Was die Washington Post uns lehrt • Medieninsider | ABC-Z

Jeff Bezos opfert die Washington Post aus Angst vor der Macht? Allein das als Grund für die Zäsur zu sehen, greift zu kurz. Medienmanager sollten genau hinschauen: Der Traditionstitel scheitert an Struktur, Strategie und Marktlogik. Vor allem aber hat er ein Versprechen gebrochen.
Die Washington Post kollabiert gerade, und das bewegt Menschen weit über die Medienbranche hinaus. Das liegt zum einen daran, dass in Washington selbst mehr ins Wanken geraten ist als eine von Pulitzer-Preisträgern nur so strotzende Institution, die einst einen Präsidenten zu Fall brachte – dank diverser Kinofilme ist Watergate auch jüngeren Menschen ein Begriff. Zum anderen wirft die Kapitulation des Medienhauses, die man angesichts der Entlassungen von 300 Journalisten und dem Rückzug (oder Rauswurf) von Geschäftsführer Will Lewis kaum anders nennen kann, auch ein Schlaglicht auf den Zustand der Branche. In der neuen, sich gerade wieder rasant wandelnden Medienwelt ist niemand sicher, nicht einmal eine noch kürzlich so stolze Washington Post.
Dabei ist der Fall ebenso speziell wie man ihn verallgemeinern kann. Speziell, weil es sich hier nicht nur um den Niedergang eines Medienhauses handelt, sondern um den moralischen Niedergang der Person Jeff Bezos. Der Amazon-Gründer hatte die Post 2013 für 250 Millionen US-Dollar gekauft und trotz einiger Angebote an ihr festgehalten. Seine Motivation dafür wurde nie ganz klar. Verallgemeinerbar ist er, weil hinter dem Absturz der Post einige Lehren stecken. Mit den Entlassungen geht eine inhaltliche Neuausrichtung einher, die man nicht mögen muss, aber angesichts der Rahmenbedingungen verstehen kann.





















