Wal schwimmt zurück zur Sandbank | ABC-Z

Marco Zitzow, Marie Sophie Krone, Marcus Heyl, Stefan Ferrari
Niendorf – Was für ein unfassbares Drama! Nachdem er sich selbst befreit hatte und schon mehrere Kilometer Richtung offenes Meer geschwommen ist, ist der Ostsee-Wal fast wieder zurück an seinem Ausgangsort.
Noch am Freitagmorgen sah alles so gut aus: Als die Rettungskräfte bei Sonnenaufgang in Niendorf an der Ostsee aufs Meer schauten, war der Wal von seiner Ausgangsposition am Abend zuvor verschwunden. Die letzten Meter seiner Rettung aufs offene Meer hatte er offenbar in der Nacht selbst geschafft. Mit Drohnen wurde das Tier von Rettern geortet. Der Wal schwamm durch die Lübecker Bucht – in Richtung offenes Meer. Alle Zeichen standen auf Hoffnung – bis jetzt!
Die Küstenwache hatte das Tier noch bis eben begleitet. Das war allerdings gar nicht so einfach. Meeresbiologe und Wal-Retter Robert Marc Lehmann, ebenfalls an Bord, erklärte am Freitag bei Instagram: Der Wal schwimme im Zickzack, tauchte immer mal wieder für längere Zeit ab. Mit den Booten wurde versucht, ihn in die richtige Richtung zu bewegen. Zwingen kann man das Tier nicht – auch das machte Lehmann klar. Mit Druck erreicht man gar nichts, nur ein sanftes Drängen in die richtige Richtung kann helfen. Während alles so gut aussah, dann jetzt der Schock: Der Wal ist scheinbar außer Sicht, die Boote müssen ihn wieder in Richtung Festland suchen.
Schlauchboote sollen Wal vom Flachwasser abhalten
Natur- und Umweltschützer versuchen nun, den Buckelwal von einer Rückkehr ins flache Wasser abzuhalten. Die Organisationen Sea Shepherd und Greenpeace sind nach eigenen Angaben mit Schlauchbooten in der Lübecker Bucht unterwegs. Der Wal sei zeitweise wieder auf dem Weg ins flachere Wasser gewesen, sagte ein Sprecher von Sea Shepherd. Mit den Schlauchbooten hätten die Organisationen eine Art Blockade hergestellt, damit er nicht wieder ins Flachwasser kommt. Man versuche ihn irgendwie weiter in tieferes Wasser der Ostsee zu geleiten.
Kleine Chance, große Hoffnung
Der Buckelwal ist – entgegen der ersten Vermutungen – kein Jungbulle, sondern ein älteres Tier. Er ist hautkrank, geschwächt von den Strapazen der letzten Tage. Warum er immer wieder Richtung Festland drängt – aktuell unklar. In den vergangenen Tage hatten Experten vermutet, der Wal könnte sich auf die Sandbank zurückgezogen haben, um zu sterben. Auch Meeresbiologe Lehmann hatte dem Tier eine extrem kleine Überlebenschance ausgerechnet: unter einem Prozent.

Auch noch am Freitagmorgen – als alles so gut aussah – hatte Lehmann die Hoffnung gedämpft und klargestellt: Der Wal ist erst dann wirklich gerettet, wenn er nicht in einigen Wochen wieder Tod am Strand angespült wird. Lehmann – Experte für die Unterwasserwelt – hatte immer wieder deutlich gemacht, wie klein die Überlebenschance ist. Doch auch der erfahrene Meeresbiologe wirkte am Freitagmorgen erleichtert und zuversichtlich. Jetzt der Dämpfer. Schaffen es die Retter, das Tier noch einmal in die richtige Richtung zu lenken?
Lehmann hatte es am Donnerstag geschafft, eine Bindung zu dem Tier aufzubauen, sein Vertrauen zu gewinnen. Der Wal – eigentlich wirklich geschwächt – hatte unglaublichen Lebenswillen bewiesen, brachte sich bei der Rettungsaktion mit ein, schlug mit der Flosse, kämpfte sich durch die Sandbank in Richtung offenes Meer. Lehmann und sein Team hatten es geschafft, das Tier im Wasser mit drücken und ziehen in die richtige Richtung zu bewegen. Jetzt kann der Meeresbiologe nur vom Boot zusehen – und hoffen.





















