Ultrafeinstaub am Flughafen München: Bürgerverein und Grüne fordern mehr Messstellen – Freising | ABC-Z

Seit mittlerweile zehn Jahren warnt der Bürgerverein Freising vor den Gesundheitsgefahren durch ultrafeine Partikel (UFP) im Flughafenumland und misst die Luftbelastung – mit teils erschreckenden Ergebnissen. Anfangs nahm die Politik die Messreihen nicht ernst, inzwischen steigt die Aufmerksamkeit für das Thema. Einen Grenzwert aber gibt es noch immer nicht. Johannes Becher, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Grünen im Landtag, nennt das „Verantwortungsverweigerung“. Ebenso wie der Bürgerverein fordern die Grünen, die Messungen auszuweiten – auch am Airport selbst – und den Flughafenbetreibern Druck zu machen, die Belastung zu verringern. Möglichkeiten dazu gäbe es, sagte Becher.
Zumindest so etwas wie ein Richtwert existiert inzwischen. In den überarbeiteten Luftgüteleitlinien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) steht schwarz auf weiß, dass die Überschreitung eines Tagesmittelwerts von 10 000 ultrafeinen Partikeln pro Kubikzentimeter als hoch einzuschätzen sei. Rund um den Flughafen sind solche Werte keine Seltenheit, wie der Bürgerverein seit Jahren belegt. Erstmals werden in der 2024 erlassenen WHO-Leitlinie Messungen ultrafeiner Partikel (UFP) verbindlich vorgeschrieben.
Die 10 000er-Grenze werde in Freising immer dann überschritten, wenn der Wind aus Richtung Flughafen kommt, erklärt Wolfgang Herrmann, Vorsitzender des Bürgervereins. In Freising sei dies an 33 Prozent der Tage der Fall, in Hallbergmoos an 30. „Das ist schon erheblich.“ Bei einem Pressegespräch in Freising stellten Becher und Herrmann vor, was aus ihrer Sicht geschehen muss, um Anwohner und Beschäftigte besser zu schützen.
Seit 2021 gibt es zwei offizielle UFP-Messstellen der Universität Bayreuth, eine bei der Stadtgärtnerei in Freising, die andere am Volksfestplatz in Hallbergmoos. Beide liegen nach Ansicht der Kritiker nicht optimal, weil sie sich seitlich des Flughafens befinden. Um die WHO-Luftgüteleitlinie umzusetzen, soll Ende 2026 ein Standort in Eitting hinzukommen. Dort befindet sich, acht Kilometer vom Flughafen entfernt, das nächstgelegene Wohngebiet in der Hauptwindrichtung im Lee – also dort, wohin der Wind weht. Eine weitere Messstelle sei gemäß den Vorgaben der WHO im Luv notwendig, das wäre in Achering. Das ignoriere die Staatsregierung bisher, monierte Becher.
Ebenso wie der Bürgerverein setzt er sich zudem für Messungen im Zentrum des Flughafens ein. Eine weitere Forderung ist, dass die Erhebungen sowohl in Freising als auch in Hallbergmoos fortgesetzt werden. Die Wissenschaftler aus Bayreuth schließen ihr Projekt Ende 2026 ab. Durch das Landesamt für Umwelt soll nur die Messstelle Freising weiterbetrieben werden. Die Messreihe in Hallbergmoos sollte jedoch nicht abgebrochen werden, um eine breite Datengrundlage zu haben, sagte Herrmann. Einen entsprechenden Antrag hat die Grünen-Fraktion im Landtag eingereicht.

:Umweltschützer „schockiert“ über Ultrafeinstaub-Werte am Flughafen
An fast allen Tagen lägen diese deutlich über dem Richtwert der Weltgesundheitsorganisation WHO. Forderungen, mehr zum Schutz der Beschäftigten zu unternehmen und die Kita „Airporthopser“ zu verlegen, werden laut. Der Flughafen München bezweifelt die Messung.
Hauptquelle für ultrafeine Partikel an Flughäfen sind laut Umweltbundesamt die Turbinenabgase. Schwefelarmes Kerosin könnte dabei helfen, die Belastung zu verringern, es ist allerdings teurer. Die Grünen fordern deshalb in einem weiteren Antrag ein Anreizprogramm für die Nutzung von schwefelarmem Kerosin. Wenn der Flughafen in seiner Broschüre zur Luftgüte schreibt, „die Luftqualität am Flughafen und in seiner Nachbarschaft ist gut“, werde dies der Situation nicht gerecht, kritisierte Herrmann. Er macht noch eine andere Rechnung auf. Zwar koste schwefelarmes Kerosin mehr, dafür sinke der Verbrauch. „Das wäre für die Airlines ein Null-Summen-Spiel.“

„Die Gesundheit der Menschen kann nicht am Geld scheitern“, betonte Becher. Die Flughafen München GmbH (FMG) sei zu 100 Prozent in öffentlicher Hand, Hauptanteilseigner ist mit 51 Prozent die Staatsregierung. Andere Flughäfen hätten bereits reagiert. Der Airport Schiphol in Amsterdam verteile Atemschutzmasken an Beschäftigte, die im Freien arbeiten. In der Feuerwache seien Luftvorhänge mit Elektrofiltern installiert worden, schilderte Wolfgang Herrmann. Auf dem Flughafen in Kopenhagen dürfen Flugzeuge nur mit einem Motor rollen.
Die Grünen verweisen auf die hohen Krankheitsquoten an Flughäfen. Dies lege die Vermutung nahe, dass die UFP-Belastung ein relevanter Faktor dafür sei, dazu müsse weiter geforscht werden. Der Bürgerverein habe mit seinen Geräten in Büros im Frachtgebäude 35 000 bis 40 000 Partikel pro Kubikzentimeter gemessen, erläuterte Herrmann. Deshalb sei eine Messstelle im Zentrum des Flughafens dringend erforderlich. Am Airport arbeiten etwa 40 000 Beschäftigte, zudem gibt es dort eine Kindertagesstätte. Das Beispiel Schiphol zeige, dass Maßnahmen auch ohne Grenzwert angeordnet werden könnten. Politik und Verantwortliche „dürfen den Gesundheitsschutz von Beschäftigten und Anwohnern nicht allein dem Flughafen überlassen“, fordert der Bürgerverein.





















