Unter Auflagen: Berlinale-Chefin darf weitermachen | ABC-Z

Berlin – Berlinale-Chefin Tricia Tuttle (56) darf doch ihren Posten behalten. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (61) hatte ihren Vertrag (noch 3 Jahre) eigentlich auflösen wollen. Grund: Die Antisemitismus-Entgleisungen der Berlinale. Nun die Wende: Nach B.Z.-Informationen aus dem Kulturausschuss des Bundestages fand man bei den Trennungsmodalitäten keine Einigung (Fristen, Geld). Zudem hatte Tuttle prominente Unterstützung von Stars der Szene erhalten.
Nun bleibt Tuttle – stimmte aber Änderungen und Auflagen zu: Sie bekomme einen Beirat an die Seite, dem Festival und seinen Teilnehmern werde ein Verhaltenskodex („Code of conduct“) verpasst, hieß es gegenüber B.Z. aus dem Bundestag. Zum Kodex gehört demnach auch ein für alle Teilnehmer geltendes Antisemitismus-Tabu. Zudem solle wieder mehr Hollywood nach Berlin gelockt werden. Das habe zuletzt einen Bogen um die Hauptstadt gemacht.
Vor allem aus der CDU waren Forderungen gekommen, die Berlinale grundlegend zu reformieren. Die Kulturexpertin der CDU im Bundestag, Ellen Demuth (43), sagte in der Vorwoche zu B.Z.: „So geht es mit der Berlinale auf keinen Fall weiter. Deutschlands wichtigste Filmfestspiele müssen grundlegend neu aufgestellt werden. Intensive Beratungen darüber im Aufsichtsrat sind richtig. Am Ende der Beratungen muss aber eine Ablösung von Tricia Tuttle als Intendantin der Berlinale stehen.“
Der Berlinale-Skandal
Ausgezeichnet worden war am Wochenende als „Bester Erstlingsfilm“ auf der Berlinale das Werk „Chronicles from the Siege“ des palästinensischen Aktivisten Abdallah Alkhatib (37). Und der hatte statt einer Dankes- eine Hassrede gegen Israel und Deutschland gehalten – ungestört auf offener Bühne, mit Pali-Tuch und Pali-Fahne.
Problematisch für Tuttle ist nicht nur der Antisemitismus-Eklat auf der Preisverleihung, sondern auch, dass sie mit der Filmcrew eine Woche zuvor schon mit Palästinenser-Fahne und Pali-Tüchern posiert hatte.
Als bekannt geworden war, dass Weimer eine Trennung von Tuttle als Festspiel-Intendantin wolle und diese selbst auch einem Ende ihres Engagements zustimmen wollte, kam eine Welle der Empörung aus der deutschen Filmszene. In einem Brief beklagten TV-Star Iris Berben (75), Filmemacher İlker Çatak (42), die Regisseure Volker Schlöndorff (86) und Wim Wenders (80) sowie die Präsidentin der Deutschen Filmakademie, die Schauspielerin Vicky Krieps (42) den Umgang mit Tuttle.
Pikant: Nachdem Künstler wiederholt bei dem – staatlich finanzierten – Festival auf offener Bühne israelfeindliche Propaganda und Judenhass verbreiteten, warnte die deutsche Film-Elite: „Kultur darf nicht zum Spielball politischer Auseinandersetzungen werden.“ Den Finanziers und KBB-Chefs warfen sie einen „Versuch der Einmischung“ vor.
Tuttle sagte nun der „dpa“, sie wolle die „Arbeit in vollem Vertrauen und mit institutioneller Unabhängigkeit fortsetzen“. Am Mittwoch tagt der zuständige Aufsichtsrat der zuständigen Kulturveranstaltungen des Bundes in Berlin GmbH (KBB). Auch Tuttle soll bei den Gesprächen anwesend sein.





















