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Unterföhring kann mit mehr als einer halben Milliarde rechnen – Landkreis München | ABC-Z

In Unterföhring klingelt die Kasse. Die Gemeinde nördlich von München mit ihren knapp 12 000 Einwohnern hat soeben einen Rekordhaushalt beschlossen: Mehr als eine halbe Milliarde Euro beträgt das Budget, das Gemeinderat und Rathaus um den amtierenden Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer (Parteifreie Wählerschaft Unterföhring) für das laufende Jahr 2026 zu verwalten haben. Das ist mehr als andere Kommunen vergleichbarer Größe in zehn Jahren aufwenden.

Damit dürfte sich Unterföhring an die Spitze jener Statistiken katapultieren, die die reichsten Kommunen in Deutschland auflisten. Selbst die als Steueroase bekannte Gemeinde Grünwald kann da nicht mithalten; der bei Prominenten beliebte Wohnort kalkuliert für dieses Jahr wohl mit Einnahmen und Ausgaben von „lediglich“ etwa 315 Millionen Euro.

Grund für den Rekordhaushalt ist ein unverhoffter Geldsegen aus der Gewerbesteuer. Ende November wurde bekannt, dass Unterföhring – unter anderem Sitz des Allianz-Campus sowie der Medienkonzerne ProSieben-Sat1 und Sky – Anfang 2026 mit einer Gewerbesteuernachzahlung von gut 160 Millionen Euro rechnen darf: ein Betrag, von dem andere Kommunen nur träumen. Offensichtlich liefen und laufen die Geschäfte eines oder mehrerer in Unterföhring ansässiger Unternehmen nachhaltig gut, denn auch die Vorauszahlungen für die Folgejahre wurden deutlich nach oben korrigiert. Von welchem oder welchen Unternehmen die Nachzahlung erfolgt, teilt die Gemeinde wegen des Steuergeheimnisses nicht mit.

Diese Nachricht stellte die gesamte Finanzplanung der Gemeinde auf den Kopf. Denn die wirtschaftlichen und weltpolitischen Einbrüche der vergangenen Jahre hatten auch die Mediengemeinde getroffen. Seit 2023 waren die traditionell hohen Gewerbesteuereinnahmen deutlich gesunken. Für 2025 hatte Unterföhring lediglich mit 50 Millionen Euro Steuereinnahmen von ihren Unternehmen kalkuliert.  Die Kommunalpolitiker hatten bereits den Rotstift angesetzt und insbesondere ihre Bauvorhaben deutlich eingeschränkt. So wird Unterföhring nicht wie geplant ein neues Rathaus bauen, sondern lediglich den Bestandsbau sanieren. Dabei ging die Gemeinde davon aus, bald sogar Schulden machen zu müssen.

Der Spardruck hat alle etwas geerdet

Das ist jetzt freilich vom Tisch. Unterföhring kann vielmehr Millionen in seine Rücklage stecken, die Ende 2026 auf knapp 268 Millionen anwachsen soll. Gleichwohl wird der Geldsegen nichts an den getroffenen Sparentscheidungen ändern, betonte Bürgermeister Kemmelmeyer in der Haushaltssitzung; man spreche über ein „wirklich außergewöhnliches Jahr“.

Einen solchen Überraschungsgewinn dürfte es wahrlich so schnell nicht noch einmal geben. Für die Folgejahre weist der Finanzplan der Kommune wieder deutlich niedrigere Summen aus, auch wenn sich diese immer noch auf einem sehr hohen Niveau bewegen. Erfreulich für Unterföhrings Einwohnerschaft: Die Kitas bleiben gebührenfrei für Eltern und für Einsätze der Freiwilligen Feuerwehr wird weiterhin kein Kostenersatz fällig.

Die Kommunalpolitiker möchten neben der Freude über den Geldsegen einen weiteren positiven Effekt aus der eher mageren Episode mitnehmen: Der Spardruck, sagt Bürgermeister Kemmelmeyer, habe sie alle auch wieder etwas geerdet. Nicht zuletzt bringen die hohen Einnahmen Verpflichtungen mit sich: In zwei Jahren schlägt die Rekordgewerbesteuer bei der Umlage an den Landkreis München zu Buche. Dann muss Unterföhring voraussichtlich 123 Millionen Euro abgeben.

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