Trendstudie „Jugend in Deutschland“: Die Gen Z ist abgefuckt | ABC-Z

Die Trendstudie „Jugend in Deutschland“ sorgte in dieser Woche für düstere Schlagzeilen. Von den 14- bis 29-Jährigen in Deutschland gibt demnach ein Drittel an, psychologische Behandlungen zu benötigen. Ein Fünftel denkt ans Auswandern. Nur eine Minderheit vertraut noch in politische Institutionen und abgesehen von AfD und Linken verlieren alle Parteien an Zustimmung.
„Kein Grund zur Resignation“, schreibt jetzt ein schwarz-grünes Autorinnen-Duo. Die Politik müsse aber umdenken. „Alle demokratischen Parteien sollten sich fragen, wann sie zuletzt was für die Jugend in diesem Land gemacht haben. Ein Reel aus den Parteizentralen mit Floskeln wie ‚wir nehmen Euch ernst‘ reicht nicht mehr“, heißt es in einem Debattenbeitrag von Mayra Vriesema und Nora Zabel, der der taz vorab vorliegt.
Vriesema zog vergangenes Jahr als Nachrückerin für Robert Habeck in den Bundestag ein und ist mit 26 Jahren das jüngste Fraktionsmitglied der Grünen. Zabel, 29, ist CDU-Mitglied und arbeitet für eine Abgeordnete; als Buch-Autorin hat sie 2025 über die Gen Z im Osten geschrieben.
In ihrem Beitrag zeigen die beiden Verständnis für die Sorgen ihrer Generation. „Das frühere Aufstiegsversprechen trägt heute nicht mehr“, schreiben sie. Fleiß reiche nicht mehr, um sich einmal Wohneigentum leisten zu können. Leistungsdruck treffe auf immer schlechtere Zukunftsaussichten. Und auf den Generationenvertrag könne man nicht mehr vertrauen: „Man muss keine Mathematikerin sein, um zu verstehen, dass für die Jungen wenig übrigbleiben wird.“
Allerdings sei es auch falsch, die Zahlen aus der Studie „als Zeichen einer unpolitischen, desinteressierten Generation zu lesen“. Die Abwendung von der politischen Mitte entstehe nicht aus Gleichgültigkeit, sondern aus dem Eindruck, „dass die etablierten Parteien die Bedürfnisse der jungen Generation schlicht nicht sehen“. Wer enttäuscht sei, suche sich andere Angebote und finde sie unter anderem bei rechten Kräften. Diese sprächen „gezielt Identität und Anerkennung an, während andere Parteien oft zu technokratisch erscheinen und zu weit vom Alltag junger Menschen entfernt sind“.
9-Euro-Ticket und Jugendzentren
Gegenmaßnahmen schlagen Vriesema und Zabel auf drei Ebenen vor. Erstens bei den politischen Verfahren: Es brauche „echte Beteiligung“, etwa durch „institutionalisierte Jugendparlamente, verbindliche Beteiligungsverfahren, Dialogformate auf Augenhöhe“.
Zweitens fordern die Autorinnen einen „neuen Generationenvertrag, der Geld in die Köpfe und Herzen unserer Jugend investiert“. Dazu gehöre ein einfacher Zugang zu Kultur und Teilhabe: „Es klingt banal, aber ein Kulturpass oder das 9-Euro-Ticket ermöglichen Ausflüge und Aktivitäten, die die mentale Gesundheit erheblich fördern und gleichzeitig denen hilft, für die am Ende des Monats kein Kinobesuch oder eine Bahnfahrt mehr drin ist.“
Drittens müsse ein Fokus auf den ostdeutschen Bundesländern und strukturschwachen ländlichen Regionen liegen. Dort würden Kaufhäuser, Buchläden, Cafés und Kneipen aussterben. „Das, und mangelnde berufliche Aussichten führen dazu, dass viele kluge Köpfe abwandern, insbesondere junge Frauen.“
Konkret schlagen Vriesema und Zabel hier vor, ungenutzte Gebäude in Jugendhäuser umzubauen. Um ländliche Räume für junge Menschen attraktiv zu halten, brauche es aber auch eine pünktliche Bahn, Ärzte und Kindergärten mit genügend Erzieherinnen. „Wenn der Staat nicht radikal lokal denkt und sich aus der Fläche zurückzieht, entsteht ein Vakuum, das von Rechtsextremisten besetzt wird“, schreiben die Autorinnen.





















