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Vingegaard – neues Programm für Giro- und Tour-Sieg | ABC-Z

Stand: 23.03.2026 • 08:31 Uhr

Jonas Vingegaard stellt sein Programm um, er startet in diesem Jahr beim Giro d’Italia und der Tour de France. Insgesamt bestreitet er nur vier Rennen in dieser Saison. Florian Lipowitz betrachtet er als einen seiner größten Konkurrenten.

Der Däne ist einer der besten Radprofis der Welt, er klettert herausragend in steilem Terrain und ist auch in den Zeitfahren eine Instanz. Diese Fähigkeiten haben ihn zu einem Rundfahrer der Extraklasse aufsteigen lassen. Zweimal gewann Vingegaard bereits die Tour de France, die größte Messe des Radsports, einmal die ebenfalls dreiwöchige Spanien-Rundfahrt, die Vuelta. 45 Siege sind bisher insgesamt zusammengekommen. Und doch war Vingegaard nach dem Abschluss der vergangenen Saison irritiert bis unzufrieden.

Zwar gewann er im Spätsommer 2025 die Vuelta, doch bei der Tour de France wurde er – chancenlos in Bezug auf den Gesamtsieg – zum dritten Mal Zweiter hinter dem souveränen Slowenen Tadej Pogacar. Er sei in der Vorbereitung zu sehr in starre Muster verfallen, immer dasselbe, wenig Rennen, viele Höhentrainingslager, zu lange getrennt von der Familie, seiner Frau und den beiden kleinen Kindern, deren Nähe er nicht missen will. Darunter habe seine Motivation gelitten, mental war das alles schwer für ihn zu verarbeiten: “Ich hätte einen Burnout bekommen, wenn ich mein Programm weiterhin so stur abgezogen hätte”, sagt er. Daraufhin machte sich Vingegaard intensive Gedanken über seine Zukunft auf dem Rad.

Die Tour-Rivalen Vingegaard (r.) und Pogacar bei der Frankreich-Rundfahrt 2025

Bessere Leistungsdaten bei der Vuelta

Das Ergebnis dieses Ideenbildungs-Prozesses war eine Neuorientierung. Vingegaard stellt sein Programm komplett um, er hat nun bereits in der ersten Jahreshälfte zwei große Ziele: den Sieg beim Giro d’Italia im Mai und den bei der Tour de France im Juli. Mit dem Ziel, 2026 beide Grands Tours, gemeint sind damit dreiwöchige Rundfahrten, bestreiten zu wollen, wurde er bei seinem Team vorstellig – und fand Unterstützung. “Unsere Coaches haben sich meine Leistungsdaten angesehen, um zu checken, ob die Giro-Teilnahme ein Problem für meine Tour-Ambitionen sein könnte. Das Ergebnis war positiv”, sagt Vingegaard. Es sei sogar so gewesen, dass er im Vorjahr nach der fordernden Frankreich-Rundfahrt “bei der Vuelta leistungsmäßig etwas besser war”. Diesen Effekt erhofft sich Vingegaard nun von einer erfolgreichen Giro-Teilnahme auch für die Tour.

Ich bin fest davon überzeugt, dass diese Kombination machbar ist – Siege beim Giro und der Tour.

Nachdem er grünes Licht von seinem Team für seine Pläne erhalten hatte, “hatte ich sofort mehr und neue Energie. Ich habe das Gefühl, dass auch meine Teamkollegen durch diesen Plan motivierter sind als zuvor.” Das anspruchsvolle Double aus Giro und Tour siegreich zu vollenden, galt nach 1998, als es Marco Pantani in der Hochdoping-Ära dieser Sportart gelang, als zu verwegen. Doch Pogacar widerlegte die Nicht-Machbarkeits-These, indem er 2024 beides gewann, Giro und Tour. Auch Vingegaard sagt: “Ich bin fest davon überzeugt, dass diese Kombination machbar ist – Siege beim Giro und der Tour.”

Vingegaard bei der Visma-Teampräsentation im Januar

Giro-Erfolg würde Grands-Tours-Serie komplettieren

Sollte Vingegaard der Giro-Triumph gelingen, wäre er der erste Fahrer seiner Generation, der alle drei Grands Tours in seiner Karriere gewonnen hat – Giro, Tour und Vuelta. Pogacar fehlt zu dieser Serie noch die Vuelta, die er womöglich in diesem Jahr angeht. Diesbezüglich hatte sich Pogacar zuletzt nur sehr diffus geäußert. “Mir geht es gar nicht darum, Tadej irgendwie abzuhängen, sondern um meine Karriere. Ich bin nun auch schon 29 Jahre alt, ich kann nicht mehr zehn Jahre warten, um meine Träume zu verwirklichen”, sagt Vingegaard.

