„Das war eine schlechte PR-Aktion“ | ABC-Z

Wie sollen Unternehmer, Manager und Verbände mit der AfD umgehen? Darüber hat in der vergangenen Woche halb Deutschland geredet, weil herausgekommen war, dass der Verband der Familienunternehmer mit seiner Präsidentin Marie-Christine Ostermann zu einer Veranstaltung AfD-Bundestagsabgeordnete eingeladen und das zuvor bestehende „Kontaktverbot“ zu den Vertretern der Partei aufgehoben hatte. Der Verfassungsschutz stuft die AfD als rechtsextremistisch ein, in Umfragen kommt sie indes auf hohe Zustimmungswerte. Was also tun?
Für solche Fragen gibt es hierzulande glücklicherweise einen ausgewiesenen Fachmann. Nils Goldschmidt ist Ökonom und Theologe, Direktor des Weltethos-Instituts in Tübingen, Wirtschaftsprofessor in Siegen und Mitglied im Deutschen Ethikrat. Üblicherweise hält er viel von Toleranz, Gesprächs- und Kompromissbereitschaft. In dieser Angelegenheit allerdings habe sich der Unternehmerverband für eine „schlechte PR-Aktion“ hergegeben, sagte Goldschmidt der F.A.S. Die von Ostermann vorgebrachte Rechtfertigung, man müsse der AfD inhaltlich begegnen, läuft nach seiner Ansicht ins Leere.
Goldschmidts Analyse: „Wenn eine Seite mit Halbwahrheiten und Provokationen stets den Dialog verweigert, gilt es daraus den richtigen Schluss zu ziehen: Diskursabbruch.“ Das gelte auch für das wirtschaftspolitische Programm. „Wer gegen die EU und den Euro ist, gegen offene Märkte und gesellschaftliche Freiheit, gefährdet unseren Wohlstand“, urteilt Goldschmidt.
Das ist in der Theorie schlüssig. Aber taugt es auch für die unternehmerische Praxis? Da geht es schließlich nicht in erster Linie um philosophische Prinzipien. In manchen Betrieben wählt vermutlich jeder vierte Beschäftigte die AfD; davor kann man schlecht die Augen verschließen. Außerdem gibt es Städte und Gemeinden, in denen AfD-Politiker in öffentliche Ämter gewählt wurden; dort stehen für die Unternehmen auch Geschäfte auf dem Spiel.
Goldschmidt sortiert die Ebenen. Zum Diskursabbruch rät er, wo zu erwarten ist, dass es um grundsätzliche Positionen gehen wird – wie bei jener Abendveranstaltung mit Bundestagsabgeordneten. In der Firma oder auf kommunaler Ebene sei das anders. „Alltägliches muss man alltäglich behandeln“, sagt der Ethik-Experte. Sein Vorschlag für den Austausch: „Der erste Satz könnte sein: Ich teile einen Großteil deiner Positionen nicht. Dann kann man fortfahren: Um des lieben Friedens willen bleiben wir im Gespräch, solange es um die Sache geht.“
Statt AfD-Parlamentarier in großer Runde einzuladen, sollten Wirtschaftsverbände lieber ihren Mitgliedsunternehmen zur Seite stehen, wenn es innerbetriebliche Konflikte zu lösen gilt, rät Goldschmidt. Wie etwa ist zu reagieren, wenn ein Mitarbeiter mit Außenwirkung für die AfD in den Wahlkampf ziehen will? Der Ökonomie-Philosoph sagt: „Dann sollte man das Gespräch suchen und demjenigen klarmachen: Damit verlässt du die Bahn dessen, was uns als Unternehmen erfolgreich macht. Deshalb können wir das nicht tolerieren.“
Aber wie war das gleich noch mit der alten Forderung, dass Unternehmer Geschäfte machen und sich aus der Politik heraushalten sollen? „Das mag für ruhige Zeiten gelten. Jetzt ist das anders“, sagt Goldschmidt. „Alle müssen stärker auf die politische Dimension ihres Handelns achten, auch die Unternehmer.“





















