Vorstandsmitglied der AfD-Jugend Bayern muss Posten räumen – Bayern | ABC-Z

Erst vor rund zweieinhalb Monaten gründete sich der bayerische Landesverband der neuen AfD-Jugend „Generation Deutschland“ (GD). Jetzt gibt es bereits den ersten Skandal rund um den Vorstand der Organisation: Tim Schulz ist von seinem Posten als dritter Stellvertreter der GD in Bayern wegen Verbindungen in die neonazistische Szene zurückgetreten.
Zuvor hatte die Münchner Abendzeitung in ihrer Dienstagsausgabe berichtet, dass der 24-jährige AfD-Politiker aus Hohenbrunn im Landkreis München im Frühjahr 2025 zusammen mit einem bekennenden Nationalsozialisten aus den Reihen der Jungen Nationalisten (JN) in Budapest gewesen sein soll – die JN ist die Jugendorganisation der Partei „Die Heimat“ (vormals NPD). Der JN-Aktivist soll demnach orthodoxe Juden auf der Straße antisemitisch verhöhnt haben. Das belegen mehrere Videos, die der Zeitung vorliegen und in denen auch Schulz zu sehen ist. Die Details des Zusammentreffens in Budapest sowie Hintergründe des Videodrehs sind unklar.
Es sei dumm, „sich überhaupt in die Nähe solcher Provokateure zu begeben“, sagt der Vorsitzende
Der Vorsitzende der GD in Bayern, der AfD-Landtagsabgeordnete Franz Schmid, bestätigte der Süddeutschen Zeitung, dass Schulz von seinem Amt im Vorstand zurückgetreten ist. Schulz habe dem GD-Landesvorstand versichert, sich nicht antisemitisch geäußert zu haben, sagte Schmid. Es sei aber dumm, „sich überhaupt in die Nähe solcher Provokateure zu begeben“.
Der Anwalt von Tim Schulz teilt auf SZ-Anfrage mit, sein Mandant habe sein Amt präventiv und „zum Schutz“ der GD niedergelegt. Tim Schulz sei privat in Budapest gewesen. Der JN-Aktivist sei ihm zuvor persönlich unbekannt gewesen. Der Anwalt betont: „Mein Mandant hat in Budapest keine Videos gedreht. Weder antisemitische noch sonstige.“ Insbesondere die Szene, als der JN-Aktivist eine Gruppe orthodoxer Juden belästigt habe, sei ohne Zutun von Tim Schulz erfolgt. Dieser lehne es generell ab, Passanten „unabhängig von deren Nationalität oder Religion“ zu belästigen.
Tim Schulz ist der Sohn des früheren FDP-Bundestagsabgeordneten Jimmy Schulz, der 2019 starb. Er ist in der Vergangenheit bereits mehrfach wegen seiner Nähe zu rechtsextremistischen Akteuren aufgefallen, unter anderem zur Münchner Burschenschaft Danubia. Vor allem aber sympathisierte er ganz offen mit der rechtsextremistischen Identitären Bewegung (IB), die vom Verfassungsschutz wegen ihrer demokratiefeindlichen Bestrebungen beobachtet wird und genauso wie die JN auf der sogenannten „Unvereinbarkeitsliste“ der AfD steht. Das heißt, dass Personen, die Mitglied der IB oder JN sind, nicht in die AfD eintreten dürfen.
Immer wieder teilte Schulz in den vergangenen Jahren Beiträge der IB in sozialen Medien; auch beteiligte er sich an Aktionen der IB-Regionalgruppe „Lederhosen Revolte“. Im Sommer 2024 nahm er an einer Demo der IB in Wien teil. Auf einem Foto, geteilt vom X-Account der „Lederhosen Revolte“ und repostet von Schulz, ist er mit anderen Demo-Teilnehmern zu sehen. Alle – inklusive Schulz – tragen blaue T-Shirts mit der Aufschrift „Identitäre Bayern“. Auf einem Gruppenbild von einer Wanderung der Aktivisten in Berchtesgaden zeigt Schulz das OK-Handzeichen; Rechtsextremisten verwenden die Geste als Symbol für eine vermeintliche Überlegenheit weißer Menschen.
Im Sommer 2025 traf Schulz Martin Sellner, die Leitfigur der IB, als dieser auf einem Grundstück im Münchner Stadtteil Perlach, auf dem auch der bayerische AfD-Landtagsabgeordnete Rene Dierkes sein Wahlkreisbüro hat, eine Lesung abhielt – Dierkes ist Vorsitzender des AfD-Kreisverbandes München-Ost, bei dem Schulz Mitglied ist. Als ihn die SZ vor ein paar Wochen mit seinen Verbindungen zu rechtsextremistischen Akteuren konfrontierte, teilte Schulz mit, niemals Mitglied der IB gewesen zu sein.
:Bayerischer AfD-Nachwuchs sympathisiert mit Identitärer Bewegung
Ein Blick in den Vorstand der neu gegründeten AfD-Jugendorganisation in Bayern offenbart Verbindungen zu rechtsextremistischen Aktivisten. Auffällig ist Tim Schulz, einer der stellvertretenden Vorsitzenden. Er fordert die „deutsche Jugend“ zum Boxtraining auf.
Nachdem er im Dezember 2025 zu einem von drei Stellvertretern in den Vorstand des neu gegründeten Landesverbandes der GD gewählt wurde, gab Schulz als Ziel aus, dass die „deutsche Jugend“ wieder mehr zum Sport und konkret zum „Boxtraining“ finde. Schließlich sei es aufgrund „aktueller Entwicklungen“ in den Großstädten und auf dem Land „essenziell“, sich im „Zweifelsfall“ verteidigen zu können, sagte er in einem Interview. In seiner Funktion als stellvertretender Landesvorsitzender der GD in Bayern trat Schulz bei mehreren AfD-Veranstaltungen auf. Zuletzt war er etwa im Weilheimer „Bürgerbüro“ des AfD-Landtagsabgeordneten Benjamin Nolte zu Gast, um die Jugendorganisation vorzustellen, wie Nolte auf Telegram berichtet.
Tim Schulz selbst hat seine Aktivitäten auf sozialen Medien inzwischen eingestellt. Der bayerische AfD-Landesvorsitzende Stephan Protschka schloss auf Anfrage der Münchner Abendzeitung zu den jüngsten Enthüllungen ein Parteiausschlussverfahren gegen Tim Schulz nicht aus.
Eigentlich hatte man in der AfD-Spitze gehofft, die neue Parteijugend „Generation Deutschland“ würde weniger Skandale produzieren als der Vorgängerverein, die „Junge Alternative“ (JA). Deren Mitglieder waren immer wieder wegen rechtsextremistischer Aktivitäten und Verbindungen in die Neonazi-Szene in die Schlagzeilen geraten. Jetzt hat der bayerische Ableger der Nachfolgeorganisation nach nur wenigen Monaten den ersten Rücktritt zu verzeichnen – eine von vielen Kontinuitäten.





















