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U21-Liga der DFL: Eine neue Liga auf Klopps Empfehlung – Sport | ABC-Z

„Aus Raider wird jetzt Twix – sonst ändert sich nix“: Mit diesem Slogan präsentierte der Hersteller im Jahr 1991 die Umbenennung der Karamell-Spezialität zum Zweck der internationalen Namensangleichung. Trotzdem lebt in Deutschland und Österreich, den vom verwandelten Etikett betroffenen Märkten, der alte Name immer wieder auf: In sogenannten Retro-Editionen kehrt Raider regelmäßig im vormaligen Verpackungsdesign zurück, und die Kundschaft, das seltsame Wesen, greift dankbar zu.

Nun steht dem Land eine womöglich noch gravierendere Reform bevor. Für die Verwandlung des DFL e.V. respektive der administrativen DFL GmbH in den „Bundesliga e.V.“ respektive die „Bundesliga GmbH“ gibt es noch keine Werbephrase, aber einen gültigen Beschluss der 36 Gesellschafter. Die Klubs der ersten und zweiten Liga haben am Dienstag entschieden, die Bezeichnung Deutsche Fußball Liga (DFL) abzuschaffen. Motto: Aus DFL wird jetzt Bundesliga – alle Tage wieder.

Für die Fans ändert das einiges. Vorbei die Zeiten, in denen das Feindbild einen prägnanten Namen hatte: Von der nächsten Saison an können sie nicht mehr scheiß DFL rufen, wenn sie gegen Vermarktungspläne oder Spieltermine protestieren. Korrekterweise müssen sie dann scheiß Bundesliga schimpfen – ein semantisches Dilemma, da sie ja für das Wohl der Bundesliga eintreten. Aber darauf nehmen die Klubs ebenso wenig Rücksicht wie auf die Kennzeichnung des Akteurs DFL; die „Angleichung an die Wettbewerbsmarke“ steht im Vordergrund.

Die Umbenennung der im Jahr 2000 gegründeten DFL fällt mit der Einrichtung einer neuen Spielklasse zusammen, die nach bisheriger Lesart als reine DFL-Liga firmieren würde. Jetzt wird sie, zur neuen Saison beginnend, zur Bundesliga-Liga, nachdem die Mitgliederversammlung am Dienstag einstimmig beschlossen hat, einen zusätzlichen U21-Wettbewerb zu etablieren. Die Entscheidung folgt der Empfehlung einer von der DFL berufenen Expertengruppe, der unter anderem Eintracht Frankfurts Manager Markus Krösche, RB-Fußballchef Jürgen Klopp, der ehemalige Nationalspieler Sami Khedira sowie für die Verbände die Geschäftsführer Marc Lenz (DFL) und Andreas Rettig (DFB) angehören. „Mehr Spielzeit für Talente“ lautet die Formel der Zwecksetzung.

Jungen Spielern aus den Klassen U17 bis U21 soll das neue Format helfen, den schwierigen Übergang aus der Juniorenklasse in den Profifußball zu schaffen. Dabei braucht kein Fan zu befürchten, demnächst noch mehr Fußball schauen zu müssen. Die Spiele werden ohne Publikum ausgetragen. Lediglich eine im Sommer stattfindende Endrunde mit zwei Halbfinals, einem Spiel um Platz drei und einem Finale findet öffentlich statt, erstmals 2027.

In England gibt es eine solche Liga bereits, Jürgen Klopp hat in Liverpool gute Erfahrungen mit ihr gemacht

Die Gründung des Wettbewerbs ist ein Krisensymptom und die Antwort auf eine schlechte Entwicklung. Nach Erkenntnissen der DFL gelingt es den Ligen in Frankreich, Spanien und England wesentlich besser, die Nachwuchsspieler aus den dortigen Klub-Akademien auf Profiniveau einzureihen. Zahlen besagen, dass die Premier League und die Ligue 1 einen teilweise fast 50 Prozent größeren Zugewinn an hausgemachten Talenten verzeichnen als die Bundesliga. „Unzureichende Spielzeit“ für die jungen Spieler sei „einer der Gründe“ der mangelhaften Integration, erklärte der DFL-Funktionär Lenz. In England gibt es eine solche U21-Liga bereits. Jürgen Klopp hat es als langjähriger Trainer des FC Liverpool aus der Nähe erlebt und offenbar gute Erfahrungen gemacht. Er setzte sich besonders dafür ein, das Modell zu übernehmen. „Weitere Maßnahmen müssen und werden folgen“, sagte Lenz.

Am bestehenden System in den unteren Spielklassen wird sich damit aber nichts ändern. Weiterhin entsenden Erst- und Zweitligisten ihre B-Mannschaften in die Regionalligen und in die dritte Liga. Dort wird diese Praxis zumeist als Ärgernis empfunden. Die Zweitvertretungen der Spitzenklubs bringen – meistens – kein zahlendes Publikum mit und agieren durch den sporadischen Einsatz von Profis immer wieder am Rande der Wettbewerbsverzerrung. Besonders in der Regionalliga West ist der Unmut darüber groß: Dort sind sieben der 18 Teilnehmer Ableger von höherklassigen Vereinen. Andere wie RB Leipzig, Bayer Leverkusen und VfL Wolfsburg hingegen profitieren vom neuen System – sie unterhalten bisher keine U23-Teams.

Die neue U21-Liga wird in zwei Staffeln starten, die Teilnahme ist freiwillig, der Kosten- und Reiseaufwand soll so gering wie möglich bleiben und die sportliche Umsetzung maximal flexibel erfolgen. Erst am Vorabend des Spiels müssen die Vereine ihre Spieler zur Partie anmelden. Außer jungen Spielern im Alter von 16 bis 21 Jahren dürfen auch bis zu vier ältere Spieler zum Einsatz kommen. Mehr Spielpraxis für den Nachwuchs auf gutem Wettbewerbsniveau – über diese Neuerung braucht sich ausnahmsweise niemand zu beschweren.

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