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Trauer um Dachauer Künstler Bruno Schachtner – Dachau | ABC-Z

Bruno Schachtner wirkte wie eine Heldenfigur aus einem Tucholsky-Roman: Schiebermütze, aufgekrempelte Hemdsärmel, Hosenträger. Ein Mann, der seine Ziele mit Einfallsreichtum, gewinnender Herzlichkeit und unerschütterlicher Überzeugung verfolgte. Gegen erbitterten Widerstand kämpfte er jahrzehntelang für einen offenen Umgang seiner Heimatstadt Dachau mit der Geschichte des Konzentrationslagers. Dass sich die Stadt heute selbst als internationaler „Lern- und Erinnerungsort“ versteht, ist nicht zuletzt sein Verdienst – und bei Weitem nicht sein einziges.

Geboren wurde Bruno Schachtner am 21. Februar 1941 in Dachau. Als Vierjähriger erlebte er, wie Fuhrwerke voller Leichen vom KZ zum Waldfriedhof fuhren – ein Bild, das ihn zeitlebens nicht mehr losließ. Erst recht nicht, nachdem er begriffen hatte, dass sein eigener Vater auf Seiten der Täter stand. Er war SS-Mann. Diese „Traumata“, wie er sie später nannte, wurden zum Antrieb für sein Lebenswerk.

Die Tafeln zum „Weg des Erinnerns“ hat er gestaltet

1959 begann er eine Lehre als Schriftsetzer beim Amper-Boten.  Doch Dachau war ihm zu eng, er wollte etwas von der Welt sehen. Fünf Jahre lebte er in der Schweiz. An der Zürcher Kunstgewerbeschule machte er eine Ausbildung zum Gestalter. Nebenbei wurde er auch noch Schweizer Juniorenmeister im Ringen. 1968 ging er für zwei Jahre nach Paraguay, wo er in der Hauptstadt Asunción Drucker-Lehrlinge ausbildete. Hier lernte er auch seine Frau Gisela kennen. Mit ihr kehrte er 1969 nach Deutschland zurück. Sie wurde zu seiner engen Weggefährtin im Engagement für Kunst und Bildung.

In den 1980er-Jahren prägte Bruno Schachtner die Dachauer Kulturszene maßgeblich: Er gab als Vorstandsmitglied der Künstlervereinigung Dachau neue Impulse und engagierte sich in der ersten Galerie für zeitgenössische Kunst in der Brunngartenstraße. Außerdem gründete er die „Gruppe D“ – einen Zusammenschluss lokaler Künstlerinnen und Künstler, die durch Ausstellungen im Ausland, unter anderem in Oświęcim (Auschwitz), internationale Brücken schlug, die noch heute tragen.

Als Grafikdesigner gestaltete Bruno Schachtner Bücher, die mehrfach auf der Liste der schönsten Deutschlands standen. Im öffentlichen Raum schuf er bleibende Zeichen, etwa die Tafeln zum „Weg des Erinnerns“, die der Transport-Route der KZ-Häftlinge folgt. 1996 zog er für das Bündnis für Dachau in den Stadtrat ein und wurde Kulturreferent. In nur zwei Jahren schuf er das Kulturamt, das heute jedes Jahr Tausende von Besuchern mit dem „Dachauer Musiksommer“ erfreut.

Vom Bundesverdienstkreuz bis zum Tassilo-Preis

Auch nach seinem Ausscheiden aus der Politik blieb Bruno Schachtner aktiv: 2006 gründete er mit anderen die Druckwerkstatt der Künstlervereinigung Dachau – ein lebendiger Ort für Kunst und Austausch, der 2012 mit dem Tassilo-Kulturpreis der Süddeutschen Zeitung ausgezeichnet wurde. 2011 wurde er in seiner Heimatstadt mit der Bürgermedaille ausgezeichnet und 2019 mit dem Bundesverdienstkreuz.

Nach dem Tod seiner geliebten Gisela zog sich Bruno Schachtner mehr und mehr aus der Öffentlichkeit zurück. Jetzt ist er wieder mit ihr vereint. Er wurde 84 Jahre alt.

Ein Trauergottesdienst für Bruno Schachtner findet am Donnerstag, 11. Dezember, um 14 Uhr in Heilig Kreuz statt.

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