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Kreativer Eigenbrötler: Gründungskonzert des Peter-Kiesewetter-Kreises in München – München | ABC-Z

Zweieinhalb Minuten haben ihm weltweite Aufmerksamkeit gebracht. Länger dauert Peter Kiesewetters „Tango pathétique“ nicht. Gidon Kremer führte ihn auf, in Trio-Kombination mit Martha Argerich und Mischa Maisky. Doch der Name des 2012 gestorbenen Komponisten ist nur noch wenigen ein Begriff. Das soll sich ändern. Das Peter-Kiesewetter-Netzwerk für Musik feiert am Samstag, 27. September, seine Gründung, mit einem Konzert im Kleinen Saal des Gasteig HP8 – zur Erinnerung an eine originelle Münchner Komponisten-Stimme.

Dass Kiesewetter auf heutigen Konzertprogrammen kaum zu finden ist, hat wenig mit der Qualität seiner Musik zu tun. Zu Lebzeiten wurde Kiesewetters Werk bei der BR-Reihe „musica viva“ aufgeführt, als Dozent an der Münchner Musikhochschule war er geschätzt. Doch im selben Jahr, in dem Kiesewetter der Ruf auf eine Professur an die Musikhochschule Hannover erreichte, wurde bei ihm Morbus Parkinson diagnostiziert. In der Lebensphase, in der andere ihr Werk ordnen, konnte Kiesewetter nur noch eingeschränkt arbeiten.

Schon vor fünf Jahren haben sich deshalb seine Witwe, die Sängerin Adelheid Thanner-Kiesewetter, sowie seine Freunde dazu entschlossen, seinen Werken wieder mehr Gehör zu verschaffen. Doch die Pandemie kam dazwischen und die Jahre verstrichen. In diesem Jahr, in dem Kiesewetter seinen 80. Geburtstag gefeiert hätte, hat sich der Verein um die Vorsitzende Anna Kakutia gegründet. „Es ist Zeit, etwas zu machen“, sagt die Geigerin, die Kiesewetter zu Studienzeiten kennengelernt hat. Kakutia und ihr Team möchten etwa die Bekanntheit Kiesewetters durch einen erweiterten Online-Auftritt erhöhen: Die 13 Schachteln seines Nachlasses mit Korrespondenz und Kompositionen, die sich in der Bayerischen Staatsbibliothek befinden, sollen nach und nach digitalisiert werden.

Zu entdecken ist dabei eine individuelle Komponisten-Persönlichkeit, die auch vor Komik nicht zurückschreckte. In Kiesewetters Tango umarmen sich etwa Motive aus Tschaikowskis Violinkonzert und dem Schlager „Kriminaltango“. Daneben stehen groß dimensionierte Werke, in denen Kiesewetter nach hebräischen Texten gearbeitet hat und seine Stücke für Zither. „Er war immer ein Eigenbrötler“, sagt der Komponist Graham Waterhouse, dessen „Skylla und Charybdis“ und „Elfer Reigen“ beim Gründungskonzert gespielt werden. „Er ist seinen eigenen Weg gegangen. Das ist die Hauptbotschaft, die bleiben wird.“ Das Werk des Außenseiters, aber auch die Musik seines Umfelds, möchte das Netzwerk in Konzerten verbreiten, möglicherweise auch durch ein Festival. Konkrete Pläne werden noch gefasst. „Wir müssen uns hinsetzen und noch ein paar Sachen klären“, sagt Anna Kakutia. Doch eins ist sicher: „Das Vorhaben darf nicht einschlafen.“

Gründungskonzert des Peter-Kiesewetter-Netzwerks für Musik, Samstag, 27. September, 19.30 Uhr, Gasteig HP8, Kleiner Saal

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