TSV 1860 München: Nach 5:0 in Havelse geht der Blick wieder nach oben – Sport | ABC-Z

Der Goldpreis ist in jüngerer Zeit immens gestiegen, der Preis für Ananas übrigens auch. Wegen Ernteausfällen kostet eine Frucht mittlerweile auch mal vier Euro. Insofern müsste eine goldene Ananas zurzeit besonders hoch im Kurs stehen, aber der TSV 1860 München zeigte am Samstagnachmittag wenig Interesse, zuzugreifen: 5:0 (1:0) gewannen die Löwen beim Abstiegskandidaten TSV Havelse, und quasi mit Schlusspfiff passiert dann auch gleich wieder das, was in der dritten Liga so oft passiert: Plötzlich besteht wieder eine Möglichkeit, die drohende Bedeutungslosigkeit für die kommenden Wochen doch wieder verhindern zu können.
Dafür braucht es nur einen weiteren Sieg am kommenden Samstag im Heimspiel gegen Hansa Rostock, denn die Hanseaten verursachten mit dem 2:2 gegen Osnabrück eine Punkteteilung zweier Spitzenteams. Vom Aufstiegskampf hatten sich die Löwen-Chefs nach dem miserablen 1:2 bei VfB Stuttgart II eigentlich schon offiziell verabschiedet, doch jetzt sagte Trainer Markus Kauczinski: „Wir müssen mal gucken, wir sind vielleicht ein bisschen rangerückt. Um was zu erreichen, dafür muss man sich steigern. Heute war ein erster Schritt.“
Er räumte aber ein, dass der Sieg „vielleicht einen Tick zu hoch“ ausgefallen war, und in der Tat handelte es sich mit Blick aufs Stuttgart-Spiel eher um einen schlechteren Gegner, als um eine bessere eigene Leistung. Die Havelser hatten es den Löwen so angenehm wie möglich gemacht im Eilenriedestadion in Hannover – nach dem Spiel gab es sogar Freibier für alle.
Vor dem Anpfiff hatten beide Teams ungewöhnliche Motivations-Impulse gesetzt: In Havelse hatte der spielende Sportdirektor Florian Riedel, 35, das Ende seiner aktiven Karriere bekanntgegeben, er hielt, live im Magenta-Stream übertragen, die Kabinenansprache. Seine Einwechslung in der 70. Minute blieb dann sportlich bedeutungslos (sein Abschied war der Grund für das Freibier). Hernach lag er sich mit Sechzigs Patrick Hobsch in den Armen, sie hatten in der gemeinsamen Zeit beim VfB Lübeck zusammen in einer WG gewohnt und kündigten an, am Samstagabend gemeinsam essen zu gehen.
Münchner Zeitverschiebung: „2026 fängt für uns jetzt erst mal an“, sagt Trainer Kauczinski
Und die Sechzig-Spieler versammelten sich diesmal sogar schon vor dem Anpfiff bei den Fans, dort dürften sie gehört haben, wie wenig Appetit die Mitgereisten auf goldene Früchte haben. Ohne die vermeintlichen Edel-Löwen Kevin Volland und Florian Niederlechner (beide gelbgesperrt) verlief das Spiel aber zunächst kaum anders als sonst, sehr ausgeglichen nämlich. Der holprige Rasen machte jegliche spielerische Überlegenheit, sofern vorhanden, völlig zunichte. Nach 21 Minuten hatte Sechzig eine Dreifachchance, auf der anderen Seite blieb Havelses Arlind Rexhepi in bester Position im Rasen hängen (17.). Und dann, in Minute 29, gelang es einem Sechziger, auch einmal mit Tempo auf die gegnerische Kette zuzulaufen. Sigurd Haugen, nach seinem Kieferbruch zum zweiten Mal von Beginn an dabei, gab mit seinem Antritt den Passweg für Philipp Maier vor, umlief den herauseilenden TSV-Keeper Tom Opitz, und erzielte die erste 1:0-Führung der Löwen in diesem Jahr.
„Der Sieg heute tut unfassbar gut, auch, dass wir seit langer Zeit keins bekommen haben“, sagte Patrick Hobsch, der bald nach dem Seitenwechsel zum 2:0 traf (52.). Nach einem Torwartfehler, den Clemens Lippmann zum 3:0 nutzte (60.), war die Partie bereits gelaufen. Sechzig verteidigte zwar fortan nur halbherzig, konnte sich aber auch von Herzen im Konterspiel austoben – die weiteren Treffer erzielten Justin Steinkötter (83.) und Maier (89.).
Beinahe hätte auch noch der eingewechselte Noah Klose getroffen, es wäre für die Sechziger das Sahnehäubchen gewesen. Denn es war in den vergangenen Tagen noch deutlicher geworden als zuvor, was die Sechziger für ein Ziel verfolgen, wenn das Ziel Aufstieg wirklich nicht mehr realistisch ist: So viele Eigengewächse wie möglich an den Profifußball heranführen. Die Notwendigkeit, über Spielminuten für deutsche U23-Spieler an Fördertopf-Gelder zu kommen und womöglich auch noch deren Marktwert zu erhöhen, ist zumindest eine Teilerklärung dafür, dass in der Winterpause trotz Verletztenmisere kein weiterer Spieler verpflichtet wurde.
„Ich habe gezeigt, dass ich den Mut habe, Jungs reinzuwerfen“, hatte Kauczinski demonstrativ am Freitag gesagt. In Havelse freilich hatten die Einwechslungen angesichts des Spielstands wenig mit Mut zu tun. Zwar fehlte diesmal der österreichische Junioren-Nationalspieler Loris Husic wegen einer Länderspiel-Abstellung, dafür feierte Lippmann, 19, sein Tor-Debüt im Profifußball, Noah, der Sohn von Miroslav Klose, 21, sein Debüt im Profifußball, und Lasse Faßmann, 19, seinen zweiten Kurzeinsatz.
Unter der Woche hatte nicht nur der Trainer den Aufstiegskampf auf Eis gelegt. Präsident Gernot Mang hatte sich in einem Interview mit Merkur/tz obendrein „enttäuscht“ gezeigt von der Mannschaft, und sie damit auch in die Pflicht genommen. „2026 fängt für uns jetzt erst mal an“, sagte nun Kauczinski am Magenta-Mikrofon nach dem ersten Sieg des Jahres. Er blickte aber so drein, als ob er dem viel zu deutlichen Erfolg auch noch nicht so recht über den Weg trauen wollte.





















