Was über das Unglück in Crans-Montana bekannt ist | ABC-Z

40 Tote und 115 Verletzte – das ist die bisherige Bilanz des verheerenden Brandes in einer Bar im Schweizer Skiort Crans-Montana. Was über das Feuer bisher bekannt ist und welche Fragen ungeklärt sind.
Was ist passiert?
Im Schweizer Skiort Crans-Montana im Kanton Wallis ist in der Silvesternacht gegen 1.30 Uhr ein Feuer in der Bar “Le Constellation” ausgebrochen. Der erste Notruf ging nach Polizeiangaben unmittelbar danach ein. Die ersten Polizeistreifen erreichten bereits um 1.32 Uhr den Einsatzort, wenig später auch ein größeres Aufgebot der Feuerwehr.
Insgesamt waren nach Behördenangaben unter anderem 42 Krankenwagen und 13 Hubschrauber sowie 150 medizinische Rettungskräfte im Einsatz. Bis gegen 5 Uhr morgens wurden nach Behördenangaben alle Verletzten erstversorgt. Die meisten Verletzten wurden mit Hubschraubern in Kliniken gebracht.
Auf einer Pressekonferenz am frühen Abend bezifferte Frédéric Gisler, der Kommandant der Walliser Kantonspolizei, die Zahl der Todesopfer auf etwa 40. Circa 115 Menschen seien größtenteils schwer verletzt worden. Die Bar verfügt nach eigenen Angaben über Platz für etwa 300 Gäste. Wie viele Menschen sich zum Zeitpunkt des Brandes in den Räumen aufhielten, ist allerdings nicht bekannt, wie Generalstaatsanwältin Beatrice Pilloud erklärte.
Was ist über die Todesopfer bekannt?
Zu den Toten und Verletzten haben die Behörden bislang kaum Angaben gemacht. Die genaue Zahl der Opfer ist ebenso unbekannt wie deren Herkunft. Nach Angaben der Polizei ist es sehr wahrscheinlich, dass sich auch Ausländer unter den Todesopfern befinden. Deren Identifizierung habe oberste Priorität, erklärte die zuständige Staatsanwaltschaft. Aus diesem Grund sei Unterstützung von Rechtsmedizinern aus benachbarten Kantonen angefordert worden.
“Es sind erhebliche Mittel vorgesehen für die Identifizierung der Todesopfer”, sagte Generalstaatsanwältin Beatrice Pilloud. Trotzdem werde die Identifizierung einige Zeit in Anspruch nehmen, machten die Behördenvertreter deutlich. Auf einer Pressekonferenz am Nachmittag wurde deutlich, dass unter den Opfern der Brandkatastrophe viele junge Menschen seien.
Was geschieht mit den Verletzten?
Die etwa 115 Verletzten wurden größtenteils bereits in verschiedene Schweizer Kliniken gebracht. Das auf Brandopfer spezialisierte Universitätsklinikum Lausanne nahm bislang 22 Verletzte auf. Mehr als ein Dutzend Verletzte wurden in das Universitätsklinikum in Zürich gebracht. Andere wurden nach Genf geflogen und auf andere Krankenhäuser in der Schweiz verteilt. Eine verletzte Person wurde nach Stuttgart geflogen.
Das französische Außenministerium bestätigte, dass mindestens zwei französische Staatsbürger unter den Verletzten seien. Italiens Außenminister Antonio Tajani sagte im italienischen Fernsehen, dass nach bisherigen Erkenntnissen etwa 15 Italiener verletzt worden seien.
Was ist über die Unglücksursache bekannt?
Die ermittelnde Generalstaatsanwältin Beatrice Pilloud machte bei den beiden Pressekonferenzen am Neujahrstag noch keine Angaben zur Ursache der Brandkatastrophe. Sie stellte aber klar, dass von einem Unglück auszugehen und ein Anschlag auszuschließen sei.
“Es gibt mehrere Hypothesen, unsere Hauptthese ist, dass der gesamte Raum Feuer gefangen hat, und das zu einer Explosion geführt hat”, sagte sie. Im Zuge der Ermittlungen würden auch Mobiltelefone vom Ort des Brandes ausgewertet.
