Berlin

Teddy Award auf der Berlinale: „Das queere Kino ist Teil des Festivals“ | ABC-Z

So viele Filme: Das Programm der diesjährigen Berlinale, die am Donnerstagabend eröffnet wird, umfasst insgesamt 276 Filme aus 80 Ländern. Über 50 Produktionen haben einen queeren Bezug. Das ist erst mal eine erstaunliche große Zahl, doch hier in Berlin laufen traditionell die meisten queeren Filme, quer durch alle Sektionen. Diese Bandbreite bietet weder Cannes noch Venedig. Und mit dem Teddy Award haben die Internationalen Filmfestspiele Berlin einen queeren Filmpreis, der weltweit einmalig ist. Dieses Jahr wird der Teddy zum 40. Mal verliehen – das wird gefeiert.

Der Teddy Award war der erste queere Filmpreis auf einem A-Festival. Seit 1987 wird dieser in den Kategorien Kurz-, Dokumentar- und Spielfilm vergeben. Als erste Preisträger wurden mit Gus Van Sant und Pedro Almodóvar zwei junge Regisseure ausgezeichnet, die später Weltkarriere machten. Seit 1992 ist der Teddy Award offiziell als unabhängiger Preis der Berlinale anerkannt.

Das 40-jährige Bestehen des Preises wird mit einer Sonderreihe „Teddy 40“ begangen, die sechs Kurzfilme und acht Langfilme beinhaltet. „Das sind natürlich nur ein paar Highlights aus vier Jahrzehnten Teddy-Filmgeschichte“, sagt Michael Stütz, einer von drei geschäftsführenden Vorständen des Fördervereins Teddy e. V., der 1997 gegründet wurde.

Die Berlinale

Eröffnung Am Donnerstag wird die 76. Berlinale eröffnet. Außer Konkurrenz läuft als Eröffnungsfilm „No Good Men“ von der afghanischen Regisseurin Shahrbanoo Sadat, ein Drama um eine Kamerafrau, das 2021, kurz vor der Rückkehr der Taliban, spielt.

Ehrenbär Auf der Eröffnungsgala wird der Ehrenbär an die Schauspielerin Michelle Yeoh verliehen; Yeoh hatte 2023 als erste Asiatin den Oscar für die beste weibliche Hauptrolle gewonnen und war gerade noch mit „Wicked: Teil 2“ im Kino zu sehen.

Jury Der internationalen Jury, deren Besetzung den Wettbewerbstrend zum Arthouse-Film widerspiegelt, steht der deutsche Regisseur Wim Wenders vor.

Trend Schon im vergangenen Jahr hat sich gezeigt, dass sich das Profil der Filmfestspiele verändert. Es fällt offenbar zunehmend schwer, glamouröse Hollywoodproduktionen anzuziehen. Tricia Tuttle, Berlinale-Intendantin seit April 2024, kontert, indem sie das künstlerische Profil schärft. Im Wettbewerbsprogramm, das mit Dramen, Genrefilmen, einem Dokumentarfilm und einem japanischen Anime breit aufgestellt ist, finden sich überwiegend Namen, die nur Cineasten und vielleicht sehr regelmäßigen Berlinale-Besuchern ein Begriff sein dürften. Die Berlinale läuft bis 22. Februar. (dpa)

Stütz hat seine Laufbahn 2005 als Praktikant bei der Berlinale begonnen, erzählt er im Gespräch mit der taz. Seit 2021 ist er beim Förderverein dabei und arbeitet seit 2019 als Leiter der Panorama-Sektion, aus der der Teddy hervorgegangen ist. Wieland Speck (Jahrgang 1951) und Manfred Salzgeber (1934–1994) gelten als Gründungsväter. Queere oder wie es damals hieß: schwule und lesbische Filme liefen teilweise schon seit Anfang der 1980er auf der Berlinale, also vor der Teddy-Gründung. Manfred Salzgeber und Wieland Speck haben diese Filme ins Berlinale-Programm aufgenommen.

Preise generieren Öffentlichkeit

Michael Stütz hat einst als Assistent von Speck gearbeitet. „Ich habe sozusagen die Nachfolge von Wieland angetreten.“ Und seit 2024 ist Stütz zudem Direktor des Gesamtfilmprogramms, also auch für die Wettbewerbsbeiträge zuständig. „Wir brauchen diesen Preis“, erzählt Stütz von den einstigen Beweggründen für den Teddy, „weil Preise Öffentlichkeit generieren.“ Und so ein Preis ist gut „für den Filmmarkt und die Filmindustrie, um die Filme in die Welt hinauszuschicken, um denen auch eine Karriere außerhalb des Festivals zu ermöglichen“.

