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Tierischer Besuch in Thai-Lokal: Kommt ein Elefant ins Restaurant – Reise | ABC-Z

Tiere im Restaurant, das ist für viele Menschen ein schwieriges Thema. Und das meint jetzt nicht: gegrillt oder gedünstet auf dem Teller. Was noch einmal eine ganz eigene Debatte ist. Sondern: lebendige Tiere, die sich, gebeten oder ungebeten, unter die Gäste mischen.

Was fallweise noch akzeptabel ist, sind Hunde. Sofern sie leidlich erzogen sind, nicht allzu schlecht riechen, das Wedeln mit ihrem Schwanz einstellen und ihn obendrein so unter den Tischen und Stühlen von wahlweise Frauchen oder Herrchen verräumen, dass man nicht versehentlich drauftritt auf dem Weg zur Toilette. Lästiger sind Stechmücken, Wespen und derlei Fluginsekten mehr. Wobei man die Erfahrungen machen kann – sofern einem das vom Gemüt her gegeben ist –, dass sie einen umso weniger beeinträchtigen, je weniger hysterisch man auf sie reagiert. Was die Gelassenheit nahezu aller Gästen jedoch definitiv überstrapaziert, sind Kakerlaken und Mäuse. Wobei sich zwar nicht hierzulande, aber in anderen Weltgegenden sehr wohl die Frage stellt, was tatsächlich schlimmer ist: derlei Kleinvieh in einem Restaurant – oder doch eher Großwild.

Welche Meinung dazu der thailändische Wirt hat, der das Restaurant „Penlaos“ betreibt am Rande des Nationalparks Khao Yai, zwei Autostunden nordöstlich von Bangkok gelegen, ist nicht überliefert. Gut dokumentiert ist indessen, dass er Besuch bekommen hat von einer lokalen Berühmtheit namens Biang Lek. Das ist ein Elefant, der bei den Anwohnern dafür bekannt ist, sein angestammtes Terrain, den Nationalpark, immer wieder zu verlassen und Neuland zu erkunden. Wahrscheinlich muss man sich den Charakter Biang Leks so ähnlich vorstellen wie den der Bilderbuch-Kuh „Mama Muh“, illustriert vom „Pettersson und Findus“-Erfinder Sven Nordqvist. Mama Muh hält es vor lauter Entdeckerlust und Tatendrang auch nie lange auf ihrer öden Weide aus. Sie sieht nicht ein, dass das Leben nur aus diesem ewigen Wiederkäuen bestehen soll.

Biang Lek jedenfalls stand unlängst der Sinn nach einem Ausflug, während dem ihn der Appetit auf ein sehr frühes Frühstück aus mehrerlei Obstsorten überkam – und er wusste offenbar, an welche Adresse er sich dafür am besten wendet. Weil es ihm allerdings anders als Kakerlaken und Mäusen nicht möglich ist, durch kleinste Ritzen zu schlüpfen, bekamen die Tore und Regale im Lagerraum des „Penlaos“ die eine oder andere Delle ab, manches ging auch zu Bruch.

Mundraub! Einbruch! Diebstahl! Sachbeschädigung! Man kann dem Tier natürlich manches vorwerfen. Und muss ihm dennoch, alles in allem, zugutehalten, wie umsichtig es letztlich dann doch vorgegangen ist. Biang Leks Restaurantbesuch fand nämlich um vier Uhr morgens statt, weit außerhalb der Öffnungszeiten des „Penlaos“. Er hat also keine Gäste verschreckt, belästigt oder gar gefährdet, außerdem dem Wirt ein erkleckliches Maß an Zeit eingeräumt, um den gröbsten Schaden an der Einrichtung zu beseitigen und auf dem Markt frische Ware zu besorgen.

Und: Auf – zugegeben – eigenwillige Weise hat der Elefant dem „Penlaos“ Publicity beschert. Vor allem aber, und da heiligt der Zweck endgültig die Mittel, hat er Geschmack bewiesen. Das „Penlaos“ hat vor Jahren vom Guide Michelin die Auszeichnung „Bib Gourmand“ erhalten. Ein Qualitätssiegel für exzellente Menüs zu einem besonders attraktiven Preis. Wohingegen Kakerlaken und Mäuse wahllos alles fressen.

Stefan Fischer hatte schon den Wellensittich seines Bruders in seiner Suppe sitzen.
Stefan Fischer hatte schon den Wellensittich seines Bruders in seiner Suppe sitzen. Bernd Schifferdecker (Illustration)
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