Toprak „Die Tochter, die niemand wollte“: Wut und Offenheit | ABC-Z

Yasemin Topraks Memoir „Die Tochter, die niemand wollte“ gewährt einen schonungslosen Einblick in die Familie und die Welt, in der sie aufwuchs.
Yasemin Topraks Memoir „Die Tochter, die niemand wollte“ gewährt einen schonungslosen Einblick in die Familie und die Welt, in der sie aufwuchs. Präzise und wie aus einer Außenperspektive beschreibt sie patriarchale Strukturen und Heuchelei. Die Distanz spiegelt ihr Gefühl, nie richtig dazugehört zu haben.
Doch Toprak erzählt keine jener Befreiungsgeschichten, welche die jesidische Community pauschal als patriarchal und rückständig abstempeln. Sie ordnet ein: gesellschaftlich, politisch und historisch. Sie beschreibt ein Heiratssystem, das schützen sollte, erzählt von Mustern, die aus transgenerationalen Traumata entstanden. Und sie führt in den jesidischen Glauben ein: in Regeln, Gebote, soziale Funktionen.
Yasemin Toprak: „Die Tochter, die niemand wollte“. Ulrike Helmer Verlag, Sulzbach 2026, 160 Seiten, 18 Euro
Toprak zeigt, wie sie versuchte, ins System zu passen, die Erwartungen ihrer Herkunftscommunity zu erfüllen und daran scheiterte: Ein Podcast, in dem sie offen und persönlich über Sexualität sprach, führte schließlich zum Bruch mit ihrer Familie. Anschaulich vermittelt sie die Zerrissenheit zwischen kulturellen Erwartungen und feministischen Ansprüchen.
Zur Buchmesse in Leipzig 2026 erscheint wieder die Literataz – diesmal schon vorab in der wochentaz vom 14. März. Darin geht es um die neuen Bücher von Judith Hermann, Carla Hinrichs, Judith Holofernes, Siri Hustvedt, Michal Hvorecký, Hasan Kikić, Rinah Lang, Dorota Masłowska, Sophia Merwald, Quinn Slobodian, Eva von Redecker, Christoph Ribbat, Lukas Rietzschel, Kuku Schrapnell, Ben Tarnoff, Curtis Sittenfeld, Ronen Steinke, Yasemin Toprak, Michael Wildenhain. Alle Texte zur Buchmesse finden Sie in unserem Schwerpunkt auf taz.de.
Die Buchmesse in Leipzig geht von Donnerstag, 19.3, bis Sonntag, 22.3.
Die taz ist wieder mit einem eigenen Stand vor Ort, an dem in zahlreichen Talks mit Autor:innen diskutiert wird – live auf der Bühne in Halle 5 und als Stream im youtube-Kanal der taz.
Ihre Geschichte entfaltet sich auf 160 Seiten: Knappe Kapitel, kurze, klare Sätze. Mit einer Menge Selbstironie und unbändiger feministischer Wut nimmt Toprak die Leser:innen mit auf ihre Reise „zwischen kulturellen Tabus, freier Sexualität und radikaler Offenheit“.
Die Geschichte ist fesselnd, trotz einiger sprachlicher Wiederholungen legt man das Buch kaum aus der Hand. Topraks Kritik macht eine Auseinandersetzung innerhalb der jesidischen Community unvermeidlich. Wer verstehen und nicht verurteilen will, sollte dieses Memoir lesen. Beritan Dik
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