Der Teddy Award ist eine Erfolgsgeschichte. Der Preis genießt international großes Renommee

Hat geklappt. Der Teddy Award ist eine Erfolgsgeschichte. Der Preis genießt international großes Renommee. „Der Teddy hat eine große Strahlkraft weit über die deutschen Grenzen hinaus“, sagt Stütz.

Zum Jubiläum läuft eine Veranstaltungsreihe unter dem Titel „Wild at Heart“ noch bis 19. Februar, darunter am 18. Februar das jährliche Treffen von Fachleuten aus der queeren Filmbranche. Filmemacher:innen, Pro­gram­mie­re­r:in­nen sowie Ver­lei­he­r:in­nen und Ver­triebs­agen­t:in­nen kommen im Gropius Bau zusammen. Queeres Kino baut traditionell auf Netzwerke und kollaborative Produktionsformen und ist auf Bündnisse angewiesen. Schon immer.

Vor vier Jahrzehnten war der Teddy „enorm wichtig“, sagt Michael Stütz, „was die Sichtbarkeit queerer Filme und Fil­me­ma­che­r:in­nen und das Integrieren eines queeren Filmpreises in ein Festival wie die Berlinale betrifft“. Der Teddy habe sich „über die Jahre hinweg von einem subkulturellen Event zu einem der begehrtesten und größten Events der Berlinale entwickelt“.

Ins Festival „hineingewachsen“

Der Teddy, so Stütz, war eng mit Berlin und den vielen queeren Räumen in der Stadt verbunden – „was auch heute immer noch sehr wichtig ist“. Gerade in Zeiten wie diesen: „Es gibt einen globalen Backlash“, sagt Stütz, „politisch gesehen ist der Teddy Award und die Präsenz queerer Filme auf der Berlinale wichtiger als vor zehn Jahren.“

Und weil queere Filme in allen Sektionen laufen, „haben wir eine wahnsinnige Bandbreite an queeren Filmschaffenden im Programm“, sagt Stütz. Das Queere wäre gewissermaßen ins Festival „hineingewachsen“. Und das ginge auf die „große und verdienstvolle Pionierarbeit, die Manfred Salzgeber und viele andere damals geleistet haben“, zurück. „Das queere Kino ist Teil der Festival-DNA“, bringt es Stütz auf den Punkt.

Das sieht übrigens auch Berlinale-Intendantin Tricia Tuttle so. „Der Teddy Award ist auch fast 40 Jahre später noch sehr wichtig“, hat sie dem queeren Onlineportal queer.de in einem Interview gesagt. „Er hatte damals großen Einfluss und trägt immer noch dazu bei, queeres Kino sichtbar zu machen.“ Viele bedeutende Fil­me­ma­che­r:in­nen wie der diesjährige Jury-Präsident Todd Haynes hätten den Teddy gewonnen. „Der Preis ist ein unverzichtbarer Teil der Geschichte des Festivals“, so Tuttle. „Wir werden ihn weiterhin bewahren und entwickeln, da er zu unserem Erbe gehört.“

Wenn wir uns auf der Leinwand sehen, nehmen wir das natürlich mit in die Welt hinaus. Idealerweise kann das eine Haltung verfestigen und stärken – und einem Mut mitgeben

Michael Stütz, Teddy-Förderverein

Das wird nun also gefeiert. Am besten, in dem sich die Ber­li­ne­r:in­nen die rund 50 queeren Filme anschauen (der Teddy-Förderverein stellt auf seiner Homepage alle vor). „Wenn wir uns auf der Leinwand sehen, nehmen wir das natürlich mit in die Welt hinaus“, sagt Michael Stütz über den so wichtigen Sinn von queeren Filmen. „Idealerweise kann das eine Haltung verfestigen und stärken – und einem Mut mitgeben.“

Wieland Speck, beim Teddy Award 1996 im SO 36



Foto:
Internationale Filmfestspiele Berlin

Die Teddy-Award-Gala, die traditionell am Vorabend der Preisgala zum Goldenen Bären, also am 20. Februar in der Volksbühne stattfindet, endet mit einer großen Party. Filme und Feiern gehören schon immer zusammen. „Das Zusammenkommen und das Feiern auf einem Filmfestival und auf einer Filmparty ist auch ein politischer Aspekt“, sagt Michael Stütz.

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