Ein solches Programm fordert gleichzeitig viel Verzicht, Vingegaard zeigt sich daher in diesem Jahr nur bei vier Rennen: “Dennoch komme ich durch die Grands Tours auf 60 Renntage. Das ist viel.” Seinen Saisoneinstand wollte Vingegaard eigentlich bei der UAE-Tour im Februar geben, doch ein Trainingssturz und ein Infekt zwangen ihn zum Umdenken. Stattdessen startete er zuletzt Mitte März bei Paris-Nizza – und wie: Zwei Etappensiege in schweren, anspruchsvollen und von Kälte geprägten, bergigen Etappen sowie der Gesamtsieg illustrieren seine herausragende Form. Ab Montag zeigt sich Vingegaard bei der Katalonien-Rundfahrt, die eine Woche andauert. Dabei trifft er auch auf Florian Lipowitz und Remco Evenepoel, die erstmals gemeinsam für Red Bull-Bora-hansgrohe starten und das Prinzip Doppelspitze testen wollen.

Vingegaard betrachtet Lipowitz als einen der Tour-Favoriten

Von Lipowitz hält Vingegaard im Übrigen viel: “Er ist natürlich ein Rivale und ein sehr starker Fahrer. Ich betrachte ihn auf jeden Fall als einen der Tour-Favoriten. Er lässt nie nach und gibt niemals auf. Das ist beeindruckend.”

Vingegaard (l.) und Lipowitz bei der Tour de France 2025

Nach dem Renn-Ausflug nach Katalonien folgt für Vingegaard ein Trainingsblock in der Höhe und dann am 8. Mai der Giro-Start im bulgarischen Nessebar. Auch das ist ein Novum – erstmals startet eine Grand Tour auf dem Balkan. Der Giro endet am 31. Mai in Rom, anschließend bleiben Vingegaard noch knapp fünf Wochen zur Regeneration und Vorbereitung auf den Tour-Start am 4. Juli in Barcelona.

Für die Zeit nach der Frankreich-Rundfahrt will sich Vingegaard offenhalten, ob er vielleicht doch noch eine Zugabe gibt, bei den Weltmeisterschaften auf schwerem Terrain in Montreal zum Beispiel, das Profi-Rennen steigt am 27. September. Im Vorjahr jedoch machte Vingegaard schlechte Erfahrungen mit dem Versuch, in einem Eintagesevent überzeugen zu wollen. Das Rennen um die Europameisterschaft am 5. Oktober in der hügeligen französischen Ardèche-Region musste er formschwach aufgeben. Es gewann Pogacar, der den Wechsel zwischen Rundfahrten und Eintagesrennen perfekt beherrscht.

Weiterhin Verzicht auf die Klassiker

Einen Klassiker bestritt er zuletzt 2022, es war die Lombardei-Rundfahrt, er beendete sie auf Platz 16. Auch dort gewann: Pogacar. Insgesamt stand Vingegaard erst bei sechs Monumenten am Start, dreimal fuhr er in der Lombardei, dreimal bei Lüttich-Bastogne-Lüttich – und zweimal stieg er vor dem Ziel aus. Rang 14 bei der Lombardei-Rundfahrt 2021 war sein bestes Ergebnis. Dass Vingegaard diese wichtigen Termine auslässt, wird ihm in der Radsport-Szene als Malus ausgelegt, vor allem im Vergleich zu Pogacar schneidet er diesbezüglich sehr schlecht ab. Der Slowene gewann bereits elf Monumente. Doch Vingegaard reagiert gelassen auf solche Kritik. Sein vorrangiges Ziel seien die Grands Tours, “obendrein möchte ich so viele einwöchige Rundfahrten wie möglich gewinnen”. Bei Paris-Nizza ist es ihm nun gelungen, Tirreno-Adriatico hat er auch bereits für sich entschieden, zudem die Algarve-, die Basken- und die Polen-Rundfahrt, alles World-Tour-Rennen.

Die Katalonien-Rundfahrt fehlt noch in dieser Serie. Vingegaard geht ab Montag als großer Favorit an den Start. Vor ihm, Lipowitz und Evenepoel liegt eine harte Woche. Drei der sieben Etappen – die Teilstücke vier, fünf und sechs – enden im Hochgebirge als Bergankunft, zwei davon jenseits der 2.000-Meter-Marke. Das ist Vingegaard-Terrain.

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