Vor dem BBL-Halbfinale: Kunterbuntes Klassentreffen der Basketball-Größen – München | ABC-Z

Man muss kein Hardcore-Basketballfan sein, um diesen Abend im GOP Varieté-Theater einfach nur großartig zu finden. Süffige Geschichten, wohin man nur schaut und hört, feine Sportsmänner ohne Berührungsängste, eine Feier für die Magie des Mannschaftssports. Rekord-Nationalspieler Patrick Femerling fasst dieses Phänomen so zusammen: „Ich hab’ so gern mit den Jungs in der Kabine gesessen.“
Seit 60 Jahren gibt es die Basketball-Bundesliga, aber erst vor zwei Jahren kam man auf die Idee, den bis dahin stets etwas im Schatten stehenden Pokalwettbewerb aufzuwerten, und so gibt es nun am Vorabend des Final-Four-Turniers im SAP Garden die „BMW Night of the Legends“: ein kunterbuntes Klassentreffen, bei dem die kollektive Wiedersehensfreude mit Händen zu greifen ist und mancher Super-Senior sogar mit dem Rollator vorfährt.
Mehrere Korbwerfer-Generationen sind da, vom FC-Bayern-Kapitän Vladimir Lučić und dem aktuellen Welt- und Europameister Andreas Obst bis zu Didi Keller, der auch mit 82 Jahren noch 2,09 Meter groß ist. Die illustre Manager-Legende Otto Reintjes feiert seinen 76. Geburtstag und hat dafür einen maximal auffälligen Gehrock angelegt.
Matthias Sammer tauscht sich mit dem neuen alten Bayern-Coach Svetislav Pešić aus, dessen Schwiegersohn Jan Jagla aus Barcelona angereist ist. Bundestrainer Álex Mumbrú sieht nach überstandener Bauchspeicheldrüsen-Erkrankung wieder prima aus, hat die 22 Kilo, die er verloren hatte, wieder auf den Rippen: „Hat aber zweieinhalb Monate gedauert“, erzählt er.
Bayern-Präsident Herbert Hainer muss derweil Fragen zum Fußball beantworten und seine Wochenendplanung erklären: „Das wird sportlich: Samstag um halb vier Allianz-Arena, zur zweiten Halbzeit will ich aber im SAP Garden sein – und am Sonntag dann hoffentlich zum Finale.“ Den Kick des Frauen-Teams wird er somit verpassen: „Das tut mir leid für die Frauen.“


Selbst für nicht gerade klein gewachsene Normalsterbliche ist es auch ein Abend in Demut inmitten all der langen Kerle. Dabei haben es die Lulatsche mit ihrer Überlänge auch nicht immer leicht, zum Beispiel im wirklich niedrigen WC des Theaters, wo sich ein Zwei-Meter-Mann wundert: „Ist das ne Kindertoilette?“ Immerhin sind die Tische im Saal hoch genug für lange Haxen, und so haben es alle schön bequem, als das Moderatoren-Duo die Gala eröffnet: RTL-Moderatorin Charlotte Würdig nebst Dazn-Moderator Tobias Wahnschaffe.
Passend zum von Akrobatik-Nummern begleiteten Drei-Gänge-Menü ist der Abend thematisch in drei Teile gegliedert: Roots, Rise und Golden Times. Nach herrlichen Archiv-Bildern aus der Ära, als noch in Schulturnhallen gespielt wurde, der Hausmeister schon mal das Licht ausknipste, wenn das Heimteam gerade einen Anti-Lauf hatte und in der Dortmunder Halle direkt hinter dem Korb noch ein Tresen stand, folgen Aufnahmen aus den 90er-Jahren, als aus Hallen Arenen und aus Studenten mit einem Hobby Profis wurden.
In dieser Zeit wurde auch Patrick Femerling groß, wie sein Laudator und Mitspieler Marko Pešić launig berichtet. Wobei er bei der Vorbereitung der Rede gemerkt habe, dass „ich nur 50 Prozent der Sachen erzählen kann, die ich mit ihm erlebt habe – und davon sind noch mal 25 Prozent auf Messers Schneide“. Mit drei anderen Mitspielern von Alba Berlin lebten Pešić und Femerling in Alt-Moabit, alle jünger als 22 – und nie zu Hause, wie Pešić beichtet: „Wir haben immer das Licht angelassen, weil wir wussten, dass die von Alba uns kontrollierten.“ Stundenlang könnte er wohl erzählen, macht es dann aber kurz: „Du bist der beste Mitspieler, den ich je hatte, auf und neben dem Platz. Bist du überhaupt da?“ Klar ist er da, marschiert nach vorn und meint bescheiden wie er eben ist: „Bisschen dick aufgetragen, aber 80 Prozent wahr.“
Femerlings Pendant bei den Frauen: Martina Kehrenberg, die es auf 225 Länderspiele brachte. Kleiner Haken an der Preisverleihung: „Ein paar von den Bildern, die ihr gerade gesehen habt, zeigen meine Zwillingsschwester …“ Auch der beste Korbjäger der Liga wird noch geehrt: der aus Vancouver eingeflogene Deutsch-Kanadier Mike Jackel, Spitzname Mister Bundesliga. Marko Pešić erinnert sich: „In meinem ersten Profi-Jahr sollte ich ihn mal verteidigen, aber Mike hat mir in fünf Minuten 16 Punkte eingeschenkt.“
Fehlt noch der Preis für das Lebenswerk, der per Publikumswahl an Holger Geschwindner geht, den langjährigen Mentor von Dirk Nowitzki und Spielmacher der 72er-Mannschaft, an den sich Uli Hoeneß so erinnert: „Wenn uns nach dem Training langweilig war, sind wir donnerstags zu den USC-Spielen in die Dachauer Straße – und wenn der Holger keinen guten Tag hatte, haben sie nicht gewonnen.“
Den krönenden Abschluss besorgt dann Heiko Schaffartzik, der bunte Hund des deutschen Basketballs, mit einer gesungenen und getanzten Nummer, die den inoffiziellen Teil draußen an der Bar einläutete. Aber das ist eine andere Geschichte.





















