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Wahlkampf-Triell: Özdemir, Hagel und Frohnmaier im SWR – Politik | ABC-Z

Bevor die Kandidaten am Dienstagabend die „Wahlarena“ des SWR betreten, treffen sie Backstage aufeinander. Auf einem Tisch hat der SWR eine ansehnliche Auswahl an Hustenbonbons ausgelegt, der grüne Spitzenkandidat Cem Özdemir greift zu, die Stimme darf heute nicht versagen. „Was für eine Sorte haben Sie genommen?“, fragt Manuel Hagel, der Spitzenkandidat der CDU. „Ingwer Shot“, antwortet Özdemir. Der dritte Teilnehmer dieses Triells, der AfD-Politiker Markus Frohnmaier, betrachtet die Szene aus sicherer Entfernung.

Erster Eindruck: Der Wahlkampf hat bislang keine Brücken eingerissen zwischen Cem Özdemir und Manuel Hagel, den beiden Kontrahenten um das Amt des Ministerpräsidenten. Er hat aber auch noch keine Duzfreunde aus ihnen gemacht. Und die AfD? Ist außen vor.

Als es dann losgeht, dieses Triell, das der SWR zwölf Tage vor der Landtagswahl am 8. März zur besten Fernsehzeit ausstrahlt, müssen sich Özdemir und Hagel sehr anstrengen, um den Fernsehzuschauern substanzielle Unterschiede klarzumachen. Dabei begleitet diesen Wahlkampf zum ersten Mal seit langer Zeit ein Hauch von Spannung. Bis vor Kurzem hat die CDU die Umfragen unangefochten dominiert, doch zuletzt holten die Grünen auf. Der Abstand beträgt auf einmal nicht mehr 14 Prozentpunkte, wie noch vor einigen Monaten, sondern nur noch sechs. Immer noch keine Schlagdistanz, aber doch so viel Annäherung, dass sie bei der CDU ein wenig nervös sind und bei den Grünen wieder zu träumen wagen.

„Herr Özdemir spricht für sich, ich spreche für mich“

Da müsste Cem Özdemir eigentlich die Auseinandersetzung suchen, könnte man meinen. Stattdessen fragt er Hagel in der Sendung, was er denn schätze an seiner Partei, den Grünen, nach zehn Jahren gemeinsamen Regierens? Ja, antwortet Hagel, zum ersten Mal etwas defensiv, man habe gemeinsam solide regiert, da hätten die Grünen auch ihren Anteil daran gehabt. Mehr Distanz ist nicht. Stattdessen empfiehlt sich der CDU-Politiker als Brückenbauer, während Özdemir für Fairness im Wahlkampf wirbt. Der eine will „die Richtigen“ abschieben, der andere auch. „Herr Özdemir spricht für sich, ich spreche für mich“, hält Hagel an einer Stelle sicherheitshalber fest.  Und Frohnmaier, der lange als Scharfmacher innerhalb der AfD galt? Bemüht sich um Salonfähigkeit.

Zweiter Eindruck: Der Abend läuft ziemlich gut für den CDU-Kandidaten. Er erhält von der Regie den Platz in der Mitte zugewiesen, da wo er sich selbst am liebsten sieht, und die erste Fragerunde dreht sich um die Wirtschaft, ein Politikfeld, bei dem seiner Partei verlässlich hohe Kompetenzwerte zugemessen werden. Hagel hat zudem in diesem Wahlkampf das Glück, dass er schon mit einer halbwegs soliden Performance punkten kann, weil vom versierten Talkshowgast Özdemir ohnehin alle einen Eins-A-Auftritt erwarten.

Schon im Vorfeld hatte dieses Triell für Debatten gesorgt. Kritiker, darunter auch der scheidende grüne Ministerpräsident Winfried Kretschmann, finden nämlich, dass ein Duell das bessere Format gewesen wäre. Dass der SWR die AfD nicht hätte einladen sollen, weil ohnehin keine andere Partei mit ihr koalieren will. Frohnmaier wird, so viel lässt sich sicher sagen, nicht der nächste Ministerpräsident werden. Zur Wahrheit gehört aber auch: Als sich der SWR im Herbst 2025 für ein Triell entschied, lag die AfD in den Umfragen noch vor den Grünen.

Nun ist es Frohnmaier, der am Ende der 90 Minuten Hagel noch mit einer Geschichte konfrontiert, die ihn in Verlegenheit bringt. Seit Montagabend geht im Netz ein Video der Karlsruher Grünen-Bundestagsabgeordneten Zoe Mayer viral. Darin hat Mayer alte Aufnahmen Hagels mit fragwürdigen Aussagen zusammengestellt. Der Clip zeigt Hagel bei einem Stammtischgespräch in einer Ulmer Gaststätte im Jahr 2018. Er war damals 29, Landtagsabgeordneter und Generalsekretär der CDU. Hagel berichtet in der Szene von einem Besuch an einer Realschule. In der Klasse hätten damals 80 Prozent Mädchen gesessen. „Also da gibt’s für 29-jährige Abgeordnete schlimmere Termine als diesen.“ Dann geht er auf eine Schülerin näher ein, die die erste Frage gestellt habe: „Ich werd’s nie vergessen, die erste Frage, sie hieß Eva, braune Haare, rehbraune Augen.“ Mayer postete den Clip und kritisierte: 
„Was meint ein erwachsener Mann damit, dass es ein besonders schöner Termin ist, wenn er in einem Klassenzimmer mit maximal 16-Jährigen sitzt?“

Frohnmaier begehrt von Özdemir nun Auskunft, ob er sich da noch eine Zusammenarbeit mit der CDU vorstellen könne. „Ich bin mir sicher: Herr Hagel würd das heute so nicht mehr formulieren“, antwortet Özdemir generös. Er plädiert dafür, dass Hagel auch zu Wort kommen solle in eigener Sache. Es ist vielleicht Özdemirs stärkster Moment in diesem Triell. Und Hagel? „Der Satz war Mist“, sagt der CDU-Politiker. Und dass ihm seine Frau schon damals gehörig den Kopf gewaschen habe.

Letzter Eindruck: Einen Gewinner kann man nach diesem Triell nicht ausrufen.

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