Was macht Geschwisterliebe aus? – Gesellschaft | ABC-Z

Dieser Text stammt aus dem Familien-Newsletter der „Süddeutschen Zeitung“, der jeden Freitagabend verschickt wird. Hier können Sie ihn abonnieren.
Liebe Leserin, lieber Leser,
wenn ich meinen Kindern beim Aufwachsen zusehe, muss ich oft an meine Geschwister denken. Ich bin sechs Jahre jünger als meine älteste Schwester, die in meinen Kinderaugen unglaublich cool und schon so erwachsen wirkte. Die andere, nur drei Jahre älter als ich, war mir am nächsten, im Guten wie im Schlechten. Mit ihr stritt ich am meisten, mit ihr lachte ich am häufigsten. Sie hat mich wohl mehr geprägt als alle anderen Menschen, auch heute sind wir eng befreundet. Und dann ist da noch mein kleiner Bruder, der erst zur Welt kam, als ich schon 15 war. Ich liebe ihn sehr, war aber eher so etwas wie eine Tante für ihn als eine Schwester.
Nun schaue ich auf meine eigenen Töchter, vier und zwei Jahre alt. Sie streiten sich täglich – meist um genau den Gegenstand, den die andere gerade in der Hand hat. Aber sie sind auch füreinander da, trösten sich gegenseitig und spielen zusammen die schönsten Spiele. Werden sie sich auch als Erwachsene noch nahestehen?
Schließlich gibt es eine große Bandbreite geschwisterlicher Beziehungen. Meine beste Freundin zum Beispiel hat seit Jahren keinen Kontakt mehr zu ihrer kleinen Schwester – seit diese den Kontakt zur Mutter abgebrochen und dabei auch ihre große Schwester aus ihrem Leben ausgeschlossen hat. Was Kinder zu einem so einschneidenen Schritt bewegen kann, hat meine Kollegin Lucia Bramert in diesem Text (SZ plus) aufgeschrieben. Andere Geschwister stehen zwar in regelmäßigem Kontakt, pflegen aber eine distanzierte Beziehung. So ist es zum Beispiel bei den zwei Brüdern, deren Geschichte (SZ plus) mein Kollege Stefan Sommer aufgeschrieben hat.
Doch es gibt auch die anderen Geschichten: von Geschwistern, die zusammenwohnen und fast ihren kompletten Alltag teilen, die sich als „zweite Hälften“ beschreiben. Was macht den Unterschied? Warum entwickeln sich manche Geschwisterbeziehungen zu lebenslangen, tiefen Freundschaften, während andere in Gleichgültigkeit oder sogar Kontaktabbruch enden? Das hat sich auch meine Kollegin Sophie Aschenbrenner gefragt. Sie hat vier Geschwisterpaare, die auch als Erwachsene noch eine besondere Beziehung haben, nach ihrem Rezept gefragt und erfahren, dass dahinter auch eine ganz bewusste Entscheidung stecken kann. Ihre Protokolle finden Sie hier (SZ plus).
Haben Sie Geschwister, und was bedeuten sie Ihnen?
Einen guten Start ins neue Jahr wünscht
Marie Louise Timcke





















