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Was wir über den US-Angriff auf Venezuela wissen | ABC-Z


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Stand: 03.01.2026 20:41 Uhr

Der US-Angriff auf Venezuela dürfte der umfassendste in Lateinamerika seit 1989 gewesen sein. Vieles ist inzwischen klar, vieles aber auch noch nicht. Ereignisse, Zusammenhänge und Reaktionen im Überblick.

Was ist passiert?

Die USA haben in der Nacht Venezuela angegriffen und laut eigenen Angaben den autoritär herrschenden Staatschef Nicolás Maduro gefangen genommen. Er und seine Frau befinden sich laut US-Präsident Donald Trump auf dem Kriegsschiff “USS Iwo Jima” und sollen nach New York gebracht werden. Trump veröffentlichte ein Foto Maduros auf seiner Plattform Truth Social. Auf dem Foto soll Maduro mit verbundenen Augen, Gehörschutz und Handschellen in einem grauen Trainingsanzug zu sehen sein.

Ab etwa 02:00 Uhr Ortszeit stiegen über Caracas schwarze Rauchwolken auf. Für etwa 90 Minuten waren Flugzeuge zu hören. In sozialen Medien kursieren Videos und Fotos, die Explosionen in der Hauptstadt zeigen sollen. Bei dem US-Angriff wurden laut venezolanischen Angaben Soldaten und Zivilisten getötet. Die Zahl ist aber offen. US-Kräfte seien nicht getötet worden, sagte Trump.

Laut Trump wurde Maduro in einem stark bewachten, festungsartigen Gebäude gefangen genommen. Die Luftangriffe richteten sich vor allem gegen Militärstützpunkte, Flugplätze, Kommunikationsanlagen und Häfen.

An der US-Militäraktion waren laut US-General John Caine 150 Flugzeuge ‍und Helikopter beteiligt. Die Operation sei monatelang durch die Geheimdienste vorbereitet worden. Man habe den Tagesablauf von Maduro gekannt, was er esse, wo er sich bewege, was ​seine Haustiere seien.

Der Angriff dürfte die umfangreichste US-Operation in Lateinamerika seit 1989 gewesen sein. Damals stürzten die USA Panamas Machthaber Manuel Noriega wegen mutmaßlicher Verwicklung in den Drogenhandel.

Was sagen die USA zu dem Angriff?

Die USA werden nach den Worten von US-Präsident Donald Trump zunächst weiter eine tragende Rolle in Venezuela anstreben. “Wir werden uns jetzt um das Land kümmern, bis wir einen sicheren, geordneten und umsichtigen Übergang gewährleisten können”, sagte er auf einer Pressekonferenz am Samstagmittag (Ortszeit).

Gleichzeitig kündigte er an, US-Ölfirmen sollten in Venezuela aktiv werden, um “anzufangen, Geld für das Land zu machen”. Die US-Ölfirmen würden “Milliarden von Dollar” in dem südamerikanischen Land investieren und die Infrastruktur wieder aufbauen, um das Ölgeschäft anzukurbeln, sagte Trump. Das US-Ölembargo gegen Venezuela bleibe jedoch vorerst weiter in Kraft. Eine Partnerschaft mit den Vereinigten Staaten werde Venezuela “reich, unabhängig und sicher” machen.

“Die amerikanische Dominanz in der westlichen Hemisphäre wird niemals wieder infrage gestellt”, sagte Trump bei der Pressekonferenz auf seinem Anwesen Mar-a-Lago in Florida. Washington habe die im 19. Jahrhundert geprägte Monroe-Doktrin über die US-Vorherrschaft in den Amerikas vernachlässigt, so Trump.

Was werfen die USA Maduro vor?

Die USA werfen Maduro vor, nicht rechtmäßig gewählt zu sein. Washington erkennt Maduro seit 2024 nicht mehr als Präsidenten an. Die von Friedensnobelpreisträgerin Maria Corina Machado geführte Opposition hatte erklärt, sie habe die letzten Wahlen klar gewonnen.

