Kultur

Volksfeste wie die Dippemess werden unterschätzt | ABC-Z

Wenn am Freitag nach der Eröffnung der Frühjahrs-Dippemess die Fahrgeschäfte Geschwindigkeit aufnehmen, das Riesenrad sich dreht und an Schießbuden geballert wird, dann wird bei den Betreibern der Stände große Erleichterung zu spüren sein. Die Zukunft des größten Frankfurter Volksfestes, das zweimal im Jahr stattfindet, ist gesichert – und damit ist es  auch die Zukunft der Frankfurter Schausteller. Als Nebeneffekt der nun offenkundig erfolgreich abgeschlossenen Suche nach einem Standort für den Neubau der Europäischen Schule gilt „Die Dippemess bleibt“, so wie es die Schausteller in ihrem öffentlichen Protest stets propagiert hatten. Der Festplatz wird weiter seinem Namen gerecht und steht auch künftig als städtischer Raum für Vergnügungen aller Art von den Volksfesten bis zu Zirkussen zur Verfügung.

Es ist eine gute Nachricht in einer Metropole wie Frankfurt, dass die Dippemess als verbindendes Ereignis über alle Schichten und Gruppen hinweg nicht an den Stadtrand gedrängt und in ihrer Existenz aufs Spiel gesetzt wird. Es gibt hinreichend gute Argumente von Sozialwissenschaftlern, die eine gemeinschaftsstiftende Kraft solcher Veranstaltungen hervorheben.

Volksfeste haben einen Wert, der angesichts der Diskussionen über Großprojekte wie den Neubau der Städtischen Bühnen in Frankfurt oder die geplante Multifunktionsarena in der öffentlichen Wahrnehmung oft unterschätzt wird. Vorurteilsbehaftet werden Dippemess, Wäldchestag oder andere Feste gerne abgetan als lässliche Ereignisse auf überschaubarem Niveau. Aber diese Arroganz verbietet sich. Auch jene, die den Rausch einer Fahrt in groß dimensionierten Schiffschaukeln und Überschlagfahrgeschäften oder eben nur Zuckerwatte und Kettenkarussell mögen, haben ein Recht darauf, das auszuleben in Gemeinschaft. Denn die ist die Basis für unsere demokratische Gesellschaft.

Volksfeste haben sich zudem Authentizität bewahrt. Sie sind noch erstaunlich frei von interaktivem und digitalem Erleben. Die Schausteller werben gerne mit dem Spruch, dass sich ein Volksfest nicht aufs Handy runterladen lasse. Ein Volksfest lässt sich zudem nicht einfach von einem Ort an einen anderen verlegen. Deshalb ist es gut, dass die Diskussion um die Zukunft der Dippemess beendet ist.

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