Warum Kerkelings Film nur ein Strohfeuer der guten Laune ist: „Horst Schlämmer sucht das Glück“ | ABC-Z

Wenn es in diesem Land noch einen kleinsten, gemeinsamen Nenner gibt, gehört Hape Kerkeling dazu. Seit den achtziger Jahren bringt der Komiker, Autor, Fernsehmoderator und Schauspieler in TV-Formaten wie “Total Normal” oder “Darüber lacht die Welt” das Publikum zum Lachen. Sein Auftritt als Königin Beatrix im Schloss Bellevue ist ein Meilenstein der deutschen Fernsehgeschichte.
Übergriffig, politisch unkorrekt und mit grunzendem Lachen
Aber mit Horst Schlämmer entwarf der Komiker eine echte Kultfigur. Graue Strubbelfrisur, Überbiss, Bierwampe, Dornkaat-Fahne, beigefarbener Trenchcoat und die schmuddelige Herrenhandgelenktasche gehören zu den kuriosen Merkmalen des stellvertretenden Chefredakteurs des “Grevenbroicher Tagblatts”. Übergriffig, politisch unkorrekt und mit grunzendem Lachen stieß Schlämmer sein Publikum in immer neue Dimensionen wohligen Fremdschämens. Nun lässt Kerkeling seine ikonische Figur in “Horst Schlämmer sucht das Glück” wiederauferstehen.
Das Land, in dem sich der Lokalreporter wiederfindet, unterscheidet sich aber drastisch von der Republik der Merkel-Jahre. Flüchtlingskrise, AfD, Corona, Ukrainekrieg haben zu einer Polarisierung geführt und gegen diese Stimmung schickt Kerkeling seinen rheinischen Don Quichote ins Feld.
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Schlämmer macht sich auf die Reise kreuz und quer durch die Republik, um das Glück im Land der Nörgler und Miesepeter zu finden. Von einem Kurort, an dem in Lach-Yoga-Kursen gute Laune erlernt werden soll, geht es über Umwege nach München in die bayrische Staatskanzlei. Schließlich hat Markus Söder im Fernsehen mit Glücksversprechungen für den Freistaat geworben. Nun sitzt er neben Schlämmer und schlägt sich mit ein wenig Eigenhumor tapfer gegenüber dem Comedian.
Im Vergleich zum letzten Kinofilm “Isch kandidiere” (2009) wird hier die Polit-Promi-Quote deutlich herunter gedimmt. Die meisten Episoden sind inszenierte Sketche, in denen Schauspielerinnen wie Jördis Triebel als beherzte Berliner Fernfahrerin oder Meltem Kaptan als Bahnschaffnerin und Domina ihre Gastauftritte haben. Von Bayern geht es nach Berlin, wo Schlämmer nicht ganz klischeefrei in die Hände von Drogendealern gerät, nach Schleswig-Holstein, wo laut Umfragen die glücklichsten Bundesbürger leben, und zu einer Reiche-Schnösel-Party nach Sylt, die wenig überraschend beweist, dass Geld allein auch nicht glücklich macht.

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Wenn Schlämmer die Faxen dick hat von der deutschen Glücklosigkeit, schaut er sich Videos seiner Lieblingsschauspielerin Gabi Wampe (Tahnee Schaffarczyk) an. Mit ironischer Nostalgie schippern diese bunten Exkurse durch die bundesdeutsche TV-Geschichte vom bayrischen Heimatfilm bis zur Traumschiff-Kreuzfahrt.
Zu starker Nummernrevue-Charakter
Der Ansatz, der chronischen Unzufriedenheit der Deutschen komödiantisch auf die Spur zu kommen und verschiedene Vorstellungen von Glück zu erkunden, ist jedoch vielversprechender als die Ausführung. Regisseur Sven Unterwaldt (“7 Zwerge”) gelingt es nur unvollständig mit dem Roadmovie-Trick den Nummernrevuecharakter zu kaschieren.
Auch wenn Kerkeling seine Lieblingsfigur nach siebzehn Jahren mit physischer wie verbaler Strahlkraft wiederbelebt und deren eigenwillige, menschliche Qualitäten herausarbeitet, fehlt ein Konzept, das über die interessante Anfangsprämisse hinausgeht. Was als wärmendes, komödiantisches Kaminfeuer für die gestresste, deutsche Seele angelegt ist, verbrennt auf der Leinwand als Strohfeuer.
Kino: Gloria, Leopold, Cadillac, Cinemaxx, Mathäser, Rex, Rio, Astor im Arri R: Sven Unterwaldt (D, 93 Min.)





















