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Verhütungsmittel: Welche Verhütungsmethoden sind sicher? | ABC-Z

Stand: 12.02.2026 12:28 Uhr
| vom

Die Auswahl der Verhütungsmittel ist groß: Es gibt Produkte mit oder ohne Hormone. Die meisten sind für die Frau, nur wenige für den Mann. Welche Verhütungsmittel gibt es? Welche sind am sichersten?

von Anna Corves

Verhütung ist längst mehr als eine medizinische Frage. Sie berührt Themen wie Selbstbestimmung, Gleichberechtigung und Gesundheitsbewusstsein. Galt die Pille über Jahrzehnte als nahezu selbstverständliche Lösung, ist heute der Wunsch nach Alternativen groß – möglichst ohne Hormone, mit weniger Nebenwirkungen und dennoch zuverlässig.

Pearl-Index: Wie sicher sind Verhütungsmittel?

Indikator für die Zuverlässigkeit ist der so genannte Pearl-Index. Er misst letztlich die Fehlerrate eines Verhütungsmittels: Wie viele von 100 Frauen wurden innerhalb eines Jahres schwanger, obwohl sie das Verhütungsmittel nutzten? So bedeutet beispielsweise ein Pearl-Index von 1, dass eine von 100 Frauen binnen eines Jahres ungewollt schwanger wurde. Je niedriger der Index, desto sicherer ist die Methode.

Wichtig ist der Unterschied zwischen Theorie und Praxis: Viele Verhütungsmethoden haben einen sehr guten Pearl-Index bei perfekter Anwendung, werden aber im echten Leben weniger zuverlässig genutzt. Außerdem beeinträchtigen Erkrankungen die Wirkung, etwa Durchfall bei der Pille.

Verhütungsmittel: Hormonpräparate für die Frau

Hormonelle Verhütungsmittel gehören nach wie vor zu den sichersten Methoden.
Zu ihnen gehören:

  • Antibabypille
  • Hormonspirale
  • Verhütungsring
  • Verhütungspflaster
  • Hormonstäbchen (Verhütungsstäbchen)
  • Dreimonatsspritze

Alle diese Verhütungsmethoden greifen in den Zyklus ein – indem sie etwa den Eisprung unterdrücken oder den Schleim im Gebärmutterhals für Spermien undurchlässiger machen.

Zu den meistgenutzten hormonellen Verhütungsmitteln gehört die Antibabypille. Es gibt Kombinationspräparate mit den Hormonen Östrogen und Gestagen sowie reine Gestagenpillen (Minipillen). Letztere gelten für viele Frauen als besser verträglich, da sie ein geringeres Thromboserisiko aufweisen können. Der Pearl-Index der Pille liegt zwischen 0,1 und 0,9 – sie ist also sehr sicher, zumindest bei perfekter Einnahme. Ein für viele Frauen angenehmer Nebeneffekt: Der Zyklus lässt sich gut timen, Blutungen werden oft schwächer und weniger schmerzhaft.

Frauenhände vor einem rosa Hintergrund. Sie halten ein Blister Antibabypille.

Die Pille gehört zu den sichersten Verhütungsmitteln. Wie wirkt sie und welche Nebenwirkungen können auftreten?

Verhütungspflaster und Hormonring

Alternative Verhütungsmittel mit vergleichbarer Sicherheit sind das Verhütungspflaster und der Hormonring (auch: Verhütungsring, Vaginalring). Der Ring wird in die Scheide eingesetzt, das Pflaster auf die Haut geklebt. Beide Verhütungsmittel geben die Hormone Östrogen und Gestagen kontinuierlich ab – so können Einnahmefehler vermieden werden. Das Verhütungspflaster wird wöchentlich gewechselt. Mögliche Nebenwirkung: Es kann zu Hautreizungen an der Klebestelle kommen. Der Vaginalring muss nur monatlich gewechselt werden, wird von manchen Frauen aber als unangenehm empfunden.

