„Tödlichste Drohne der Welt“ sorgt für Beklemmung im Studio | ABC-Z

Eine politische Beilegung des Ukraine-Krieges ist noch weit entfernt. Und die Verhandlungen zwischen Russland, der Ukraine und den USA in Abu Dhabi sind zwar „mit großer Ernsthaftigkeit“ und hoher Taktung geführt worden, so berichteten die zugeschalteten Korrespondenten Armin Coerper (ZDF) und Ibrahim Naber („Welt“) übereinstimmend am Mittwoch in der Talkrunde von Markus Lanz. Ein Durchbruch der Verhandlungen war aber auch in Abu Dhabi nicht erkennbar.
Umso stärker ist das Interesse an einer militärischen Lösung, die vielleicht zu einem Ende des seit vier Jahren anhaltenden Krieges führen könnte. Nach einer neueren, nicht unumstrittenen US-Studie könnten in dem Konflikt schon fast zwei Millionen Menschen auf beiden Seiten getötet worden sein.
Kriegsreporter: „Ukrainer können Vormarsch der Russen nicht stoppen“
„Die Russen rücken 400 Quadratkilometer pro Monat vor. Sie schaffen nicht den großen Frontdurchbruch. Aber die Ukrainer können ihren Vormarsch nur verlangsamen, nicht stoppen“, berichtete Ibrahim Naber direkt aus einem Frontabschnitt bei Dnipro. Den Ukrainern fehlten vor allem Infanteriesoldaten, auf einen Ukrainer kämen sieben Russen.
Ein hohes Augenmerk richteten die Studiogäste daher auf den Redebeitrag des Investigativjournalisten Bojan Pancevski („Wall-Street-Journal“), der eine Dokumentation über die „tödlichste Drohne der Welt“ gedreht hat. Entwickelt worden ist sie vom russischstämmigen Unternehmer Pasha Yelizarov, gefertigt wird sie vom Unternehmen Lasar Group. „Mit dieser Drohne haben die Ukrainer bereits 2000 russische Panzer zerstört, sowie 3000 gepanzerte Fahrzeuge der Russen“, berichtete Pancevski.

Ukrainischer Drohneneinsatz schockiert Markus Lanz
„Das sind Verluste, die Putin zwölf Milliarden Dollar gekostet haben – ein gigantisches Ausmaß“. Die Ukraine fertige von diesen Drohnen – deren Prototyp ursprünglich aus der Landwirtschaft stammt – rund 1000 Stück im Monat. Die Einheit, die die Steuerung der Drohnen vornehme, bestehe aus 300 Mann, 98 Prozent davon seien Zivilisten. Die mit dem amerikanischen Starlink vernetzten Drohnen ließen sich von überall auf der Welt steuern, „von Kiew, Paris, Berlin oder Moskau“. 80 Prozent aller ukrainischen Angriffe – so Pancevski – erfolgten mit diesen Lasar-Drohnen.
Die technische Entwicklung werde dahin gehen, dass eines Tages Künstliche Intelligenz die Drohnen steuere. Dann speichere man nur das Foto eines Hauses ein, die Drohne finde es dann eigenständig und fliege dort ins Fenster. „Mit der Genfer Kriegskonvention hat das dann aber nichts mehr zu tun.“ Für einen Moment der Beklemmung im Studio sorgte eine eingespielte Szene aus der Dokumentation (auch auf Youtube zu sehen). Sie zeigt Männer in Zivilkleidung in einem leicht abgedunkelten Raum bei der Drohnensteuerung, wie sie einen offenbar verletzt am Boden liegenden russischen Soldaten – verpixelt – ins Visier nehmen, abschießen und sich dann zufrieden in die Hände klatschen.
Moderator Lanz zeigte sich von der Szene sichtlich schockiert: „Um es klar zu sagen, die klatschen sich ab, weil sie gerade einen Menschen erschossen haben?“, fragte Lanz betroffen. Mehr Verständnis für die Drohnen-Schützen zeigte die Journalistin Marian Lau („Zeit“): „Mir ist es lieber, die Jungs sitzen in Sicherheit.“ Das sei doch besser als „in einem Schützengraben wie im Ersten Weltkrieg mit seinem Gemetzel“. Der Ukraine stehe „das Wasser bis zum Hals“, die Drohnenlenker verteidigten ihr Land.
Aktuelle News zum Ukraine-Krieg
Norbert Röttgen rügt „fatales Verhalten von Olaf Scholz“
Norbert Röttgen, CDU-Außenexperte, bezeichnete die Ukraine bei der Drohnen-Entwicklung als „unglaublich innovativ und kreativ“. Deutschland sei bei der Drohnen-Technik 20 Jahre zurück und das sei vor allem eine Schuld der bremsenden SPD gewesen. Auch ein zweites Mal nutzte Röttgen die Gelegenheit zur Kritik am Koalitionspartner SPD: Es ging um die Frage der von Friedrich Merz als Oppositionsführer im Jahr 2024 avisierten Lieferung von Taurus-Marschflugkörpern für die Ukraine.
Ob Röttgen für die Lieferung sei, fragte Lanz ihn. „Ich war und bin dafür“, antwortete der Christdemokrat. Aber man habe da einen praktischen Ausweg gefunden mit der industriellen Kooperation mit Kiew, das seine eigenen Marschflugkörper produzieren könne. Außerdem habe der frühere Kanzler Olaf Scholz eine „Angstkampagne“ geschürt gegen den Taurus, wonach der Bevölkerung suggeriert wurde, die Tauruslieferung ziehe Deutschland in den Krieg. „Das war ein fatales Verhalten von Scholz.“
Eine Zustimmung der Bevölkerung zu erhalten, sei so unmöglich geworden. Einig war sich die Runde weitgehend bei der weiteren Marschroute für die Diplomatie: Putin werde sich auf keine Lösung einlassen, in der er nicht den kompletten Donbass erhalte und er werde auch keinerlei NATO-Truppen in der Ukraine im Rahmen von Sicherheitsgarantien zulassen. „Darunter macht er es nicht“, meinte der Moskau-Korrespondent Coerper. Diese beiden Themen seien ja für Putin der Grund gewesen, den Krieg zu beginnen.





















