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Landkreis Erding: Rekordhaushalt mit hoher Neuverschuldung – Erding | ABC-Z

Der Kreistag Erding hat einen Rekordhaushalt in Höhe von 315 Millionen Euro beschlossen und mit dem Anstieg der Gewerbesteuereinnahmen um mehr als 46 Prozent steht der Landkreis gar an der Spitze Oberbayerns. Doch der Aufschwung hat seine Schattenseiten: Weil die Steuerkraft wächst, fließen 5,3 Millionen Euro weniger aus den Schlüsselzuweisungen, gleichzeitig steigt die Bezirksumlage um 12,7 Millionen auf 64,4 Millionen Euro. Vom Rekord bleibt dem Landkreis am Ende wenig, Investitionen müssen über neue Kredite laufen – und der Schuldenstand dürfte bis Ende des Jahres auf 39 Millionen Euro klettern.

Doch noch einmal kurz zur Gewerbesteuer: Der enorme Anstieg ist kein flächendeckender Effekt, sondern geht vor allem auf hohe Einnahmen in der Kreisstadt Erding und der Flughafengemeinde Oberding zurück, die den Landkreisdurchschnitt nach oben ziehen. Die großen Gewerbesteuerzahler sind die Amadeus Data Processing GmbH mit Sitz in Erding und Unternehmen in Oberding, die ebenfalls an der Reisebranche und Luftfahrt hängen. Die Gewerbesteuerzahlungen basieren auf den Daten aus dem Jahr 2024. Damals haben sie nicht nur die Coronadelle hinter sich gelassen, sondern auch noch ein starkes zusätzliches Wachstum generiert. Die sogenannte Umlagekraft steigt damit um 18,87 Prozent. Das zieht die Kreisumlage nach oben. Um die Kommunen etwas zu entlasten, wurde im Haushalt 2026 der Hebesatz für die Kreisumlage auf 52,95 Prozent gesenkt.

Die Ausgaben bleiben hoch: Im Vermögenshaushalt sind Investitionen in Höhe von 38,6 Millionen Euro vorgesehen. Darin enthalten sind Baumaßnahmen am Anne-Frank-Gymnasium mit 6,2 Millionen, 10,4 Millionen für den Neubau des Alten Landratsamtes und 2,5 Millionen Euro für den Erweiterungsbau der Integrierten Leitstelle. Zur Finanzierung des Vermögenshaushaltes ist eine Entnahme aus der Rücklage in Höhe von 10,6 Millionen Euro geplant. Damit sind die Rücklagen des Landkreises nahezu aufgebraucht und es bleibt nur noch die Mindestrücklage in Höhe von 2,3 Millionen Euro. Außerdem hat der Kreistag einer Kreditaufnahme in Höhe von 27 Millionen Euro zugestimmt. Dadurch steigt der Schuldenstand des Landkreises bis Ende 2026 auf 39 Millionen Euro.

Im Verwaltungshaushalt nehmen die laufenden Kosten weiter zu: Wenn man die Ausgaben im Bereich Soziales mit der Bezirksumlage addiert, die ebenfalls sozialen Zwecken dient, umfassen sie mehr als 50 Prozent des gesamten Landkreishaushaltes. Auch das Klinikum des Landkreises benötigt finanzielle Unterstützung, insbesondere die Notaufnahme ist wie an vielen anderen Kliniken defizitär. Für 2026 sind 14,2 Millionen Euro eingeplant.

Perspektivisch wird es für den Landkreis Erding in Zukunft nicht einfacher ohne Rücklage und mit hohem Schuldenstand. Speziell der Erweiterungsbau der Integrierten Leitstelle in den kommenden Jahren mit Kosten in Höhe von mehr als 23 Millionen Euro wird eine Herausforderung. Anderweitig behilft man sich bereits mit neuen Modellen. So soll am Klinikum Erding ein neues Personalwohngebäude mit rund 125 Appartements für Pflegekräfte entstehen, das ein Privatinvestor erstellen soll und das der Landkreis anschließend zurück mietet.

Warnung vor einer „Krise der Kommunalfinanzen“

In der Haushaltsdebatte kritisierte vornehmlich Georg Els von den Freien Wählern, dass die finanzielle Situation „auf Dauer nicht so funktionieren kann“: Die Gemeinden würden finanziell ausbluten, man stehe vor einer „Krise der Kommunalfinanzen“. 135 Millionen Euro würden allein in die Bezirksumlage und die soziale Sicherung fließen, „das ist nahezu die gesamte Kreisumlage“. Man habe eine „kommunale Mangelverwaltung“ und sei nur noch „Bittsteller bei Bund und Land“. „Die kommenden Jahre werden anspruchsvoll“, schloss Els, „Geld wird nicht unbegrenzt zur Verfügung stehen.“

Die SPD-Fraktionssprecherin Ulla Diekmann monierte zwar ebenfalls die Mehrbelastung der Gemeinden, die großen neuen Projekte wie die Integrierte Leiststelle und die Bauabschnitte am Anne-Frank-Gymnasium seien jedoch sinnvoll und notwendig.

Helga Stieglmeier von den Grünen nahm die Bezirksumlage gegen Kritik in Schutz: „Die Erhöhung der Bezirksumlage gehe zulasten der kreisfreien Städte und Landkreise – oder aber sie betreffen hauptsächlich die soziale Teilhabe von Menschen mit Behinderung und die Versorgungsstruktur für ältere Menschen.“ Es gehe nicht um Gemeinde gegen Landkreis und Landkreis gegen Bezirk. Die kommunale Familie sei auf allen Ebenen von einer unzureichenden Finanzierung durch Bund und Land und eigene Einnahmequellen betroffen. „Wir brauchen mehr finanzielle Spielräume, um auch gestalten und nicht nur verwalten zu können. Denn sonst verliert der Kreistag seine Sinnhaftigkeit.“

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