Das US-Justizministerium hat eine neue Anklage gegen Maduro und dessen Frau Cilia Flores bekannt gegeben. Maduro wird in der Anklageschrift die Leitung einer korrupten Regierung vorgeworfen. Zudem habe er jahrelang mit Hilfe der Regierungsmacht illegale Unterfangen wie den Drogenschmuggel vorangetrieben. Von dem Drogenschmuggel habe die Elite von Venezuela profitiert, heißt es weiter. Maduro habe mit Drogenterroristen zusammengearbeitet, um tonnenweise Kokain in die USA zu bringen.

Justizministerin Pam Bondi sagte, Maduro und seine Ehefrau würden bald mit “dem ganzen Zorn der amerikanischen Justiz auf amerikanischem Boden in amerikanischen Gerichten konfrontiert werden”. Maduro hat sämtliche Vorwürfe zurückgewiesen.

Wie reagiert Venezuela?

Die venezolanische Regierung wirft den USA eine militärische Aggression gegen zivile und militärische Ziele vor. Die Angriffe verletzten die UN-Charta. Den USA gehe es um Venezuelas Bodenschätze und um einen Regierungswechsel. Innenminister Diosdado Cabello rief die Venezolaner dazu auf, nicht mit dem “terroristischen Feind” zusammenzuarbeiten.

Die venezolanische Oppositionspolitikerin und Friedensnobelpreisträgerin Maria Corina Machado ist nach Ansicht von Trump kein geeignetes Staatsoberhaupt für ‍Venezuela. Sie habe nicht die notwendige Unterstützung und den Respekt im eigenen Land, sagt Trump über die Politikerin. Machado selbst hatte zuvor den ​Diplomaten Edmundo Gonzalez als neuen Präsidenten des Landes vorgeschlagen, der bei der Präsidentschaftswahl 2024 für die Opposition gegen Maduro angetreten war.

Die Regierung beantragte eine Krisensitzung des UN-Sicherheitsrats.

Was sagen andere Staaten?

Der brasilianische Präsident Luiz Inacio ‍Lula da Silva verurteilte den US-Angriff auf Venezuela und die Gefangennahme Maduros. Die Handlungen seien ​ein schwerwiegender Affront gegen die Souveränität Venezuelas und ein extrem gefährlicher Präzedenzfall für die internationale Gemeinschaft.

Russland verurteilte den “Akt bewaffneter Aggression”. Es sei wichtig, eine Eskalation zu verhindern, erklärte das Außenministerium. Kuba sprach von “Staatsterror”. Auch der Iran verurteilte die US-Militäraktion scharf.

Bundeskanzler Friedrich Merz erklärte laut einer Mitteilung: “Nicolás Maduro hat sein Land ins Verderben geführt.” Die letzte, gefälschte Wahl habe Deutschland nicht anerkannt. Maduro spiele “mit unseligen Allianzen weltweit und durch die Verstrickung Venezuelas in das Drogengeschäft eine problematische Rolle”.

Weiter sagte Merz: “Die rechtliche Einordnung des US-Einsatzes ist komplex. Dazu nehmen wir uns Zeit. Grundsätzlich müssen im Umgang zwischen Staaten die Prinzipien des Völkerrechts gelten.” Es dürfe nun keine politische Instabilität entstehen und ein “geordneter Übergang” zu einer “durch Wahlen legitimierten Regierung” müsse gewährleistet werden.

Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas betonte, dass Maduro auch aus Sicht der Europäischen Union kein rechtmäßiger Präsident sei. Aber: “Unter allen Umständen müssen die Grundsätze des Völkerrechts und der Charta der Vereinten Nationen eingehalten werden.”

Die Aktion, die ‍zur Gefangennahme von Maduro geführt habe, verstoße gegen die Grundsätze des internationalen Rechts, teilte das Außenministerium in Paris mit. Der britische Premier Keir Starmer sagte, er wolle sich zunächst über die Fakten informieren sowie mit Trump und Verbündeten sprechen. Er fügte aber hinzu, man müsse das Völkerrecht achten.

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