Berlin

Warum Nähe entsteht und wo Risiken sind | ABC-Z

rbb: Es gab auch das Ergebnis, dass, wenn die Teilnehmenden wussten, dass sie mit einer KI sprechen, das Gefühl der Nähe schwächer war als mit Menschen. Ist das eine Art Schutzmechanismus oder ein Vorurteil gegen Maschinen?

Tobias Kleinert: Wenn wir den Leuten gesagt haben, sie werden gleich mit einem KI-Modell interagieren, dann kam es trotzdem zu einer Ausbildung von Nähe. Aber der Aufbau der Beziehung war geringer, als wenn Menschen davon ausgingen, dass sie mit einem Menschen kommuniziert haben. Wahrscheinlich liegt das an weniger Motivation, mit einer KI zu interagieren. Wir haben herausgefunden, dass die Menschen dann kürzere Antworten gegeben haben. Sie wissen dann: Da sitzt kein echter Mensch am anderen Computer.

rbb: Meiner Erfahrung nach will KI im Gespräch gefallen und stellt sich auf die Antworten des Gegenübers ein. Könnte auch das eine Erklärung sein, vielleicht die fehlende Fähigkeit, auch kritische oder unangenehme Fragen zu stellen?

Tobias Kleinert: Dass KI grundsätzlich nur höflich ist, würde ich nicht bestätigen. Das kann man manipulieren. Aber dass der Standard-Output erstmal höflich und kooperativ ist, hat geholfen, zu diesem Deep-Talk-Effekt beizutragen – dass die Personen, die mit der KI interagiert haben, sich ihr danach näher gefühlt haben als zu anderen Menschen. KI wird sich in der Regel nicht unflätig äußern oder Kritik äußern, außer man bittet sie darum. Das könnte man in zukünftigen Studien ausprobieren.

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