Hormonspirale und Hormonstäbchen: Besonders sichere Verhütungsmittel

Eine Sonderstellung nimmt die Hormonspirale ein. Sie wird in die Gebärmutter eingesetzt und setzt dort lokal Gestagen frei. Zu den größten Vorteilen zählt, dass die Spirale über mehrere Jahre wirkt, starke Regelbeschwerden teilweise lindern kann und zu den sichersten Verhütungsmethoden überhaupt gehört. Allerdings ist das Einsetzen mit einem ärztlichen Eingriff verbunden und insbesondere zu Beginn kann es zu unregelmäßigen Blutungen kommen.

Ebenfalls als sehr sicher gelten Hormonstäbchen, die unter die Haut im Oberarm eingesetzt werden, sowie die so genannte Dreimonatsspritze, die in den Muskel gespritzt wird. Beide geben ausschließlich das Hormon Gestagen ab. Vorteil ist auch hier, dass die Frauen im Alltag keinen Aufwand haben und der Pearl-Index sehr niedrig ist (oft unter 0,5). Nachteil: Der Zyklus kann unregelmäßig werden und bei der Spritze kann im Fall einer Unverträglichkeit nicht kurzfristig reagiert werden.

Verhütung mit Hormonen in der Kritik

Trotz ihrer hohen Sicherheit stehen hormonelle Verhütungsmethoden zunehmend in der Kritik. Mögliche Nebenwirkungen reichen von Übelkeit, Kopfschmerzen und Brustspannen bis hin zu Stimmungsschwankungen oder Libidoverlust. Selten, aber medizinisch relevant ist ein erhöhtes Risiko für Thrombosen, insbesondere bei Präparaten, die das Hormon Östrogen nutzen.

Verhütungsmittel ohne Hormone für die Frau

Der Markt für Verhütungsmethoden ohne Nutzung von Hormonen ist in den letzten Jahren gewachsen. Besonders gefragt bei Frauen sind Verhütungsmittel, die auf Kupfer setzen: Kupferspiralen oder Kupferketten. Weitere hormonfreie Verhütungsmittel sind: Diaphragma und Portiokappe.

Kupferspiralen oder Kupferketten werden in die Gebärmutter eingesetzt und geben dort Kupferionen ab, die Spermien in ihrer Beweglichkeit und Befruchtungsfähigkeit stören. Kupferspiralen oder Kupferketten müssen per ärztlichem Eingriff eingesetzt werden. Kupferspiralen verhüten für zwei bis fünf Jahre, Kupferketten sogar bis zu zehn Jahren.

Selten kann es zu Komplikationen kommen, wie einem Verrutschen oder Durchstoßen der Gebärmutterwand. Auf dem Pearl-Index stehen sie etwa so sicher da wie viele hormonelle Verhütungsmittel – allerdings berichten viele nutzende Frauen von stärkeren oder schmerzhafteren Regelblutungen.

Hormonfreies Diaphragma und Portiokappe zur Verhütung

Die hormonfreien Verhütungsmittel Diaphragma und Portiokappe verhindern Schwangerschaften durch eine Barrierefunktion. Sie werden vor dem Sex in die Scheide eingesetzt und bedecken den Muttermund. Häufig werden sie zusammen mit einem Spermizid (Samenzellen abtötende Cremes oder Gele) verwendet.

Vorteil: Diese Verhütungsmittel sind nur bei Bedarf im Körper. Nachteil: Sie richtig einzusetzen erfordert viel Übung und einen gewissen Aufwand. Die Sicherheit ist sehr abhängig von der richtigen Anwendung: Der Pearl-Index liegt zwischen 1 und 20.

Natürliche Verhütungsmethoden: Timing, Körpertemperatur, Zyklus-Apps

Natürliche verhütungsmethoden reichen von klassischem “Kalenderrechnen”, um fruchtbare und unfruchtbare Tage zu ermitteln, bis zur “symptothermalen Methode” (STM oder auch NFP abgekürzt), bei der täglich die Körpertemperatur gemessen und die Konsistenz des Zervixschleims beobachtet wird, oft ergänzt durch Zyklus-Apps.

