USA bitten Ukraine um Hilfe im Kampf gegen iranische Drohnen | ABC-Z

Über Jahre haben die USA die Ukraine im Abwehrkampf gegen Russland unterstützt – mit Waffen, Geld und militärischem Wissen. Doch mit dem Beginn des Iran-Kriegs sind plötzlich die Rollen vertauscht. Denn zumindest im Fall der vom Iran massenhaft eingesetzten Shahed-Drohnen könnten die Ukrainer nun den US-Amerikanern etwas beibringen. Mit den Kamikaze-Drohnen, die gerade die Emirate, Katar oder Saudi-Arabien terrorisieren, haben sie reichlich Erfahrung. Nach Angaben Kiews hat die US-Regierung nun die Ukraine um Unterstützung bei der Abwehr der Drohnen gebeten.
„Wir haben eine Anfrage der Vereinigten Staaten erhalten, im Nahen Osten spezifische Unterstützung zum Schutz vor Shahed zu leisten“, schrieb der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am Donnerstag im Onlinedienst X mit Blick auf die Kampfdrohnen aus iranischer Produktion. Er habe angeordnet, dafür „die notwendigen Mittel“ und „ukrainische Spezialisten“ zur Verfügung zu stellen.
„Die Ukraine hilft den Partnern, die uns dabei helfen, unsere Sicherheit zu gewährleisten und das Leben unserer Bürger zu –schützen“, fügte Selenskyj hinzu – und schlägt einen Tausch vor. Für Luftabwehrraketen könnte Kiew eine Reihe günstiger und effektiver Abfangdrohnen an die USA liefern. Kiew braucht die Raketen wohl für den Abschuss der zahlreichen Marschflugkörper und Raketen Russlands.
Iranische Shahed: Drohnenschwärme überfordern Luftabwehr – und sorgen für Terror
Die Ukraine verfügt über umfangreiche Erfahrung mit der „HESA Shahed 136“-Drohne, wie die Langstreckenvariante der Shahed-Drohne offiziell heißt. Mit geschätzten 50.000 US-Dollar Produktionskosten trägt die verhältnismäßig günstige Drohne unter Verteidigungsexperten auch den Spitznamen „Marschflugkörper für den kleinen Mann“. Über eine Reichweite von bis zu 2500 Kilometern kann die Shahed 136 einen 30 bis 50 Kilogramm schweren Sprengkopf an ihr Ziel tragen.
Die eigentliche Stärke der Shahed liegt allerdings in ihrer Masse. In einem Hunderte Drohnen zählenden Schwarm kann ein Angriff selbst eine ausgefeilte Luftabwehr überfordern und Schaden anrichten. Vor allem der psychologische Effekt der lauten Drohnen ist beträchtlich. Wie der britische „Guardian“ berichtet, seien von den geschätzt 1000 auf Ziele wie Dubai, Kuwait oder Katar abgefeuerten Drohnen ein Großteil vom Typ Shahed gewesen.
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Ein virales Video aus dem Golfstaat Bahrain soll den Einschlag einer v-förmigen Shahed-Drohne in ein Hochhaus zeigen: Die laut brummende Kamikaze-Drohne schlägt nur ein paar Stockwerke über der filmenden Person ein. Auf einem anderen Video aus dem Land ist zu sehen, wie eine mutmaßliche Shahed-Drohne in eine Radaranlage einschlägt. Auch der britische Militärstützpunkt auf Zypern ist in der Nacht zum Montag wohl von Drohnen vom Typ Shahed angegriffen worden. Die Drohnen könnten aus dem Libanon gestartet worden sein.
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Russland stellt eigene Shahed-Variante her – die noch gefährlicher sein könnte
Informationen des US-Militärs zufolge ähnelt der Aufbau der 3,5 Meter langen Shahed eher einem Flugzeug als den flinken Drohnen, die direkt über der Front der Ukraine eingesetzt werden. Ein Heckpropeller beschleunigt die Shahed 136 auf 185 km/h – die damit deutlich langsamer als Raketen oder Marschflugkörper ist. Sie fliegen oftmals auf komplexen, programmierten Flugrouten und bewegen sich tief über dem Boden, um der Radarerfassung zu entgehen.

Die Shahed-Drohnen sind deutlich günstiger als die teilweise Millionen Dollar teuren Abwehrraketen der USA.
© DPA
Gegen die Ukraine werden mittlerweile von Russland selbst produzierte Shahed-Drohnen eingesetzt, die dort Geran–Drohnen heißen. Eine kleinere Variante, Gerbera, wurde inzwischen ebenfalls entwickelt. Nach anfänglichem Export der Shahed überließ der Iran Moskau das Design, das eine eigene Fabrik für die Kamikaze-Drohnen baute. Selbst das US-Militär räumte jüngst ein, die Drohnen als Vorbild zur Entwicklung eigener, fortschrittlicherer Modelle genutzt zu haben.
Laut dem EU-Thinktank CEPA wurden die Drohnen im Ukraine-Krieg mit technischen Verbesserungen ausgerüstet. So soll es inzwischen möglich sein, sie durch eine Kamera fernzusteuern, was sie unberechenbarer macht. Außerdem sollen neue störungsresistente Antennen und Navigationssysteme die Drohnen gegen elektronische Abwehrmaßnahmen besser schützen. Größere Sprengköpfe sorgen für eine größere Durchschlagskraft. Ob der Iran die Änderungen übernommen hat, ist bisher nicht bekannt.
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Iran könnte Hunderte Drohnen in einer Woche produzieren
Russland greift oftmals mit Hunderten Shahed-Drohnen und einer kleineren Zahl von Raketen oder Marschflugkörpern gleichzeitig an, um die ukrainische Luftabwehr zu überwältigen. Dort zielen sie auf kritische Infrastruktur wie Strom- oder Gasanlagen. Auch setzt Russland vermehrt auf Köderdrohnen, die keinen Sprengstoff tragen, aber Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Eine ähnliche Strategie verfolgt möglicherweise der Iran, der weiterhin wohl viele ballistische Raketen zurückhält und warten könnte, bis sich Luftabwehrraketen der angegriffenen Länder erschöpfen.
Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
Hinter den Kulissen der Politik – meinungsstark, exklusiv, relevant.
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Dass dem Iran nach den zahlreichen Luftschlägen gegen Militärbasen des Mullah-Regimes die Drohnen ausgehen, ist unwahrscheinlich. Der Iran soll über große Vorräte verfügen und ist möglicherweise in der Lage, jede Woche Hunderte weitere Drohnen herzustellen, wie Militärexperten der Zeitung „The National“ mitteilten. Geleakte russische Dokumente bescheinigen Teheran die Fähigkeit, monatlich rund 5000 Drohnen produzieren zu können.
mit dpa/afp





















