoben, weil die SPD noch offene Fragen sah und Bonde vorwarf, diese nicht ausreichend beantwortet zu haben.

Der Senat wird voraussichtlich am kommenden Dienstag, 2. September über die Pläne befinden.


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