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Warum Dorfens Bürgermeister abgewählt wurde – Erding | ABC-Z

Heinz Grundner, noch amtierender Bürgermeister der Stadt Dorfen, ist nach 18 Jahren in der Stichwahl am vergangenen Sonntag abgewählt worden. Für den CSU-Bürgermeister war das Ergebnis nicht nur eine Niederlage, sondern eine regelrechte „Watschen“, wie es seine Widersacher Josef Jung (ÜWG) und Martin Heilmeier (Liste West) formulierten. Er erzielte lediglich 42,8 Prozent, der gemeinsame, parteilose Herausforderer Claudius Siebert, der für ÜWG, SPD, Grüne und Liste West ins Rennen gegangen war, kam hingegen auf 57,2 Prozent. Ein bemerkenswertes Ergebnis, vor allem weil Siebert bislang nicht einmal dem Stadtrat angehörte, sondern als absoluter kommunalpolitischer Neuling antrat.

Siebert hatte ursprünglich gar keine Ambitionen auf das Bürgermeisteramt, bis ihn Josef Jung vor 14 Monaten auf eine Kandidatur ansprach. Es folgten mehrere lange Gespräche, in denen der 50-jährige Wirtschaftsanwalt vorschlug, nicht für eine Liste anzutreten, sondern im überparteilichen Verbund für mehrere politische Gruppierungen. Der Vorschlag fiel auf fruchtbaren Boden: SPD, Grüne und Liste West stellten sich ebenfalls hinter den Kandidaten und formulierten ein gemeinsames Programm.

Dieses wies auf die Probleme, die es in Dorfen gibt: Beim bevorstehenden Bahnausbau müsse sich die Stadt für mehr Lärmschutz engagieren, Dorfen benötige ein Verkehrskonzept, das Radfahrer und Fußgänger stärker berücksichtige, Schulwege müssten sicherer werden. Zudem müsse man alle Ortsteile der großen Flächengemeinde stärker in ihrer Entwicklung unterstützen, Erziehung und Pflege stärken, Dorfen barrierefrei gestalten und den Zusammenhalt in der Gemeinde stärken. Das CSU-Programm hingegen ließ sich im Kern auf ein „Weiter so“ zusammenfassen, man habe bisher alles richtig gemacht. Zudem reklamierte die Dorfener CSU als Erfolg ihrer Politik, dass sich Betriebe angesiedelt haben und Arbeitsplätze geschaffen wurden. Ob das aber ein Erfolg der CSU ist oder Dorfen durch den Anschluss an die Autobahn ein attraktiver Gewerbestandort geworden ist, sei dahingestellt.

Mit dem Programm und dem großen Unterstützungsteam der vier Listen erlebte Dorfen einen so intensiven Wahlkampf, wie er in der Vergangenheit wohl noch nie geführt wurde. Und Siebert ging auf die Wähler zu, nutzte jede sich bietende Gelegenheit und führte vor allem auch in den sozialen Medien mit erklärenden Videos eine für Dorfen neue Form des Wahlkampfs mit erstaunlich hohen Klickzahlen im Internet und insbesondere auf der Plattform Facebook Dorfen.

Vier Listen hatten sich am Ende gegen Grundner verbündet

Und Siebert gab ein Versprechen: Er werde als Bürgermeister ansprechbar sein, zuhören, wenn es irgendwelche Probleme gebe, und offen für neue Ideen sein. Darin unterschied er sich von Grundner, dem Bürger und Vereine nachsagen, er beantworte E-Mails nicht oder nur nach monatelanger Verspätung. Zudem gab es unter Grundner keine Bürgersprechstunden. Auch das wurde als Manko empfunden.

Nicht zuletzt spielte auch die Stimmung im Stadtrat eine Rolle, warum sich ganze vier Listen gegen die CSU verbündeten: Die CSU und die beiden Listen aus den CSU-Hochburgen Tegernbach und Eibach hatten in der Vergangenheit viele Anträge von ÜWG, SPD, Grünen und Liste West blockiert oder Heinz Grundner hatte sie erst nach monatelanger Verspätung auf die Tagesordnung gesetzt, sodass der Konflikt schon lange schwelte. Der frische Wind Siebert genügte, um nun das Feuer zu entfachen, das im Wahlkampf zu einem lodernden Brand wurde.

Und so brach am Stichwahlabend im Rathausfoyer, wo man die Auszählung am Bildschirm mitverfolgen konnte, ein emotionaler Orkan aus, als das Ergebnis feststand. Jubel, Beifall, Umarmungen. Im Chor skandierten Sieberts Unterstützer seinen Vornamen, Selfies mit ihm wurden erbeten und mit Sekt angestoßen. Man darf gespannt sein, wie jetzt der politische Alltag in Dorfen weitergeht.

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