Wachsendes Inflationsrisiko: Zuversicht an der Wall Street vor Iran-Gesprächen wackelt | ABC-Z

Wachsendes Inflationsrisiko Zuversicht an der Wall Street vor Iran-Gesprächen wackelt
10.04.2026, 23:02 Uhr
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Auf den Waffenstillstand im Iran-Krieg folgen Verhandlungen, die an der Wall Street mit Nervosität erwartet werden. Bleibt die Schifffahrt in der Straße von Hormus blockiert, drohen dauerhaft hohe Energiepreise und damit eine steigende Inflation.
Der Optimismus an den US-Börsen hinsichtlich der am Wochenende beginnenden Verhandlungen zwischen den Kriegsgegnern USA und Iran hat zum Wochenschluss leichte Risse bekommen. Nach steilen Aufschlägen seit Bekanntgabe des Waffenstillstandes überwog eher die Vorsicht – gerade vor dem Wochenende mit seinem hohen Schlagzeilenrisiko. Auch wenn seit rund 48 Stunden die meisten von Irans Golfnachbarn – mit Ausnahme von Kuwait – und Israel keine Raketen- oder Drohnenangriffe durch Teheran mehr gemeldet hatten, stieg gleichwohl die Nervosität. Letztlich hänge alles an der Wiederaufnahme des freien Schiffsverkehrs durch die Seestraße von Hormus, hieß es. Auch US-Präsident Donald Trump räumte ein, dass der Iran mit Blick auf internationale Wasserstraßen noch “Trümpfe” halte.
“Da der Waffenstillstand weiterhin fragil ist und die Ölpreise deutlich über dem Vorkriegsniveau liegen, besteht das reale Risiko, dass sich die Inflation dauerhaft über dem 2-Prozentziel festsetzt”, erläuterte Marktstratege Jason Pride von Glenmede. Der Dow-Jones-Index gab belastet von Software-Titeln 0,6 Prozent auf 47.917 Punkte ab, der S&P-500 büßte 0,1 Prozent ein. Der Nasdaq-Composite legte dagegen um 0,4 Prozent zu. Den 1160 (Donnrstag: 1744) Kursgewinnern an der Nyse standen 1570 (1000) -verlierer gegenüber. Unverändert schlossen 70 (48) Titel. Wenig Impulse setzten die mit Spannung erwarteten US-Verbraucherpreise, denn sie fielen im Rahmen der Erwartungen aus. Der Inflationsdruck in den USA hatte im März zwar deutlich angezogen, Ökonomen hatten aber mit exakt der vermeldeten Teuerung gerechnet.
Die Kernverbraucherpreise stiegen sogar einen Tick schwächer als veranschlagt. Die negativen Auswirkungen des Iran-Krieges waren vor allem an den Energiepreisen abzulesen. Diese gute Nachricht sei möglicherweise nicht von Dauer, warnte Analyst Omair Sharif von Inflation Insights. Das Zinsdilemma der US-Notenbank wurde durch die Stimmung der US-Verbraucher offengelegt, denn die fiel im April deutlich stärker als gedacht auf Rekordtief. Damit bewegte sich die Fed im Stagflationsumfeld mit hoher Inflation und schwachen Konjunkturdaten. Der Auftragseingang der US-Industrie hatte sich im Februar konstant gezeigt und lieferte keine neuen Erkenntnisse.
Ölpreise sinken
Erdöl verbilligte sich wieder, der Preis für ein Fass der Nordseesorte Brent sank um 1,7 Prozent auf 94,32 Dollar. “Am Markt herrscht große Vorsicht, weil es so viel Unsicherheit gibt”, relativierte Energie-Expertin Andrejka Bernatova von der auf Energie spezialisierten Zweckgesellschaft Dynamix Corporation III die Preisabschläge. Die große Frage für den Markt sei, ob die Straße von Hormus wieder geöffnet werde.
Die zehnjährige Rendite stieg am Anleihemarkt um 3 Basispunkte auf 4,31 Prozent. Solange die Straße von Hormus nicht komplett offen sei, blieben Inflations- und in der Folge Zinsängste wegen hoher Rohölpreise bestehen, hieß es. So hatten die Inflationserwartungen der US-Verbraucher zugelegt. Der Goldpreis bewegte sich nach den jüngsten Aufschlägen kaum noch, zeigte sich mit 0,1 Prozent knapp im Minus. Die Sorge wuchs, dass anhaltende Spannungen im Nahen Osten einige Zentralbanken dazu veranlassen könnten, Gold zu verkaufen, um Liquidität und Währungsvolatilität zu steuern, erläuterten die ANZ-Analysten.
Der Dollar wertete weiter ab – nur bedingt belastet von der etwas niedriger als prognostiziert ausgefallenen US-Kerninflation. Denn in den USA gebe es keinen breit angelegten Inflationstrend. Anders als beim Preisschock 2022 hätten Verbraucher nicht das Finanzpolster wie aus der Pandemiezeit, um ihre Ausgaben aufrechtzuerhalten, gab Analyst Stephen Coltman von 21shares zu bedenken. Der Dollarindex fiel um 0,2 Prozent.
KI-Werte belastet
Am Aktienmarkt hielt sich die Begeisterung für Künstliche Intelligenz der vergangenen Tage. Der Halbleiterindex SOX stieg um 2,3 Prozent und erreichte damit einen erneuten Rekordschlussstand – befeuert von guten Geschäftszahlen von Taiwan Semiconductor Manufacturing. Der weltgrößte Chip-Auftragsfertiger stellt einen Indikator für die Branche und die KI-Nachfrage. Softwarewerte wurden dagegen erneut von KI-Verdrängungsbedenken belastet. Salesforce stürzten als Dow-Schlusslicht um 3,5 Prozent ab, Microsoft büßten um 0,6 Prozent ein – Snowflake, Cloudflare, ServiceNow, Atlassian, Palantir Technologies, Workday und Datadog gaben um bis zu 13,5 Prozent nach.
Lumentum und Wettbewerber Coherent legten um 0,4 bzw. 8,2 Prozent zu. Lumentum-CEO Michael Hurston hat eine starke KI-bezogene Nachfrage hervorgehoben. Die Analysten von JP Morgan erhöhten ihre Kursziele für beide Aktien. Organon haussierten um 28,1 Prozent. Laut einem Medienbericht hat das indische Unternehmen Sun Pharmaceutical ein verbindliches Angebot für das US-Pharmaunternehmen unterbreitet.
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