Der Brand habe bei seiner Ausbreitung eine Verpuffung ausgelöst, sagte der für Sicherheit zuständige Staatsrat im Kanton Wallis, Stéphane Ganzer. Am Nachmittag teilte die Kantonsregierung mit, in der Bar sei es “infolge eines Brandes zu einem Flashover” gekommen, “der eine oder mehrere Explosionen zur Folge hatte”.
Der Begriff Flashover beschreibt die schnelle oder sogar schlagartige Entzündung aller Oberflächen brennbarer Materialien eines Raumes hin zu einem Feuer. Mit ihren Angaben machten die Behörden deutlich, dass die Explosionen, von denen Anwohner berichtet hatten, den Brand nicht ausgelöst hätten, sondern eine Folge des Feuers waren.
Zur Ursache des ursprünglichen Feuers laufen die Ermittlungen. Die bisherigen Augenzeugenberichte liefern in dieser Frage kein klares Bild. Zwei Französinnen, die sich nach eigenen Angaben in der Bar aufhielten, sagten dem französischen Nachrichtensender BFMTV, dass das Feuer durch Kerzen ausgelöst worden sei, die auf Champagnerflaschen steckten. Eine davon sei zu nah an die Decke gekommen, die aus Holz gewesen sei und dann Feuer gefangen habe.
In anderen Augenzeugenberichten ist davon die Rede, dass Tischfeuerwerk den Brand ausgelöst habe. Andere Augenzeugen hatten zuvor dagegen erklärt, dass möglicherweise Pyrotechnik eines Konzerts das Feuer ausgelöst habe. All die genannten Erzählungen von Augenzeugen wollte Pilloud ausdrücklich nicht bewerten. “Die Untersuchung läuft, die Gründe werden wir zu einem späteren Zeitpunkt nennen”, sagte sie.
Flashover
Die Brandschutz-Expertin Sandra Barz beschreibt das Phänomen Flashover im ARD-Brennpunkt so: Ein kleines Brandereignis gibt die Wärme an die Umgebung ab. Die Hitze sammelt sich unter der Decke des Raumes und kann in einem Kellerraum nicht abfließen. Der Wärmestau wird immer heißer und alle brennbaren Materialien in diesem Raum werden chemisch zersetzt und bilden Pyrolysegase. Beim richtigen Mischungsverhältnis und einer immer höher werdenden Temperatur entsteht eine Durchzündung, eine Feuerwalze, die alles gleichzeitig in Brand setzt, ohne dass es durch eine Flamme berührt wird. Es entsteht somit ein Selbstentzündungsmechanismus, der extrem und sehr schnell wirkt.
Was ist über die Bar “Le Constellation” bekannt?
Die Bar “Le Constellation” liegt im Zentrum des Skiorts Crans-Montana, der über etwa 2600 Hotelbetten und Hunderte Ferienwohnungen verfügt. Auch wenn ein Großteil der Übernachtungen im Ort auf Schweizer Gäste entfällt, ist er auch bei internationalen Besuchern sehr beliebt – insbesondere bei Italienern und Franzosen, zuletzt aber auch zunehmend bei US-Amerikanern.
Die Bar “Le Constellation” präsentierte sich den Gästen als angesagtes Ziel und wurde als Café, Bar und Nachtclub betrieben. Sie war besonders bei jungen Gästen beliebt. Nach eigener Darstellung war in den verschiedenen Räumen Platz für 300 Personen. Die Bar verfügte über zwei Etagen – das Erdgeschoss und den Keller.
Ob die Bar “Le Constellation” über funktionsfähige Notausgänge verfügte, ließ die zuständige Staatsanwältin auf Nachfrage zunächst offen. Auch zu möglichen baulichen oder anderen Mängeln machten die Behörden bisher keine Angaben. Augenzeugen verweisen darauf, dass eine einzige Treppe für den Weg der Gäste vom Erdgeschoss in den Keller und von dort nach draußen vorgesehen gewesen sei. “Ich habe die Treppe gesehen, ich war vor Ort”, sagte Generalstaatsanwältin Pilloud. Die Untersuchung werde den Fragen nach den Sicherheitsstandards nachgehen.





