Wird diese symptothermale Methode absolut sorgfältig angewandt, liegt ihr Pearl-Index-Wert bei 0,4 bis 2. Allerdings kommt es schnell zu Ungenauigkeiten und damit höherer Unsicherheit. Das reine Kalenderrechnen gilt als eher unsichere Methode mit zweistelligem Pearl-Index.

Vorteil der natürlichen Verhütung ist der Verzicht auf zugeführte Hormone und eine erhöhte Aufmerksamkeit für den eigenen Körper. Allerdings erfordern diese Verhütungsmethoden tägliche Mitarbeit, Disziplin und einen regelmäßigen Lebensrhythmus. Bei einem unregelmäßigen Rhythmus oder Lifestyle sind diese Methoden schlechter geeignet.

Verhütungsmittel für den Mann: Kondome, Vasektomie, Forschung

Für Männer ist die Auswahl an Verhütungsmitteln deutlich überschaubarer – im Prinzip können sie Kondome nutzen oder sich sterilisieren lassen.

Zwar befinden sich verschiedene Ansätze in der Forschung, zum Beispiel:

  • Testosteronspritzen oder Testosteronpillen (Pille für den Mann), die die Spermienproduktion hemmen
  • Ein hormonfreies Gel, das die Samenleiter verschließt

Allerdings befinden sich all diese Verhütungsmethoden für Männer noch in der Testphase.

Daher ist nach wie vor das Kondom das Männer-Verhütungsmittel Nummer Eins. Bei perfekter Anwendung liegt sein Pearl-Index bei etwa 2 – im Alltag aber eher höher, weil Kondome reißen, abrutschen oder falsch verwendet werden können.

Manche Männer und Frauen berichten, dass sie den Sex mit Kondom weniger intensiv empfinden, selten liegen auch Latexallergien vor. Der entscheidende Vorteil von Kondomen: Es ist die einzige Verhütungsmethode, die auch vor sexuell-übertragbaren Infektionen wie HIV schützt. Außerdem sind Kondome rezeptfrei erhältlich.

Ein radikalerer Ansatz zur Verhütung ist die Vasektomie, also die Sterilisation des Mannes. Dafür werden die Samenleiter durchtrennt oder blockiert, so dass keine Spermien mehr in die Samenflüssigkeit gelangen. Dabei handelt es sich um einen ambulanten ärztlichen Eingriff, der dauerhaft einen großen Schutz vor Schwangerschaften bietet (Pearl-Index meist unter 0,1). Allerdings sollte sich der Mann sicher sein, wirklich keine Kinder mehr zeugen zu wollen, denn eine Vasektomie ist nur schwer bis gar nicht rückgängig zu machen.

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Verhütungsmittel müssen meist selbst bezahlt werden

Kondome sind grundsätzlich privat zu zahlen. Die meisten Verhütungsmittel für die Frau (wie Pille oder Spirale) sind verschreibungspflichtig. Liegt ein Rezept vor, übernehmen in der Regel bis zum 22. Geburtstag die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten (teils mit Zuzahlung). Danach müssen die meisten Verhütungsmittel selbst bezahlt werden. Bei privaten Krankenkassen hängt die Kostenübernahme vom jeweiligen Tarif ab. Eine Vasektomie ist eine Selbstzahlerleistung und kostet zwischen 400 und 700 Euro.

Was ist die beste Verhütungsmethode?

Die beste Verhütungsmethode für alle gibt es nicht. Entscheidend ist die individuelle Lebenssituation: Hat die Person wechselnde Sexualpartner beziehungsweise Sexualpartnerinnen? Wie häufig ist Sex? Liegen Vorerkrankungen vor, wie Bluthochdruck oder eine familiäre Vorbelastung im Hinblick auf Thrombosen? Wie abgeschlossen ist die Familienplanung?

Moderne Verhütung bedeutet, zwischen Sicherheit, Nebenwirkungen der Verhütungsmittel und Lebensrealität abzuwägen. Je besser die Information, desto selbstbestimmter die Entscheidung. Wichtig ist, eine Lösung zu finden, mit der sich beide Partner wohlfühlen. Helfen kann dabei ein ausführliches Gespräch in der gynäkologischen Praxis oder in einer Beratungsstelle.

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